Die iranische Hauptstadtzeitung „Hamshahri“ hat am 11. Juli 2026 eine konkrete Todesdrohung gegen 13 westliche Spitzenpolitiker veröffentlicht – darunter Bundeskanzler Friedrich Merz. Alle Abgebildeten waren in orangefarbenen Gefängnisoveralls mit eingeblendeten Fadenkreuzen zu sehen, untertitelt mit: „Vergeltung ist sicher“.
Die Liste erschien zwei Tage nach der Beerdigung des getöteten Ajatollahs Ali Khamenei in Mashhad, bei der Millionen Trauernde Rache forderten. Zeitgleich verlas das iranische Staatsfernsehen eine Botschaft des neuen Revolutionsführers Mojtaba Khamenei: „Rache ist der Wille unserer Nation und muss unweigerlich vollstreckt werden. Diese Verbrecher, deren Namen auf einer Liste stehen, werden ihren Wunsch nach einem friedlichen Tod im Bett mit ins Grab nehmen.“
Neben Merz sind US-Präsident Donald Trump, der israelische Premier Benjamin Netanyahu, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und der britische Premierminister Keir Starmer aufgelistet – insgesamt 13 Namen. Die Online-Veröffentlichung wurde nach wenigen Tagen wieder entfernt, was Beobachter als kalkulierte Provokation mit Rückzugsmöglichkeit werten.
Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft
Deutsche Sicherheitspolitiker zeigen sich alarmiert. Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, warnt:
„Wir müssen davon ausgehen, dass die iranischen Geheimdienste auch in Europa Anschläge planen.“Marc Henrichmann (CDU, Vorsitzender Parl. Kontrollgremium)
Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter verschärft die Warnung und sieht bereits konkrete Vorbereitungen:
„Ich gehe davon aus, dass das Terrorregime bereits seit geraumer Zeit gezielte Tötungen und Terroranschläge im Westen und auch in Deutschland plant und vorbereitet.“Roderich Kiesewetter (CDU-Außenpolitiker, Oberst a.D.)
Der innenpolitische SPD-Sprecher Sebastian Fiedler sieht ein zusätzliches Risiko durch radikalisierte Einzeltäter. Auch Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) betont, die Drohung sei ohne Zustimmung des Regimes nicht möglich gewesen. „Wenn ein Regime unseren Regierungschef ins Visier nimmt, ist das ein feindseliger Akt und sollte auch so behandelt werden.“
Bundesregierung hält sich bedeckt – aber prüft Hinweise
Offiziell reagierte die Bundesregierung zurückhaltend. Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer erklärte, man habe die Liste „zur Kenntnis genommen“. Hinter den Kulissen prüfen die Bundessicherheitsbehörden jedoch laut Innenministerium „verschiedene Hinweise auf mögliche Ausspähaktivitäten oder Vorbereitungen für etwaige Anschläge“. Die Schutzmaßnahmen für den Kanzler würden laufend überprüft.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte bereits im Mai 2026 mitgeteilt, der iranische Geheimdienst sei „seit langem bereit, zu Aktionen zu greifen, die staatlichem Terrorismus gleichkommen“. Rund 180 Personen in Deutschland werden den Revolutionsgarden oder dem Geheimdienst zugerechnet. Erst im Mai erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen zwei Männer, die Anschläge auf den Zentralratspräsidenten Josef Schuster und Volker Beck vorbereitet haben sollen.
Internationale Dimension: Trump droht, Tajani empört
Auch andere betroffene Länder reagieren scharf. Der italienische Außenminister Antonio Tajani nannte die Drohung gegen Meloni „inakzeptabel“. US-Präsident Trump, der schon zuvor mit massiven Vergeltungsschlägen gedroht hatte (Trumps Iran-Drohungen – zwischen Ultimatum, Gottesbezug und Eskalationsgefahr), erklärte auf Truth Social, er habe Anweisungen für eine beispiellose Bombardierung hinterlassen, sollte der Iran zuschlagen.
Die Liste fügt sich in eine monatelange Eskalationsspirale seit Khameneis Tod Ende Februar. Die jüngste Drohung folgt nur einen Tag nach der schwersten US-Bombenwelle seit Monaten mit 140 Zielen im Iran. Dass die online-Veröffentlichung rasch verschwand, deuten Experten als typisches Muster: maximale Provokation bei geringer angreifbarer Papierspur. Die Gefahr durch Wegwerfagenten und radikalisierte Einzeltäter bleibt nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden real.





