Bademeister: Ich frage niemanden nach seiner Religion – das regelt den Burkini-Streit
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Burkini-Debatte

Bademeister: Ich frage niemanden nach seiner Religion – das regelt den Burkini-Streit

Ralf Großmann, Bademeister mit über 30 Jahren Erfahrung, stellt klar: Im Streit um Burkinis im Schwimmbad geht es nicht um Religion oder Politik. Entscheidend ist allein die Haus- und Badeordnung – und die ist von Bad zu Bad verschieden.

Fünf Minuten bis zum Eklat

Es dauert oft keine fünf Minuten: Eine Frau im Burkini kommt aus der Umkleide, noch bevor sie das Wasser berührt, fallen die ersten Sprüche. „Ist das überhaupt erlaubt?“ oder „So etwas gehört doch nicht ins Freibad.“ Ralf Großmann kennt diese Szenen nur zu gut. Der Bademeister und Leiter mehrerer Bäder erlebt den Burkini-Zoff jeden Sommer aufs Neue.

Die klare Ansage des Bademeisters

In einem Gastbeitrag für FOCUS online stellt Großmann unmissverständlich klar: „Als Bademeister frage ich keinen Menschen nach seiner Religion. Das steht mir weder zu noch gehört es zu meinen Aufgaben.“ Seine Aufgabe sei eine andere – die Einhaltung der Haus- und Badeordnung, die Sicherheit der Gäste und die Wasserqualität. „Genau dafür werde ich ausgebildet und genau dafür trage ich Verantwortung.“

Kein einheitliches Burkini-Verbot

Was viele in der hitzigen Debatte übersehen: Es gibt in Deutschland keine einheitliche Regelung. Jedes Schwimmbad legt seine Haus- und Badeordnung selbst fest. In dem einen Bad ist der Burkini erlaubt, im Nachbarort möglicherweise nicht. „Deshalb kann man diese Frage nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten“, so Großmann.

Nicht die Religion entscheidet darüber, was im Schwimmbad getragen werden darf. Entscheidend ist allein die Haus- und Badeordnung des jeweiligen Bades.
Ralf Großmann, Bademeister

Fachliche Unterschiede werden ignoriert

Auch technisch sei die Debatte oft zu vereinfacht: „Viele sprechen vom Burkini, als wäre jeder gleich. Das stimmt aber nicht“, kritisiert Großmann. Es gebe spezielle Schwimmburkinis aus Badetextilien, die für das Schwimmen gemacht seien, und Alltagskleidung, mit der manche ins Wasser gingen. „Diese beiden Dinge kann man fachlich nicht einfach miteinander vergleichen. Wer alles in einen Topf wirft, macht es sich zu einfach.“

Der Bademeister wünscht sich eine sachlichere Diskussion. Nicht hinter jeder Entscheidung stecke eine politische oder religiöse Botschaft. Für Großmann zählt am Ende nur eines: „Wer als Bademeister arbeitet, trifft keine Entscheidung aufgrund einer Religion. Er setzt die Regeln um, die für sein Bad gelten.“

Sein Beitrag, der auch auf Facebook viral ging, trifft offenbar einen Nerv. Während der nächste Sommer und mit ihm die nächste Freibadsaison anstehen, könnte sein Appell für mehr Gelassenheit am Beckenrand sorgen – vorausgesetzt, die Hausordnung ist eindeutig.

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