DDR-Hymne bei AfD-Wahlkampfauftritt gesungen
Ein Wahlkampfauftritt der AfD in Dessau-Roßlau ist zum Politikum geworden. Zum Abschluss einer Podiumsdiskussion stimmte der eingeladene Kabarettist Uwe Steimle am Dienstagabend die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen" an. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sangen auf der Bühne mit, wie die Welt berichtet.
Chrupalla hatte Steimle scherzhaft aufgefordert, die deutsche Nationalhymne anzustimmen. Stattdessen intonierte der Kabarettist die ersten Zeilen des DDR-Liedes. Nach einem kurzen Zögern sang Chrupalla lächelnd mit, ebenso Siegmund und Teile des Publikums. Anschließend wurde auch die bundesdeutsche Hymne gesungen.
Scharfe Kritik von CDU und CSU
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) nannte den Vorfall „extrem befremdlich". Es sei besonders problematisch, dass politische Repräsentanten „damit ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten", sagte Frei im Interview mit WELT TV.
„Mit dem Absingen der DDR-Hymne zelebriert die AfD hier ein brutales Unrechtsregime und entlarvt sich einmal mehr als extremistisch und geschichtsvergessen. Die AfD spaltet Deutschland und unsere Gesellschaft.“
Aufarbeitungsbeauftragter irritiert
Auch Johannes Beleites, der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt, äußerte sich irritiert. „Die Hymne der DDR war die Hymne einer Diktatur", sagte er. Das Singen zum Abschluss einer Wahlkampfveranstaltung einer Partei, die den Ministerpräsidenten stellen möchte, zeuge von einer „Missachtung der Opfer des SED-Regimes".
Chrupalla selbst verteidigte sein Verhalten. Die Textzeile „Deutschland einig Vaterland" habe zur Einheit aufgerufen. Aus diesem Grund sei die Hymne in der DDR ab 1972 nur noch instrumental gespielt worden. „Auferstanden aus Ruinen" drücke die Hoffnung der Bürger aus.
Die AfD mit ihrem 35-jährigen Spitzenkandidaten Siegmund liegt in Sachsen-Anhalt in Umfragen mit Werten um 40 bis 41 Prozent weit vor der CDU. Chrupalla hatte Siegmund bei der Veranstaltung auf eine „Riesenverantwortung" eingeschworen: Er werde „liefern müssen".
Der Vorfall dürfte die Diskussion über die Abgrenzung der Union zur AfD weiter befeuern. In Brandenburg hatte der CDU-Wirtschaftsflügel kürzlich eine Debatte über ein Ende der „Brandmauer" geführt – und war damit gescheitert.





