Weidel schlägt zurück: AfD-Bundesvorstand setzt Untersuchungskommission gegen Vincentz ein
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Machtkampf NRW

Weidel schlägt zurück: AfD-Bundesvorstand setzt Untersuchungskommission gegen Vincentz ein

Nach dem eskalierten Machtkampf bei der AfD in Nordrhein-Westfalen greift die Bundesspitze durch: Eine Kommission unter Leitung von Roman Reusch soll Finanzen, Mitgliederaufnahmen und die „allgemeine Funktionalität“ des Vincentz-Landesverbands durchleuchten. Parteiordnungsverfahren werden geprüft.

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Der AfD-Bundesvorstand hat eine Untersuchungskommission für den nordrhein-westfälischen Landesverband eingesetzt. Der Beschluss vom Montag, dem 20. Juli 2026, ist die unmittelbare Reaktion auf den eskalierten Machtkampf bei der Listenaufstellung für die Landtagswahl 2027 in Marl. Geleitet wird die Kommission von Oberstaatsanwalt a.D. Roman Reusch, einem früheren Bundesvorstandsmitglied.

Chaos bei der „Schlacht von Marl“

Auslöser war die Aufstellungsversammlung der AfD NRW in Marl, die in zwei Sitzungswellen (10.–12. Juli sowie 17. Juli) in offene Feindseligkeit umschlug. Das Lager um den sich gemäßigt gebenden Landeschef Martin Vincentz setzte sich bei den meisten Spitzenplätzen durch, woraufhin das völkisch-nationale Lager um Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich eine Blockadetaktik startete: Für einen einzigen Listenplatz wurden mehr als 100 Kandidaten nominiert. Die Aktion, als „Operation Filibuster“ in einer geheimen Chatgruppe geplant, enthüllte CORRECTIV. Der Chat wurde von Sven Tritschler angelegt, der erst kürzlich zum ersten stellvertretenden Bundesvorsitzenden aufgestiegen ist.

Jetzt mobilisieren für Freitag. Die Schattenarmee muss stehen, egal was passiert.
Sven Tritschler (AfD-Bundesvize, NRW-Landtagsabgeordneter)

Im Saal kam es zu Beleidigungen, Drohungen und einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Bundestagsabgeordneten Helferich und Knuth Meyer-Soltau, die wechselseitige Strafanzeigen nach sich zog. Die Bundesspitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla forderte am 16. Juli schriftlich den sofortigen Abbruch der Versammlung, da Delegierte bedroht worden seien. Vincentz lehnte ab und warf Weidel in einem Schreiben vor, sich nicht von „undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen“ zu distanzieren.

Wir sind darüber hinaus fassungslos, dass eine Bundessprecherin sich nicht klar von derartigen undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen distanziert.
Martin Vincentz (AfD-Landesvorsitzender NRW)

Am Freitag, dem 17. Juli, setzten die verbliebenen Delegierten – das Helferich-Lager hatte den Saal verlassen – die Liste durch und wählten bis Platz 82 nahezu ausschließlich Kandidaten aus dem Vincentz-Lager. Parallel beantragte Vincentz beim Landgericht Düsseldorf eine einstweilige Verfügung, die dem Bundesvorstand Einmischung untersagen sollte. Das Gericht hatte die Antragsschrift am Montag noch in Bearbeitung.

Bereits am Freitagnachmittag hatte eine Bund-Länder-Telefonkonferenz mit 12:1 Stimmen der Länderchefs den NRW-Landesverband aufgefordert, den Parteitag zu unterbrechen. Nur Kay Gottschalk, der Landesvize aus dem Vincentz-Lager, stimmte dagegen – Sachsen und Niedersachsen verließen vorzeitig das Telefonat.

Forensische Prüfung und drohende Konsequenzen

Mit der jetzt eingesetzten Kommission schlägt die Bundesspitze zurück. Roman Reusch erhält ein eigenes Budget und kann externe Wirtschaftsprüfer hinzuziehen – in der Partei ist bereits von einem „Forensic Audit“ die Rede. Geprüft werden sollen insbesondere die allgemeinen Finanzen des Landesverbands, die Aufnahmepraxis neuer Mitglieder (Vincentz wird vorgeworfen, gezielt Anhänger rekrutiert zu haben) sowie eine kurzfristige Hallenbuchung in Marl, die einen fünfstelligen Betrag kostete und ohne Vorstandsbeschluss erfolgt sein soll. Auch die Weitergabe von Mitgliederdaten an Dritte steht im Fokus.

Vincentz’ Landesvorstand reagierte betont gelassen. Ein Sprecher erklärte: „Wir sehen der angekündigten Prüfung zuversichtlich entgegen. Wir werden eng und konstruktiv mit der Bundespartei zusammenarbeiten und sind überzeugt, dass wir eventuelle Missverständnisse gemeinsam schnell ausräumen können.“

Wir sehen der angekündigten Prüfung zuversichtlich entgegen. Wir werden eng und konstruktiv mit der Bundespartei zusammenarbeiten und sind überzeugt, dass wir eventuelle Missverständnisse gemeinsam schnell ausräumen können.
AfD NRW (Parteisprecher)

Der Bundesvorstand verzichtet vorerst darauf, die gewählte Liste anzufechten – kurz vor den richtungsweisenden Ost-Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September will man keinen offenen Bürgerkrieg. Hinter den Kulissen prüft man jedoch Parteiordnungsmaßnahmen gegen einzelne Akteure. Ein anonymer Bundesvorstand sagte der taz: „Die Liste kann gerne erst mal so bleiben. Kann man jederzeit zurückziehen und neu wählen. […] wir drehen in NRW jetzt jeden Stein um.“

Die Auseinandersetzung schadet dem Bild der Geschlossenheit, das die AfD auf ihrem Bundesparteitag in Erfurt zu inszenieren versuchte. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) warnte kürzlich eindringlich vor den Folgen einer AfD-Regierungsbeteiligung. Die internen Grabenkämpfe dürften solche Warnungen untermauern.

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