Burkini nur für Frauen: Was genau geplant ist
Ab dem 27. Juli 2026 öffnet der Lido di Salorno, das kommunale Freibad der Südtiroler Gemeinde, jeden Montagabend eine Stunde lang exklusiv für Frauen. Von 18.30 bis 19.30 Uhr ist das Becken dann Angehörigen des interkulturellen Vereins Armonia und anderen interessierten Frauen vorbehalten – das Tragen eines Burkinis ist in dieser Zeit nicht nur gestattet, sondern ausdrücklich erwünscht. Der Pächter Luca Lechthaler spricht von einem Beitrag zu mehr Inklusion, wie auch der Verein betont: „Eine Gelegenheit, um Wohlbefinden, Sport und Inklusion zu fördern, unter Achtung der Bedürfnisse aller“.
Lechthaler weist darauf hin, dass bereits andere Gruppen Sonderzeiten nutzen – etwa ein Yogakurs für Frauen oder Volleyballtraining für die Feuerwehrjugend. Der Burkini sei jedoch auch außerhalb der Extrastunde erlaubt. Anders als in einigen deutschen Freibädern, die das Kleidungsstück aus Hygienegründen verboten haben, werde man hier „eine Frau mit Ganzkörperbadeanzug sicherlich nicht abweisen“.
„Nicht Freiheit, sondern Unterwerfung“ – rechte Parteien schäumen
Die stellvertretende Chefin der italienischen Regierungspartei Lega, EU-Abgeordnete Silvia Sardone, attackierte die Initiative scharf. Das Angebot sei „absurd“ und verstärke die Segregation, weil es Frauen aus religiösen Gründen zwinge, Ganzkörperanzüge zu tragen. Von einer „umgekehrten Integration“ könne keine Rede sein.
„Es ist eine sinnlose Entscheidung, die keineswegs Inklusion fördert, sondern vielmehr die Segregation verstärkt, indem Frauen von Männern getrennt und aus religiösen Gründen gezwungen werden, Ganzkörperbadeanzüge zu tragen.“
Auch die Südtiroler Freiheitlichen um Obmann Roland Stauder sehen in der Regelung ein Frauenbild, „das auf Unterdrückung, Verschleierung und Zwang beruht“. Linke würden problematische Entwicklungen im Zusammenhang mit dem politischen Islam verharmlosen.
„Wie beim Schleier handelt es sich nicht um Freiheit, sondern vielmehr um Unterwerfung. Wir dürfen uns nicht an eine umgekehrte Integration gewöhnen, sondern müssen vielmehr die Kenntnis unserer Werte und der Rechte der Frauen fördern.“
Die Fratelli d’Italia kündigten an, die Rechtmäßigkeit prüfen zu lassen. Futuro-Nazionale-Vertreter Massimo Bessone warnte vor „Privilegien“ aufgrund religiöser Zugehörigkeit.
„Derartige Regelungen fördern ein Frauenbild, das auf Unterdrückung, Verschleierung und Zwang beruht. Linke und feministische Gruppierungen verharmlosen oder ignorieren problematische Entwicklungen im Zusammenhang mit dem politischen Islam, während sie gegenüber einheimischen Männern deutlich kritischer auftreten.“
SVP und Mitte-Links verteidigen die Initiative
Dem widerspricht die regierende Südtiroler Volkspartei (SVP). Senatorin Julia Unterberger nannte die Burkini-Stunde eine „Geste der Sensibilität und sozialen Inklusion“. Sie ermögliche Frauen, die das Bad sonst nie besuchten, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – Emanzipation entstehe nicht durch Ausgrenzung.
„Die Initiative ermöglicht Frauen, die das Schwimmbad sonst wahrscheinlich nicht besuchen würden, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen öffentlichen Raum zu nutzen. Sie trennt diese Frauen nicht von der Gesellschaft, sondern schafft vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“
Auch PD-Abgeordneter Sandro Repetto und die Grüne Brigitte Foppa halten die Debatte für überflüssig. Foppa betonte, man solle die Polemik nicht auf dem Körper der Frauen austragen.
Kirche: „Ein wichtiger Moment der Sozialisierung“
Der Bozner Theologe Don Paolo Renner warb für Respekt statt bloßer Toleranz. Gerade in der multiethnischen Gemeinde Salurn sei die Schwimmstunde ein wertvoller Treffpunkt.
„Toleranz bedeutet, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders sind als wir. Respekt geht einen Schritt weiter und bedeutet, die Bedürfnisse anderer in jenen Bereichen zu achten, in denen ein gewisser Spielraum besteht.“
Salurns Bürgermeister Roland Lazzeri (SVP) verwies auf die Eigenständigkeit des Pächters. Bereits 2009 war ein ähnlicher Vorstoß in Bozen am Widerstand gescheitert. In Wien und München gehören Frauenschwimmzeiten inzwischen zum festen Angebot – wenngleich diese sich nicht explizit an muslimische Frauen richten. Wie ein Bademeister kürzlich feststellte, gehe es auch beim Burkini nicht um Religion, sondern um pragmatische Lösungen.
Ob die Burkini-Stunde dauerhaft Bestand haben wird, hängt auch vom politischen Druck aus Rom ab. Eine Überprüfung durch die zuständigen Ämter, wie von Fratelli d’Italia gefordert, steht noch aus.





