Masken für 5,9 Milliarden, Villa mit Sparkassen-Kredit: Jens Spahns Affären-Chronik
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Spahn-Rücktritt

Masken für 5,9 Milliarden, Villa mit Sparkassen-Kredit: Jens Spahns Affären-Chronik

Am Tag seines Rücktritts als Unionsfraktionschef veröffentlicht der stern eine Zusammenstellung der Skandale des CDU-Politikers. Von der milliardenschweren Maskenbeschaffung bis zum umstrittenen Villakauf – die Chronik zeigt die wiederkehrenden Interessenkonflikte.

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Sein Rücktritt war keine zwei Stunden alt, da lieferte der stern die schonungslose Bilanz seiner politischen Karriere. Unter dem Titel „Von Investments bis Masken: Jens Spahns Affären und Eklats“ listet das Magazin am 18. Juli 2026 jene Vorfälle auf, die den CDU-Politiker immer wieder in Erklärungsnot brachten. FFP2-Masken für 4,50 Euro pro Stück, eine Luxusvilla mit fragwürdigem Kredit, geheime Spendendinner – der Rücktritt Spahns war nur der letzte Akt einer Serie von Kontroversen.

Die Veröffentlichung kam nicht zufällig. Stunden zuvor hatte Spahn sein Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion aufgegeben – unter Druck der eigenen Partei, weil er per Leihmutterschaft in den USA Vater geworden war, ein Modell, das in Deutschland verboten ist und der CDU-Linie widerspricht. Der stern bewarb seinen Beitrag auf Facebook mit den Worten: „Jens Spahn ist in seiner politischen Karriere immer wieder mit Sonderrechten und Interessenkonflikten aufgefallen.“

Milliardengrab Maskenbeschaffung

Im Zentrum der Chronicle steht die Maskenaffäre aus den Jahren 2020 und 2021. Als Gesundheitsminister im Kabinett Merkel versuchte Spahn laut stern-Snippet, FFP2-Masken für 4,50 Euro pro Stück abzukaufen. Insgesamt orderte das Ministerium 5,7 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro – mehr als die Hälfte davon wurde nie benötigt. 3,7 Milliarden Masken landeten ungenutzt im Müll.

Die Beschaffungsaktion löste Korruptionsvorwürfe gegen mehrere CDU/CSU-Abgeordnete aus, die Gerichte sind bis heute damit befasst. Ein Hamburger Textilhändler etwa verlangt inzwischen 464 Millionen Euro aus einer informellen Kaufzusage. Wie der stern weiter schreibt, soll ein vertraulicher Bericht nahelegen, dass Spahn 2020 ein Unternehmen mit engen Parteiverbindungen bei der Maskenvergabe bevorzugt haben könnte. Erst kürzlich siegten Maskenhändler vor Gericht gegen den Bund, womit neue Milliardenforderungen drohen.

Villa, Spenden, Investments

Ebenfalls in der stern-Übersicht: der Kauf einer denkmalgeschützten Villa in Berlin-Dahlem für 4,125 Millionen Euro im Juli 2020. Finanziert wurde das Anwesen fast vollständig von der Sparkasse Westmünsterland, in deren Verwaltungsrat Spahn bis 2015 saß. Transparency International sah darin einen klaren Interessenkonflikt, zumal Spahn zwei Drittel der Summe selbst trug.

Im Oktober 2020 – trotz Pandemie-Warnungen – traf sich Spahn mit einem Dutzend Unternehmern in Leipzig zu einem privaten Spendendinner. Mehrere Teilnehmer spendeten danach exakt 9.999 Euro an Spahns CDU-Kreisverband, einen Euro unter der Grenze, ab der Parteispenden namentlich veröffentlicht werden müssen. Spahn und sein Kreisverband weigerten sich bis heute, die Namen offenzulegen.

Kontakte zu Tech-Milliardären und Antidemokraten

Unter dem Stichwort „Investments“ führt die Chronik Spahns Verbindungen zu Tech-Investoren auf. Recherchen von CORRECTIV belegen, dass der Milliardär Christian Angermayer, ein Vertrauter des Trump-Clans, knapp 300.000 Euro an die CDU spendete und eng mit Spahn vernetzt war. Über eine Gesellschaft aus Angermayers Portfolio soll dieser indirekt von einem 400-Millionen-Euro-Covid-Arznei-Deal profitiert haben, den Spahns Ministerium 2021 abschloss. Von 190.000 bestellten Dosen wurden nur 1.560 an Patienten abgegeben.

Dass Jens Spahn an mehreren geheimen Treffen im Umfeld des Tech-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen hat, zeigt: Er begibt sich fahrlässig in antidemokratische Kreise, die Europa spalten und die AfD stärken wollen.
LobbyControl

Zwischen 2018 und 2024 war Spahn fünfmal Gast beim geheimen „Dialog“-Netzwerk des libertären US-Milliardärs Peter Thiel, der Freiheit und Demokratie für unvereinbar hält. Die Treffen waren bereits zuvor bekannt geworden und hatten scharfe Kritik ausgelöst.

Die stern-Chronik listet weitere Vorfälle: Spahns Beteiligung an einem Steuererklärungs-Start-up während seiner Zeit als Parlamentarischer Staatssekretär 2017, seine Nebenrolle an einer Lobbyagentur, die Kunden aus dem Gesundheitssektor beriet (2006 – 2010), sowie einen vertraulichen Mail-Austausch mit dem österreichischen Ex-Unternehmer René Benko über die Wiedereröffnung von Kaufhäusern im Frühjahr 2020.

Spahns politische Zukunft bleibt offen. In seiner Rücktrittserklärung räumte er ein, sein privates Glück sei mit dem Amt unvereinbar. Doch die stern-Zusammenstellung zeigt: Es waren vor allem die vielen Interessenkonflikte, die seine Karriere begleiteten – und die nun, da er zurücktritt, in aller Schärfe dokumentiert sind.

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