Er kämpfte mit außergewöhnlicher Festigkeit, doch die Krankheit war stärker: Bertrand Grébaut, einer der prägenden Köche der französischen Neo-Bistronomie, ist tot. Der 44-Jährige starb am 2. Juli 2026 in Paris an einem seltenen Tumor, der erst im Herbst 2025 diagnostiziert worden war.
Die Nachricht von seinem Tod gab sein langjähriger Geschäftspartner und enger Freund Théophile Pourriat am 4. Juli auf dem Instagram-Kanal des Restaurants bekannt. Grébaut hatte sich der Erkrankung mit „außergewöhnlicher Festigkeit“ gestellt und war noch im Februar bei einem kulinarischen Event um das Restaurant Chateaubriand letztmals öffentlich aufgetreten, wie People.com berichtet.
Vom Graffiti-Künstler zum Sternekoch
Grébaut fand erst auf Umwegen zur Spitzengastronomie. Er studierte zunächst Literatur, arbeitete als Grafikdesigner und war als Graffiti-Künstler aktiv, bevor er sich für die Kochausbildung an der renommierten École Ferrandi entschied – die er als Jahrgangsbester abschloss. Ein prägendes Praktikum bei Alain Passard im L’Arpège folgte, wo er eine gemüsebetonte, kompromisslose Küche kennenlernte.
Schon mit 26 Jahren wurde Grébaut Küchenchef des Pariser Restaurants L’Agapé und erkochte dort einen Michelin-Stern. 2009 zeichnete ihn Gault&Millau als „Jeune Talent“ aus.
Septime – ein kulinarisches Ökosystem
2011 eröffnete Grébaut gemeinsam mit Pourriat im 11. Arrondissement das Restaurant Septime. Statt im traditionellen Nobelviertel setzte das Duo auf einen unprätentiösen, hellen Raum und ein kurzes, täglich wechselndes Menü. Septime erhielt bereits 2012 einen Michelin-Stern und wurde regelmäßig unter den einflussreichsten Adressen der „World’s 50 Best Restaurants“ geführt.
Um Septime herum schuf Grébaut ein ganzes gastronomisches Universum: das Fischrestaurant Clamato, die Weinbar Septime La Cave, die Bäckerei Tapisserie und das Landgasthaus D’Une Île. Seine Gerichte waren geprägt von Leichtigkeit, Saisonalität und einer Reduktion auf das Wesentliche – Säure nannte er einst seine liebste Geschmacksrichtung, „das, was einem Gericht Halt und Balance gibt“.
Ich habe meinen besten Freund, meinen Partner, meinen Bruder verloren.Théophile Pourriat, Geschäftspartner und Mitbegründer von Septime
Abschied und Vermächtnis
Grébaut hinterlässt seine Ehefrau, die Köchin Tatiana Levha, die beiden Kinder Anna und Roman sowie seine Mutter Catherine. Pourriat kündigte an, die Restaurants bis zur Beisetzung offen zu halten – „Seite an Seite weiterzumachen, was er gewollt hätte“ – und sie danach für drei Tage zu schließen, „um wieder zu Atem zu kommen“.
Die Pariser Gastro-Szene verliert mit Bertrand Grébaut einen virtuosen Freigeist, der die zeitgenössische französische Küche mitprägte. Seine Demut und Detailbesessenheit bleiben unvergessen.





