Weidel wirft ZDF-Journalistin „Framing“ vor – und verweigert Antworten zu Rechtsextremismus
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PolitikEklat im ZDF-Interview

Weidel wirft ZDF-Journalistin „Framing“ vor – und verweigert Antworten zu Rechtsextremismus

Nach ihrer Wiederwahl als AfD-Co-Chefin attackierte Alice Weidel im ZDF-heute-journal Moderatorin Dunja Hayali. Auf Fragen zur Verfassungsschutz-Einstufung reagierte sie mit Vorwürfen – und ohne Antworten.

Alice Weidel hat im ZDF-heute-journal die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders in Frage gestellt – und sich zugleich jeder inhaltlichen Debatte um die Verfassungsschutz-Einstufung ihrer Partei verweigert. Unmittelbar nach ihrer Wiederwahl auf dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt lieferte sie sich mit Moderatorin Dunja Hayali einen neunminütigen Schlagabtausch.

Zuvor war Weidel mit 81,31 Prozent der Delegiertenstimmen erneut zur Co-Vorsitzenden gewählt worden, während ihr Co-Chef Tino Chrupalla auf nur noch 70,05 Prozent kam – ein deutlicher Rückgang gegenüber 82,7 Prozent vor zwei Jahren. Der Parteitag wurde von Massenprotesten mit rund 31.000 Teilnehmern begleitet; die Polizei registrierte 48 Straftaten und elf Ordnungswidrigkeiten.

Vorwurf des Framings und Abbruch des Dialogs

Hayali hatte nach Weidels innerparteilicher Durchsetzungsfähigkeit gefragt und einen Bezug zu Stefan Möller hergestellt, dem Thüringer AfD-Landeschef, der eine weitere Radikalisierung fordert. Statt darauf zu antworten, warf Weidel der Moderatorin und dem ZDF „Framing“ vor: „Ich habe Ihren Beitrag vorhin genau angeschaut. (...) Ich weise dieses Framing, dass die AfD oder Teile der Alternative für Deutschland Rechtsextremisten sind, aufs Schärfste zurück.“

Dass hier die AfD oder Teile der Alternative für Deutschland Rechtsextremisten sind, weise ich aufs Schärfste zurück.
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende

Die Co-Vorsitzende weigerte sich, den Fakten zum Verfassungsschutz zu folgen. Die Bundespartei wird als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet, in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gilt sie als gesichert rechtsextremistisch. Als Hayali diese Einordnung anführte, wiederholte Weidel nur: „Sie framen uns, und das ist von Grund auf falsch.“

Souveräne Moderation, ausweichende Antworten

Hayali blieb im gesamten Interview ruhig und erläuterte mehrfach die journalistische Relevanz ihrer Fragen. Eine vorläufige Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln von Februar 2026, die eine Einstufung der Gesamtpartei als „gesichert rechtsextrem“ stoppte, belege keineswegs deren Unbedenklichkeit, so Hayali.

Weidel wich den Fakten aus, antwortete mit Gegenfragen und beendete das Gespräch ohne eine einzige inhaltliche Aussage zur innerparteilichen Radikalisierung oder zur Bewertung des Verfassungsschutzes. Kommentatoren sprachen von einem „Fassungsverlust“ und von einer Flucht in Scheinargumente.

Geteilte Reaktionen in den Medien

Während etablierte Medien den Auftritt als dünnhäutig bewerteten, lobten rechte und alternative Kreise Weidels Verhalten. So nannte der rechtskonservative Blogger Alexander Wallasch Hayali auf einer Plattform „zutiefst verbittert“ und Weidel „bewundernswert gutmütig“.

Das Interview offenbarte einmal mehr den grundlegenden Konflikt zwischen der AfD und den öffentlich-rechtlichen Medien: Während Journalisten auf Faktenbasis recherchieren, nutzt die Partei den Vorwurf der Voreingenommenheit, um unangenehme Nachfragen zu unterbinden. Alice Weidel ließ offen, wie sie der wachsenden Radikalisierung in den eigenen Reihen begegnen will.

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