Drei Millionen Euro gegen die AfD: Campact finanziert Anti-AfD-Wahlkampf
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NoAfD-Fonds

Drei Millionen Euro gegen die AfD: Campact finanziert Anti-AfD-Wahlkampf

Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hat die Kampagnenorganisation Campact rund drei Millionen Euro Spenden gesammelt. Das Geld fließt in lokale Initiativen und eigene Kampagnen – doch die AfD führt in Umfragen.

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Rund drei Millionen Euro – so viel hat Campact mit seinem „NoAfD-Fonds“ gegen die AfD eingesammelt. Nur zwei Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September) und Mecklenburg-Vorpommern (20. September) erreicht die Spendenkampagne neue Dimensionen. Ursprünglich waren 1,5 Millionen Euro angepeilt, inzwischen haben über 60.000 Menschen gespendet. Die AfD führt in beiden Ländern die Umfragen an – Zeit für eine demokratische Gegenmobilisierung, so die Organisation.

Von 1,5 auf 3 Millionen: Spendenkampagne übertrifft alle Erwartungen

Gestartet wurde der Fonds am 27. Oktober 2025 – als direkte Antwort auf die Wahlkampfpläne der AfD, die allein in Sachsen-Anhalt 1,5 Millionen Euro in den Wahlkampf stecken wollte. Campact-Vorstand Felix Kolb brachte es auf den Punkt:

Der NoAfD-Fonds ist unsere Antwort auf die Wahlkampfankündigungen der AfD, Millionen in ostdeutsche Wahlkämpfe zu buttern.
Felix Kolb, Vorstand von Campact

Binnen vier Tagen waren bereits über 777.000 Euro eingegangen. Bis März 2026 meldete Campact 1,4 Millionen Euro von mehr als 36.000 Spendern und erhöhte das Ziel auf 2,5 Millionen. Luise Neumann-Cosel, Leiterin Politik und Kampagnen, sprach von „Campacts größter Crowdfunding-Kampagne gegen Rechtsextremismus bislang“.

Aktuell, Mitte Juli 2026, vermeldet die Junge Freiheit „rund drei Millionen Euro“, während die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf dpa von „mehr als 2,5 Millionen“ berichtet. Auf seiner Website bestätigt Campact, dass bereits 2,5 Millionen Euro gespendet wurden – und dass weiter gesammelt wird, weil das Geld „schon fast vollständig verplant“ sei und täglich neue Anträge lokaler Initiativen eingehen.

Wohin fließt das Geld? 50 Prozent direkt in die Zivilgesellschaft

Die Mittel werden nach einem festen Schlüssel verteilt: Die Hälfte geht an lokale Vereine und Initiativen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die sich gegen Rechtsextremismus und für Demokratie einsetzen. Das entspricht bei 2,5 Millionen rund 650.000 Euro pro Land. Gefördert werden Haustürgespräche, Demonstrationen, Infostände auf Marktplätzen, Konzerte, Jugendtreffs, Social-Media-Kampagnen, Sommerfeste in ländlichen Regionen und kostenlose Magazine für Schüler.

Konkret profitierte etwa das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa). Geschäftsführer Mamad Mohamad, der bei der Landtagswahl für die Grünen auf Listenplatz 4 kandidiert, bestätigte gegenüber der taz, Lamsa habe bereits 55.000 Euro erhalten. Er warnte:

Eine AfD-Regierung würde die Landesfinanzierung für uns stoppen. Die Hälfte unserer Mitarbeiter wäre dann von Entlassungen betroffen.
Mamad Mohamad, Geschäftsführer Lamsa, Grünen-Kandidat

Die andere Hälfte des Fonds setzt Campact selbst ein: für großflächige Plakataktionen, Postwurfsendungen an Hunderttausende Haushalte und Aufrufe in sozialen Medien zur strategischen Wahl. Eine landesweite Postwurfsendung in Thüringen etwa hatte rund 200.000 Euro gekostet, Zeitungsanzeigen vor Stichwahlen in Mecklenburg-Vorpommern lagen bei 30.000 Euro.

AfD führt in Umfragen – und legt Regierungsprogramm vor

Der Handlungsdruck ist groß: In Sachsen-Anhalt liegt die AfD bei 41 Prozent. Sollte die SPD an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, könnte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit diesem Ergebnis eine Alleinregierung stellen – und erster AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden. In Mecklenburg-Vorpommern kommt die Partei um Leif-Erik Holm auf 35 bis 36 Prozent.

Siegmund stellte am Wochenende auf einem Parteitag in Magdeburg ein Zehn-Punkte-Programm für die ersten 100 Regierungstage vor. Die AfD plant darin eine Abschiebeoffensive, Arbeitspflicht für Asylbewerber und den Austritt aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Siegmund hatte 2023 am Potsdamer Geheimtreffen teilgenommen, bei dem Rechtsextreme Massenabschiebungen diskutierten – Pläne, die er im Landtag als „Gebot der Stunde“ bezeichnete.

Campact finanziert sich nach eigenen Angaben ausschließlich aus Spenden und erhält kein Geld vom Staat oder von Konzernen. Laut Transparenzbericht gab die Organisation 2024 rund zehn Millionen Euro gegen Rechtsextremismus aus. Die Junge Freiheit kritisierte Campact als „linksextremen Verein“ und verwies auf Verbindungen zum Bündnis „Widersetzen“, das den AfD-Bundesparteitag in Erfurt blockieren wollte. Campact selbst weist solche Vorwürfe zurück und betont den demokratischen Charakter der Kampagne.

In der Union werden bereits Stimmen lauter, die ein Ende der „Brandmauer“ zur AfD fordern. Ein CDU-Kreisverband in Sachsen-Anhalt zeigt sich offen für eine Zusammenarbeit. Neumann-Cosel hält dagegen: „Die AfD mag Millionen in ihren Wahlkampf stecken, doch ihr steht eine starke demokratische Zivilgesellschaft gegenüber. Zehntausende Menschen machen mit ihren Spenden deutlich: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind nicht braun, sondern bunt und demokratisch.“

Ob die Millionen-Kampagne den Umfragevorsprung der AfD brechen kann, bleibt offen. Die erste Wegmarke ist der 6. September in Sachsen-Anhalt, zwei Wochen später folgt Mecklenburg-Vorpommern. Spätestens dann entscheidet sich, ob der NoAfD-Fonds sein Ziel erreicht hat – oder ob die AfD erstmals in einem ostdeutschen Bundesland den Ministerpräsidenten stellt.

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