Der Eklat vor dem Anpfiff
Es ist ein Bruch mit einer jahrzehntealten Tradition: Erstmals wird bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ein amtierender US-Präsident die Trophäe persönlich an den Sieger überreichen – und das ausgerechnet in einem Finale, das von politischen Kontroversen erschüttert wird. Am heutigen Sonntag, dem 19. Juli 2026, treffen Titelverteidiger Argentinien und Spanien im MetLife Stadium in East Rutherford aufeinander. Im Anschluss werden Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino gemeinsam den Pokal präsentieren.
Die FIFA rechtfertigt den Schritt mit einem Präzedenzfall: 2022 in Katar hatte Emir Tamim bin Hamad Al Thani die Trophäe an Lionel Messi übergeben. Doch der Vergleich hinkt. Trump hat sich während dieses Turniers wiederholt in sportliche Entscheidungen eingemischt und das Turnier für seine politische Agenda instrumentalisiert. Infantino selbst beteuerte im Juni: „Hopefully we'll present the trophy together in the final. That's always been the plan .
Trumps Anruf bei Infantino – die Balogun-Affäre
Die größte Kontroverse entzündete sich Anfang Juli. Nachdem US-Stürmer Folarin Balogun im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina Rot gesehen hatte und für das Achtelfinale gesperrt war, rief Trump persönlich bei Infantino an und bat um eine Überprüfung. Trump bestätigte den Anruf öffentlich und nannte den Schiedsrichter „schrecklich" und die Entscheidung „unfair". Nur Stunden später hob die FIFA-Disziplinarkommission die Sperre auf und setzte sie zur Bewährung aus – unter Berufung auf Artikel 27 des Disziplinarreglements. Trumps direkter Eingriff in die FIFA-Entscheidung sorgte international für Empörung.
UEFA-Vertreter und zahlreiche Beobachter warfen der FIFA „Korruption" und „Bevorzugung" vor. Der Guardian sprach von einem „faustischen Pakt" zwischen Infantino und Trump. Die belgische Mannschaft reagierte mit beißender Ironie und sprach von einem „Aprilscherz". Balogun durfte spielen, die USA verloren dennoch 1:4 gegen Belgien. Beim FIFA-Empfang im Trump Tower am Freitag witzelte Trump über die Affäre: „Gianni made yet another of his good decisions. You made another great decision. You'll never get credit for that."
Empfang im Trump Tower: ‚We are a soccer country'
Zwei Tage vor dem Finale lud Trump zu einem FIFA-Empfang in den Trump Tower in Manhattan. Gemeinsam mit Infantino posierte er neben dem WM-Pokal und erklärte die USA zum eigentlichen Gewinner des Turniers: „It turned out we were a soccer country, and I think it's going to remain. This has really brought the world together." Zwei Tage zuvor hatte Infantino Trump noch bei einem Empfang übermäßig gelobt und das Turnier als „the greatest human, social and cultural event that mankind has ever witnessed" bezeichnet.
In einer denkwürdigen Szene unterbrach Trump Infantinos schwärmerische Rede – „FIFA is the official happiness provider to humanity for 120 years" – mit einem trockenen Seitenhieb.
„Unless your team loses.“
Amerikanisierung des Turniers: Ringe, Shows und Werbepausen
Die Pokalübergabe durch Trump ist Teil einer beispiellosen Kommerzialisierung. Die FIFA kündigte an, dass die Weltmeister erstmals „maßgeschneiderte" Champion-Ringe nach Super-Bowl-Vorbild erhalten – insgesamt 2.026 Stück, 30 für die Mannschaft und 1.996 für den weltweiten Verkauf. Die Halbzeitshow, kuratiert von Coldplay-Frontmann Chris Martin, wird mit Auftritten von Madonna, Shakira, BTS und Justin Bieber das traditionelle 15-Minuten-Limit sprengen und könnte bis zu 30 Minuten dauern – entgegen den IFAB-Regeln, die vor „negativen Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Spieler" warnen.
Hinzu kommen dreiminütige Trinkpausen pro Halbzeit, die Spiele de facto in NFL-ähnliche Viertel unterteilen und dem US-Sender Fox ermöglichen, mehr Werbung zu schalten. Fox soll damit geschätzte 450 Millionen Dollar Gesamteinnahmen erzielen.
Politische Schatten über dem Finale
Die Nähe zwischen Infantino und Trump hat eine lange Vorgeschichte. Bei der WM-Auslosung im Dezember 2025 verlieh Infantino Trump einen eigens geschaffenen „FIFA-Friedenspreis". Zudem saß Infantino mit roter MAGA-Kappe in Trumps „Board of Peace". Die FIFA mietete Büroräume im Trump Tower, obwohl sie bereits ein permanentes Büro in Miami unterhält. Die Ethik-Organisation FairSquare reichte eine Beschwerde gegen Infantino ein.
Das Turnier war zudem von Trumps Einwanderungspolitik überschattet: Fans aus dem Senegal, der Elfenbeinküste, dem Iran und Haiti wurden Visa verweigert oder mit Kautionsforderungen von bis zu 15.000 Dollar konfrontiert. Grenzbeamte verweigerten sogar akkreditierten Offiziellen die Einreise. Der somalische FIFA-Schiedsrichter Omar Artan wurde trotz gültigen Visums abgewiesen. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, verteidigte Trumps Finalteilnahme: „This is a fitting conclusion to a tournament that showcased America's ability to host the world on the grandest stage."
Während das sportliche Finale zwischen Argentinien und Spanien mit Superstar Lionel Messi eines der hochkarätigsten der WM-Geschichte zu werden verspricht, wird die Pokalübergabe durch Trump das globale Publikum spalten. Die FIFA steht vor der Frage, ob sie mit der Politisierung des Fußballs durch ihren Präsidenten Infantino nicht die Glaubwürdigkeit des Sports langfristig beschädigt hat.









