Jahrelang musste sich Ricarda Lang als „die Dicke“ beschimpfen lassen. Die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen war Ziel einer konstanten Flut von Hasskommentaren, die ausschließlich ihren Körper betrafen. In der aktuellen Folge von Katja Burkards Podcast „Glow Up Your Life“ (RTL+) spricht die 32-Jährige nun erstmals ausführlich über das erlittene Bodyshaming – und ihre persönliche Wende.
„Ich will als Politikerin wahrgenommen werden“, betont Lang mit hörbarer Frustration. „Wir sind so viel mehr als unser Körper – unsere Träume, unsere Wünsche, unsere Inhalte und wenn man da immer wieder auf den Körper reduziert wird, das fand ich das frustrierende.“ Diese Reduzierung auf das Äußere sei ein generelles Problem für Frauen in der Öffentlichkeit, wie auch andere Prominente beklagen.
„Total schambesetzt“: Warum Lang Diäten früher für unfeministisch hielt
In nur 18 Monaten nahm die Politikerin rund 40 Kilogramm ab – aus gesundheitlichen Gründen, wie sie mehrfach betonte. Auslöser sei die Sorge um die eigene Fitness im Alter gewesen: „Will ich mit 50 noch fit sein? Will ich da Knieprobleme haben?“ Sport habe sie früher gehasst, wegen negativer Schulerfahrungen. Heute macht sie Krafttraining und hat sogar einen Halbmarathon gemeistert.
Doch das Thema Gewicht war für Lang lange Zeit „total schambesetzt“. „Das war für mich so eine Art von Erklärungsversuch, warum ich mich nicht damit auseinandersetzen will“, gesteht sie. Schon in der Pubertät habe sie begonnen, sich für ihren Körper zu schämen. Um den Schmerz zu vermeiden, rationalisierte sie: Abnehmen sei „unfeministisch“, weil man sich ja nicht auf den Körper reduzieren lassen dürfe. Rückblickend sagt sie: „Das habe ich in meinem eigenen Kopf so ein bisschen rationalisiert.“
Die Angst, ein Body-Positive-Vorbild zu „enttäuschen“
Die größte innere Hürde war jedoch die Sorge, Anhänger der Body-Positivity-Bewegung vor den Kopf zu stoßen. Lang: „Da hatte ich dann Sorge, enttäusche ich da Leute? Nehme ich vielleicht Leuten auch ein Vorbild?“ Als öffentliche Fürsprecherin dafür, dicke Menschen nicht zu attackieren, befürchtete sie, ihre Gewichtsabnahme könnte als Verrat ausgelegt werden. Doch die Reaktionen seien überwältigend positiv gewesen: „Ganz, ganz viele haben sich für mich gefreut. Manche schreiben auch: Ey, das war ein Vorbild für mich!“
„Die Welt ist ein bisschen freundlicher geworden“
Nach der Gewichtsabnahme nehme Lang eine spürbare Veränderung im Alltag war: „Ich merke, dass ich mich einfacher bewege. Zur S-Bahn rennen, Freunde im fünften Stock besuchen – auch wenn ich nie ein Fan des fünften Stocks sein werde. Es ist leichter geworden, im Alltag unterwegs zu sein.“ Entscheidend sei aber die gewonnene Zeit seit ihrem Rücktritt als Parteivorsitzende. Sie plane ihre Tage nun selbst – und bleibt kämpferisch: „Ich mag meinen Körper, weil er stark ist.“
Trotz aller Offenheit will Lang keine Diättipps geben: „Ich glaube, jeder, der sagt, das geht ganz ohne Verzicht, der lügt sich ein bisschen in die Tasche. Aber ich habe es schon so gemacht, dass ich nicht super eingeschränkt bin. Sonst hält man’s ja auch gar nicht lang durch.“ Ihr Weg sei Disziplin und eine dauerhafte Lebensstiländerung gewesen, kein kurzfristiger Trend.
Lang hat noch mindestens zehn Kilo vor sich. Ob sie auch ihr altes Halbmarathon-Ergebnis unterbietet, bleibt offen – sicher ist, dass sie die öffentliche Wahrnehmung ihrer Person grundlegend verändert hat und weiter gegen die Reduzierung auf den Körper kämpft.
„Ich will als Politikerin wahrgenommen werden. Wir sind so viel mehr als unser Körper – unsere Träume, unsere Wünsche, unsere Inhalte und wenn man da immer wieder auf den Körper reduziert wird, das fand ich das frustrierende.“
„Ich habe angefangen, mich für meinen Körper zu schämen.“
„Da hatte ich dann Sorge, enttäusche ich da Leute? Nehme ich vielleicht Leuten auch ein Vorbild?“





