Gescheiterter Antrag als Warnsignal
Es war nur ein Antrag, der auf einem Parteitag keine Mehrheit fand – doch drei Monate später macht Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) daraus einen grundsätzlichen Angriff auf das „kulturelle Selbstgefühl“ der Bundesrepublik. Auf dem Landesparteitag der AfD Sachsen-Anhalt am 12. April 2026 in Magdeburg hatte der Kreisverband Magdeburg gefordert, zwei christliche Feiertage zu streichen und stattdessen die Sommer- und Wintersonnenwende zu gesetzlichen Feiertagen zu machen. Die rund 250 Delegierten lehnten den Vorstoß ab – er schaffte es nicht ins 156-seitige Regierungsprogramm für die Landtagswahl am 6. September.
Der gescheiterte Antrag illustriere jedoch den Versuch der AfD, ihre Weltanschauung im vorpolitischen Raum zu verankern, analysierte die ZEIT schon im April. Dass der Kulturstaatsminister den Vorgang nun aufgreift, zeigt, wie ernst die Bundesregierung solche Signale nimmt.
„Auf dem Parteitag wurde ein Antrag gestellt, man solle christliche Feiertage abschaffen und germanische einführen – Wintersonnenfest, Julfest und solche Dinge. Das ist schon ein krasser Eingriff in unser kulturelles Selbstgefühl.“
Weimers Warnung: „Team Weihnachten“ als Wahlaufruf
Im Stern-Podcast „5 Minuten Talk“ am 16. Juli 2026 holte Weimer zum Rundumschlag aus. „Natürlich ist unsere Traditionslinie einer christlich-jüdischen Herkunft so tief kulturprägend für alles, was wir kennen, dass ein frontaler Kampf dagegen schon wirklich revolutionäre Intention hat – genau wie die Nazis“, sagte der Kulturstaatsminister, wie die T-Online berichtet.
„Schafft Weihnachten ab, macht das Julfest – da weißt du, es geht um die fundamentale Frage unserer Gesellschaft. Da bin ich absolut vom Team Weihnachten.“
Seine klare Botschaft an die Wählerinnen und Wähler vor den Landtagswahlen im September: „Okay, wenn du Team Weihnachten bist, dann wähl die nicht.“ Für Weimer ist die Feiertagsfrage damit eine grundsätzliche Richtungsentscheidung: Wer die christliche Prägung der Gesellschaft bewahren wolle, dürfe der AfD nicht seine Stimme geben.
Kulturpolitischer Konflikt mit historischen Bezügen
Weimer blieb nicht bei der historischen Analogie stehen. Er kritisierte auch weitergehende Pläne der AfD für eine „patriotische Kulturpolitik“. „Alles soll geschlossen werden, vom Bauhaus bis zu kirchennahen Dingen“, warnte er. Die Partei biete „Neonationalismus an, altes Treibholz aus dem 19. Jahrhundert, reinen Nationalismus“.
Die Debatte um die Feiertage steht in einer Linie mit anderen AfD-Vorstößen: Erst vor wenigen Tagen forderte die Partei, 43 Millionen Euro für Kirchen zu streichen. Gleichzeitig signalisiert die Bundespartei eine Beibehaltung des Christentums als Teil einer „deutschen Leitkultur“. Dieser Widerspruch dürfte innerparteiliche Spannungen erzeugen.
Der Konflikt um die kulturelle Identität fällt in eine politisch hoch aufgeladene Zeit. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen bei rund 40 Prozent – weit vor der CDU. Landeschef Martin Reichardt sprach auf dem Parteitag von einer „greifbar nahen“ Regierungsverantwortung. Die Warnungen vor den Folgen einer AfD-Regierungsbeteiligung werden lauter.
Ob Weimers drastischer Vergleich die Wähler erreicht, ist offen. Die AfD selbst hat auf den Vorstoß des Kulturstaatsministers bislang nicht reagiert. Der abgelehnte Antrag aus Magdeburg bleibt damit ein Symbol für eine grundlegende Auseinandersetzung um die kulturelle Ausrichtung des Landes – und ein Wahlkampfthema mit historischem Echo.





