Schlagerstar schaltet sich ein
Die Überraschung gelang der AfD wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Mitten in der Wahlkampferöffnung in den Magdeburger Messehallen blendete die Partei ein Handy-Video von Michael Wendler ein. Der in Florida lebende Sänger, der nach seinen umstrittenen Corona-Äußerungen medial weitgehend abgetaucht war, richtete sich direkt an die rund 3.000 Anhänger und vor allem an Spitzenkandidat Ulrich Siegmund.
Der Clip, der später auch auf dem AfD-YouTube-Kanal veröffentlicht wurde, zeigte Wendler in privater Atmosphäre. Er wünschte der Partei alles Gute für die Wahl und betonte seine Verbundenheit mit der Region: Seine Ehefrau Laura Müller stammt aus Tangermünde in Sachsen-Anhalt.
Wendlers Worte an Siegmund
„Ich wünsche euch alles Gute für die kommende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.“
Das vertrauliche „dein Micha“ unterstrich die persönliche Nähe, die der 53-Jährige zu dem AfD-Politiker aufgebaut haben will. Siegmund nahm die Botschaft sichtlich gerne an, ließ auf der Bühne aber offen, ob und wie die Partei die Unterstützung offiziell aufgreifen wird.
„Das ist eine wunderschöne Region, und ich hoffe, du machst sie wieder stark.“
Parteispitze träumt vom Machtwechsel
„Ich drücke die Daumen. Alles Gute, dein Micha.“
Parallel bekräftigte Bundeschefin Alice Weidel das hohe Ziel des Abends: Sie proklamierte Siegmund bereits zum ersten AfD-Ministerpräsidenten. In Umfragen steht die Partei bei 41 bis 42 Prozent, eine absolute Mehrheit ist bei der Wahl am 6. September 2026 nicht ausgeschlossen.
„Wenn Ulli, Ulrich Siegmund, erst Ministerpräsident ist, dann werden wir uns alle an diesen Tag erinnern.“
Inhaltlich setzte die AfD auf scharfe Töne: Fraktionschef Oliver Kirchner fasste die Agenda mit „abschieben, abschieben und noch mal abschieben“ zusammen. Weidel forderte neben niedrigeren Energiekosten auch einen Stopp der Ukraine-Hilfen und Verhandlungen mit Russland.
Protest vor den Hallen und eine CDU-Spende
Vor den Messehallen demonstrierten rund 300 Menschen unter dem Motto „Solidarisches Magdeburg“ gegen den AfD-Aufmarsch, darunter Kirchenvertreter und die „Omas gegen Rechts“. Im Inneren sorgte Siegmund mit der Enthüllung für Wirbel, ein namentlich noch nicht genanntes CDU-Kreistagsmitglied habe der AfD 5.000 Euro gespendet – um Sachsen-Anhalt vor einem „linksgrünen Kurs“ zu schützen.
Ob der umstrittene Schlagersänger für die AfD noch aktiver in den Wahlkampf einsteigt, blieb offen. Fest steht: Die Botschaft aus Florida hat die Basis elektrisiert – und dem Wahlkampfauftakt einen unerwarteten Promi-Glanz verliehen.





