Mit nur 45 Kilogramm auf 1,66 Metern stand Stefanie Heinzmann als Jugendliche am Abgrund. Im SWR3-Podcast „Talk mit Thees“ vom 7. Juli 2026 brach die heute 37-Jährige ihr Schweigen über jahrelange Suizidgedanken, Selbstverletzung und eine Essstörung, die sie in die geschlossene Psychiatrie führten. Erst vor wenigen Wochen hatte Patricia Kelly ein ähnliches Geständnis abgelegt.
Tagebucheintrag mit 16: „Ich will nicht sterben, aber ich kann nicht mehr leben“
Die erschütterndste Passage des Interviews war ein Tagebucheintrag, den Heinzmann als 16- bis 17-Jährige verfasste. Sie schrieb: „Ich will nicht sterben, aber ich kann nicht mehr leben.“ Rückblickend sagt sie: „Das fand ich so traurig, das zu lesen. Von einem jungen Menschen, der eigentlich alles hat.“
„Ich will nicht sterben, aber ich kann nicht mehr leben.“
Bandscheibenvorfall, Mobbing und 13 Kilo Gewichtsverlust
Auslöser der schweren Krise war ein Bandscheibenvorfall mit 16 Jahren. Die starken Schmerzen ließen in ihr den düsteren Gedanken aufkommen: „Könnt ihr mir einfach dieses Bein abnehmen?“ Parallel spitzte sich ihre Lage zu: Innerhalb von zwei bis drei Monaten verlor sie 13 Kilo und wog bei 1,66 Metern nur noch 45 Kilogramm. „Ich habe mich verletzt. Ich war wahnsinnig destruktiv mir gegenüber“, gesteht sie. Zusätzlich wurde sie in der Schule wegen ihrer Buffalo-Schuhe gemobbt und begann, den Mobbern zu glauben – ein Muster, das ihre Selbstwahrnehmung zerstörte.
„Könnt ihr mir einfach dieses Bein abnehmen?“
Selbsteinweisung in die geschlossene Jugendpsychiatrie
„Ich habe mit 1,66 Metern knapp 45 Kilo gewogen und das war einfach zu wenig. Ich habe mich verletzt. Ich war wahnsinnig destruktiv mir gegenüber.“
Da ambulante Therapie nicht ausreichte, wies sich Heinzmann selbst in die geschlossene Jugendpsychiatrie ein. „Ich habe wirklich viele, viele, sehr starke Medikamente genommen“, erinnert sie sich. Drei Monate dauerte der Aufenthalt. Bis heute – also seit 20 Jahren – ist sie in therapeutischer Behandlung. Auch Ricarda Lang kämpfte öffentlich mit massiven Gewichtsproblemen und den Folgen jahrelanger Anfeindungen.
„Ich habe wirklich viele, viele, sehr starke Medikamente genommen.“
„The Masked Singer“-Rauswurf: Drei Tage lang geweint
Nicht nur die ferne Vergangenheit zehrt an der Sängerin. Im selben Podcast sprach sie über ihr frühes Ausscheiden bei der ProSieben-Show „The Masked Singer“ im März 2020. Sie war die erste Kandidatin, die im Dalmatiner-Kostüm demaskiert wurde. Die öffentliche Bloßstellung traf sie schwer: „Ich habe wirklich nur geweint und dann bin ich nach Hause und dann habe ich wirklich drei Tage durchgehend geweint.“
„Ich habe wirklich nur geweint und dann bin ich nach Hause und dann habe ich wirklich drei Tage durchgehend geweint.“
Album „Circles“ mit der Therapeutin entwickelt – Familie als Rettungsanker
Ihr aktuelles Album „Circles“ ist das direkte Ergebnis der engen Zusammenarbeit mit ihrer Therapeutin. Heinzmann verarbeitet darin ihre schweren Krisen. Der Song „Oceans“ etwa dient als Metapher für die unergründlichen, aber vertrauten Herausforderungen des Lebens. Trotz anhaltender Panikattacken vor Auftritten hat sie gelernt, auf die Signale ihres Körpers zu hören. Ihr Bruder und Manager Claudio und die langjährige Therapie geben ihr heute Halt. Ihr Tagebuch ist ihr bis heute ein wichtiger Begleiter: „Ich bedanke mich, ich teile mit, was gerade da ist.“
2026 geht Stefanie Heinzmann mit „Circles“ auf Tournee. In ihren Konzerten wird sie wohl weiterhin gegen die alten Dämonen ankämpfen – aber mit einem stabilen Netz aus Familie und professioneller Hilfe im Rücken.





