Bonhoeffer-Nachfahre beschädigt AfD-Kranz – Handgemenge bei Gedenkfeier
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Bendlerblock-Eklat

Bonhoeffer-Nachfahre beschädigt AfD-Kranz – Handgemenge bei Gedenkfeier

Tobias Korenke, Großneffe des von den Nazis ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer, versuchte bei der Gedenkfeier zum 20. Juli im Bendlerblock einen Kranz der AfD-Fraktion zu entfernen. Es kam zum Handgemenge mit dem Sicherheitsdienst. Während die AfD von "unwürdiger Störung" spricht, erhält Korenke Rückendeckung von Stiftung und Historikern.

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Eklat im Bendlerblock

Berlin, 20. Juli 2026 – Der 82. Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentats endete im Bendlerblock mit einem Eklat. Bevor die offizielle Gedenkfeier begann, versuchte Tobias Korenke, Großneffe des Theologen Dietrich Bonhoeffer, einen von der AfD-Bundestagsfraktion niedergelegten Kranz zu entfernen. Sicherheitskräfte schritten ein; es kam zu einem Handgemenge, bei dem das Gebinde beschädigt wurde. Korenke musste den Ehrenhof verlassen – noch bevor Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) ihre Rede halten konnte.

Korenke begründete seine Aktion mit Abscheu vor der rechtsextremen Ausrichtung der AfD. "Es ist eine ungeheure Geschmacklosigkeit. Eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei hat nichts bei einer Veranstaltung zu suchen, bei der Menschen geehrt werden, die ihr Leben im Einsatz für den Rechtsstaat und den Erhalt der Menschenwürde verloren haben", sagte er der ARD.

Korenkes Familiensaga ist eng mit dem Widerstand verknüpft: Sein Großvater Rüdiger Schleicher, seine Großonkel Dietrich und Klaus Bonhoeffer sowie deren Schwager Hans von Dohnanyi wurden im April 1945 von den Nationalsozialisten ermordet – ein Racheakt Hitlers in den letzten Kriegstagen. Die AfD, die erst vor wenigen Wochen beim Parteitag in Erfurt von massiven Protesten begleitet wurde (Göring-Eckardt mobilisierte dagegen), hatte den Kranz als Ausdruck ihres Gedenkens bereitgestellt. Ein Fraktionssprecher bestätigte dies, konnte aber nicht sagen, ob Mitglieder persönlich anwesend waren.

Reaktionen: Von "unwürdig" bis "Zivilcourage"

Die AfD selbst sprach von einer "unwürdigen Störung des Gedenkens". Götz Frömming, Leiter der AG Geschichte der AfD-Fraktion, lud Korenke "zu einem Gespräch über Programm und Ziele der AfD" ein. Die Fraktion sei als demokratisch gewählte Kraft protokollarisch eingeladen, so Frömming (Handelsblatt).

Karl Graf von Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters, zeigte sich ambivalent. Den Umgang der AfD mit dem Erbe seines Großvaters nannte er "ganz grauenhaft und ganz widerlich". Dennoch sprach er sich gegen ein Verbot der Kranzniederlegung aus: "Zunächst einmal darf man der AfD, glaube ich, nicht verwehren, einen Kranz niederzulegen. Dafür sind wir Demokraten, dafür müssen wir schauen, dass wir auch anders denkende Menschen zu Wort kommen lassen."

Für das Vorgehen von Tobias Korenke habe ich vollstes Verständnis, mehr noch: Er hat dafür einen Preis für Zivilcourage verdient.
Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald

Prien: "Haltung beginnt im Alltag"

Die Hauptrednerin Karin Prien sprach nicht nur als Ministerin, sondern auch als "Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Shoah". Ihre Urgroßmutter wurde im Vernichtungslager Sobibor ermordet. "Die Geschichte des Widerstands zeigt uns, Menschen werden nicht als Helden geboren, sie lernen Verantwortung zu übernehmen, lange bevor Freiheit und Menschenwürde auf dem Spiel steht. Die Freiheit von morgen entscheidet sich in unserem Handeln heute." Zudem forderte sie eine Ethik bürgerlicher Verantwortung: Demokratie lebe von Menschen, die sich einbringen.

Neben Prien sprachen der Vorsitzende der Stiftung 20. Juli 1944, Robert von Steinau-Steinrück, und der Berliner Kultursenator Stefan Evers (CDU). Am Nachmittag legten Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz und Generalinspekteur Carsten Breuer einen Kranz am historischen Ort nieder, wo Stauffenberg und drei Mitverschwörer erschossen wurden. 240 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr gelobten anschließend ihren Diensteid.

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Die Stiftung 20. Juli 1944 äußerte Verständnis für Korenkes Empörung. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, "steht im Widerspruch zu den Überzeugungen", für die die Widerständler eingetreten seien. Der Gedenkort sei "kein Ort für parteipolitische Inszenierungen", hieß es in einer Stellungnahme am Abend (rbb24). Ob die AfD künftig weiter Kränze niederlegen wird, bleibt offen. Für viele Nachkommen ist die Toleranz erschöpft: "Manche kommen schon gar nicht mehr", sagte Korenke. "Sie finden es unerträglich, dass da AfD-Abgeordnete sitzen."

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