Ein politisches Beben in Schleswig-Holstein: Die CDU von Ministerpräsident Daniel Günther stürzt in einer neuen INSA-Umfrage auf 27 Prozent ab. Im Vergleich zur letzten Erhebung im Januar 2025 verliert die Partei 12 Prozentpunkte – und damit die Mehrheitsfähigkeit ihrer schwarz-grünen Koalition.
Befragt wurden zwischen dem 7. und 14. Juli 2026 insgesamt 1000 Wahlberechtigte im Auftrag der „Bild“-Zeitung, wie auch Focus Online berichtet. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei etwa 1 bis 3 Prozentpunkten. Die nächste Landtagswahl findet am 18. April 2027 statt.
AfD und Grüne als Gewinner
Die AfD legt um vier Punkte auf 18 Prozent zu und wird damit zweitstärkste Kraft im Land. 2022 war sie mit 4,4 Prozent an der Fünfprozenthürde gescheitert. Die Grünen verbessern sich ebenfalls um vier Punkte auf 17 Prozent. Die AfD profitiert von einem bundesweiten Trend: In Thüringen erreichte sie zuletzt sogar 40 Prozent.
Die SPD verliert einen Punkt und landet bei 15 Prozent. Die Linke könnte mit 7 Prozent erstmals seit 2009 wieder in den Landtag einziehen. Die FDP kommt auf 6 Prozent und würde vom neuen Bundesvorsitzenden Wolfgang Kubicki profitieren, dessen Heimatland Schleswig-Holstein ist. Der SSW erreicht als Minderheitenpartei 6 Prozent und ist von der Sperrklausel befreit.
Schwarz-Grün ohne Mehrheit
Mit zusammen nur 44 Prozent hätten CDU und Grüne keine eigene parlamentarische Mehrheit mehr. 2022 hatte die CDU allein 43,4 Prozent geholt und die absolute Mehrheit nur um ein Mandat verfehlt. Günther bräuchte mindestens einen weiteren Koalitionspartner. Die Union leidet bundesweit unter massivem Vertrauensverlust: Eine aktuelle Umfrage sah die CDU/CSU bei nur 21 Prozent.
Rechnerisch wäre eine Jamaika-Koalition mit der FDP möglich – CDU, Grüne und FDP regierten bereits von 2017 bis 2022. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen alle übrigen Parteien aus. Eine Regierung ohne Günther, etwa ein Fünfer-Bündnis aus Grünen, SPD, Linken, SSW und FDP, gilt als äußerst unwahrscheinlich.
Mahnung für Berlin
Beide Hauptverlierer – CDU und SPD – stellen gemeinsam die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Die Schlappe im Norden könnte als Stimmungstest für die Bundespolitik gedeutet werden. Bereits im Juni forderten 59 Prozent der Deutschen Neuwahlen, die AfD zog an der Union vorbei.
Laut dawum.de beträgt die mittlere Abweichung von INSA-Umfragen bei vergangenen Wahlen durchschnittlich ±1,52 Prozentpunkte. Ohne einen klaren Aufwärtstrend wird es für die CDU schwer, eine stabile Regierung zu bilden. Ob Günther seine dritte Amtszeit als Ministerpräsident erreichen kann, ist neun Monate vor der Wahl völlig offen.





