Rentenkommission empfiehlt Abschaffung der Minijobs – 6,8 Millionen wären betroffen
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WirtschaftKontroverse Reformpläne

Rentenkommission empfiehlt Abschaffung der Minijobs – 6,8 Millionen wären betroffen

Die Rentenkommission will geringfügige Beschäftigung abschaffen, um Altersarmut zu verhindern. Betroffene Branchen warnen vor Flexibilitätsverlust und mehr Schwarzarbeit.

Kommission: Minijobs abschaffen, Altersarmut bekämpfen

Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat am 23. Juni 2026 ihren Bericht übergeben und empfiehlt darin, Minijobs in ihrer jetzigen Form abzuschaffen. Künftig sollen auch geringfügig Beschäftigte – mit Ausnahme von Schülern – Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Bisher tragen Arbeitgeber pauschal gut 30 Prozent, während für die Arbeitnehmer keine Sozialabgaben anfallen. Ziel ist es, Altersarmut vorzubeugen und die Sozialkassen zu stärken.

Knapp 6,8 Millionen Menschen wären betroffen, darunter überproportional viele Beschäftigte in Handel und Gastronomie – in Niedersachsens Gastgewerbe etwa ist mehr als die Hälfte der 200.000 Arbeitsplätze ein Minijob. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bezifferte die rechnerischen Mehreinnahmen für die Sozialversicherungen auf 4,5 Milliarden Euro jährlich, warnte aber zugleich: Bei einem typischen Verdienst von 72 Prozent der Geringfügigkeitsgrenze sänken die Nettoeinkommen der Beschäftigten spürbar.

Wirtschaft warnt vor „Katastrophe“ und Schwarzarbeit

Das Handwerk bezeichnete Minijobs als „unverzichtbares Flexibilitätsinstrument“, das saisonale Spitzen abfedert. Der Hotel- und Gaststättenverband Bayern erklärte, die Vorschläge gingen „an der betrieblichen Realität vorbei und wären für das Gastgewerbe eine Katastrophe“. IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer sagte: „Damit wäre niemandem geholfen.“ Die FDP warnte vor einem „Konjunkturprogramm für Schwarzarbeit“.

Gewerkschaften: Minijobs sind eine „Altersarmutfalle“

Auf der anderen Seite begrüßten Gewerkschaften und Sozialpolitiker die Pläne. ver.di nannte Minijobs eine „Altersarmutfalle“. Die taz kommentierte, die rund 6,8 Millionen Minijobber drohten bei unveränderter Regelung im „sozialen Elend“ zu landen. Auch die CDU-Arbeitnehmergruppe um Stefan Nacke hatte bereits im November 2025 eine Teilabschaffung gefordert, wo Minijobs reguläre Arbeit verdrängen. Der CDA-Vorschlag vom Februar sah Ausnahmen für Schüler, Studierende und Rentner vor.

Koalition uneins – Entscheidung vertagt

Innerhalb der Union verlaufen die Meinungslinien unterschiedlich. Während die Arbeitnehmergruppe und die CDA für eine Reform eintreten, mahnte CSU-Chef Markus Söder zur Vorsicht, es dürfe „nicht voreilig Porzellan zerschlagen werden“. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak begrüßte die Vorschläge grundsätzlich, kritisierte aber, das Gesamtkonzept der Kommission greife nicht ausreichend gegen Altersarmut. Das am 2. Juli 2026 von CDU, CSU und SPD verkündete Reformpaket enthält keine Festlegung zur Minijob-Abschaffung. Die Debatte zwischen sozialer Sicherung und wirtschaftlicher Flexibilität bleibt somit offen.

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