Der Auftritt beim Regenbogenabend
Am 10. Juli 2026 lud die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zu ihrem jährlichen Parlamentarischen Regenbogenabend ins Paul-Löbe-Haus. Auf dem Programm stand auch der Trans-Influencer und Comedian Avelo, der in den USA aufwuchs, 2022 eine Hormontherapie begann und sich 2023 einer Genitaloperation unterzog. Im Publikum saßen die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann und ihre Stellvertreterin Misbah Khan.
Avelo nutzte seinen rund zehnminütigen Auftritt für sexuell drastische Aussagen: „Ich wollte eine verfickte Muschi. […] Und jetzt, dass diese Brötchen wie eine U-Bahn-Station – neue Züge jede fünf bis zehn Minuten –, würde ich sagen, dass: Mission verfickt abgeschlossen.“ Die Zuhörer applaudierten vereinzelt, wie die Junge Freiheit berichtete.
Videos aus dem Bundestag: „Ich bin feucht“
Wenig später veröffentlichte Avelo auf TikTok und Instagram zwei weitere Videos, die er im leeren Bundestag aufgenommen hatte. In einem beklagte er schluchzend: „Manchmal mache ich mir Sorgen, dass ich Schwanz brauche, mehr als Schwanz mich braucht.“ Im zweiten flüsterte er stöhnend: „Niemand im Bundestag weiß, dass ich im Bundestag derzeit feucht bin.“
Die Clips erzielten zusammen rund 500.000 Aufrufe, wurden jedoch nach wenigen Tagen von den Plattformen gelöscht. Politiker und Kommentatoren zeigten sich empört. Die Journalistin Anabel Schunke nannte das Verhalten auf Facebook einen „essentiellen Bestandteil des Fetischs autogynophiler Männer“.
Klöckner prüft Verstoß gegen die Würde des Hauses
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat eine Prüfung eingeleitet. Es müsse geklärt werden, ob Avelos Äußerungen und die Videos die „Würde des Hauses“ verletzt haben. Klöckner hatte bereits zuvor den zunehmenden Social-Media-Fokus von Abgeordneten kritisiert: „Das Plenum ist das Schaufenster der parlamentarischen Arbeit und keine Influencer-Agentur oder Klick-Ökonomie.“
„Das Plenum ist das Schaufenster der parlamentarischen Arbeit und keine Influencer-Agentur oder Klick-Ökonomie. Kurzum: Demokratie ist nicht immer das Schnellste, aber sie hilft uns, das Schlimmste zu verhindern.“
Offen ist, ob das Bundestagspräsidium gegen die Gastgeberin des Abends, die queerpolitische Sprecherin Nyke Slawik (Grüne), vorgehen wird. Diese hatte Avelo eingeladen und moderierte den Abend. Die Grünen-Fraktion hat sich zu dem Vorgang bisher nicht öffentlich geäußert.
Das Präsidium hatte erst kürzlich die Hausordnung verschärft und Ordnungsgelder von bis zu 4.000 Euro für herabwürdigende Inszenierungen im Plenarsaal eingeführt. Ob diese Regeln auf den Auftritt eines Fraktionsgästen im Paul-Löbe-Haus angewandt werden können, ist Teil der laufenden Prüfung.





