Bundesregierung plant strategische Gasreserve
Trotz der erst zu Jahresbeginn abgeschafften Gasspeicherumlage droht deutschen Gaskunden eine neue Zusatzbelastung. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, plant die Bundesregierung den Aufbau einer strategischen Gasreserve. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte die Pläne am 7. Juli 2026.
Die Reserve soll rund 24 Terawattstunden (TWh) Gas umfassen – etwa zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität. Die Beschaffung wird auf zwei bis drei Jahre gestreckt; eine erste Befüllung ist für Sommer 2027 vorgesehen. Die Kosten für Aufbau, Gaseinkauf und Speicherung werden auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro veranschlagt, hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 150 bis 180 Millionen Euro.
Extreme Notfälle als Einsatzgrund
Anders als die marktbasierte Wintervorsorge soll die neue Reserve nur in außergewöhnlichen Extremlagen wie Sabotage oder einer globalen Gasmangellage zum Einsatz kommen. Im Krisenfall entscheidet die Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler über den Einsatz. Die Reserve soll einen bis zu 30-tägigen Ausfall der größten Importinfrastruktur abdecken und so Abschaltungen von Industriekunden verhindern sowie Zeit für Reparaturen oder alternative Importe schaffen.
Finanzierung über neue Umlage – Verbraucher zahlen
Die Finanzierung erfolgt nicht aus dem Bundeshaushalt, sondern über eine Umlage, die alle Gaskunden tragen sollen. Diese wird voraussichtlich niedriger ausfallen als die Ende 2025 abgeschaffte Gasspeicherumlage in Höhe von 0,289 Cent pro Kilowattstunde. Dennoch stößt die neue Belastung in einer Phase hoher Energiepreise auf Kritik. Die Verbraucherzentralen warnen vor einer erneuten zusätzlichen Kostenwälzung auf die Haushalte.
Unterstützung kommt dagegen aus den Bundesländern und der Speicherbranche. Sie sehen darin ein notwendiges Instrument zur Stärkung der Energieresilienz. Der Bundesrat hatte bereits im Frühjahr 2026 die Schaffung einer strategischen Gasreserve für Versorgungsnotfälle gefordert, nachdem die Speicherfüllstände im Winter 2025/26 historisch niedrig gewesen waren.
Die strategische Gasreserve ergänzt diese marktwirtschaftliche Vorsorge ausschließlich für außergewöhnliche Krisensituationen und ist daher strikt vom Markt getrennt.Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
Ein Kabinettsbeschluss wird für Mitte August 2026 angestrebt. Wie das Vergleichsportal Verivox berechnet hat, würde ein Musterhaushalt durch die neue Umlage deutlich geringer belastet als durch die alte Gasspeicherumlage. Offen bleibt jedoch, ob sich im Bundestag eine Mehrheit für die erneuten Zusatzkosten für Verbraucher findet.







