Das 35. Wacken Open Air endete mit einem Eklat: Eine lesbische Besucherin wurde am Einlass zum Infield von Security-Personal aufgefordert, ihren „FCK AFD“-Aufnäher zu entfernen. Sie riss ihn schließlich ab, um das Gelände betreten und eine bestimmte Band sehen zu können. In einem viral gegangenen Reddit-Posting schrieb sie: „Als queere Person fühle ich mich hier nicht mehr sicher.“ Sie kündigte an, 2027 nicht wiederzukommen.
Mehrere gleichartige Vorfälle
Das Szene-Magazin Festivalstalker recherchierte weitere Fälle. Betroffen waren demnach vor allem Menschen aus dem linken Spektrum, die „FCK AFD“-Schriftzüge, Regenbogenfahnen oder politisch linke Band-Patches trugen. Auch vor den Bühnen – etwa während des Mr.-Hurley-Konzerts – wiesen Security-Mitarbeiter Besucher an, solche Symbole zu entfernen.
Im offiziellen Wacken-Forum berichtete ein Besucher („Romane“), dass ihm am Donnerstag mit einem Anti-Nazi-Patch der Einlass verweigert wurde – mit der Begründung, Wacken sei eine „politisch freie Zone“. Erst nach längerer Diskussion durfte er schließlich passieren. Ein anderer Nutzer („Presslufthamster“) musste sich für einen Regenbogenpatch rechtfertigen.
Rechtsradikale Symbole bei Security-Personal?
Besonders brisant: Laut Festivalstalker berichteten mehrere Besucher, dass „eben diese Security-Teams wohl auch eindeutig rechtsradikale Symbole (wie eine schwarze Sonne) auf sich tragen“. Die Schwarze Sonne gilt als neonazistisches Erkennungszeichen. Auf weitere Nachfragen zu diesen Vorwürfen reagierte das Wacken-Team zunächst nicht.
Festivalleitung räumt Fehler ein
Am Samstag räumte Veranstaltungsleiter Daniel Schlatter ein: „Dass da Patches weggenommen worden sind, war nicht richtig, ist aber passiert.“ Es habe „Unregelmäßigkeiten bei der Unterweisung der Sicherheitsdienste“ gegeben. Man habe bei den Ordnungsdiensten nachgesteuert, damit sich so etwas nicht wiederhole. Festivalgründer Thomas Jensen betonte, die Veranstaltung sei ein Statement für Völkerverständigung.
„Dass da Patches weggenommen worden sind, war nicht richtig, ist aber passiert.“
Wie kontrovers politische Parolen auf Festivals sein können, zeigte auch ein Vorfall in Stuttgart: Das Musikduo LISÆ skandierte auf einer SWR-Bühne „Ganz Stuttgart hasst die AfD“ – die AfD-Fraktion forderte daraufhin Aufklärung.
Debatte in sozialen Netzwerken
Die Vorfälle entfachten eine kontroverse Debatte. In den Facebook-Kommentaren zum Bericht von Radio Bremerhaven (über 1.200 Kommentare) reichten die Reaktionen von Solidarität mit der Besucherin bis zu harscher Ablehnung. Viele vertraten die Position, Politik habe auf einem Musikfestival nichts zu suchen – andere kritisierten die Überschrift als irreführend.
Die Wacken-Crew betont öffentlich ihre Haltung gegen Rassismus und Diskriminierung. Im Vorjahr war sogar die Polizei mit Regenbogenflagge auf dem Festival unterwegs. Forumsnutzer wiesen zudem darauf hin, dass auf dem Gelände an Merchandise-Ständen „FCK AFD“- und Antifa-Patches verkauft werden – was den Widerspruch der Security-Maßnahmen unterstreicht.
Chronologie der Vorfälle
- 29. Juli 2026Wacken Open Air startet
85.000 Metal-Fans strömen nach Schleswig-Holstein; Temperaturen über 30 °C.
- 30. Juli 2026Erste dokumentierte Vorfälle
Lesbische Besucherin muss „FCK AFD“-Patch am Infield-Einlass entfernen. Im Forum berichtet ein Besucher, dass ihm mit Anti-Nazi-Patch der Einlass verweigert wird.
- 31. Juli 2026Weitere Berichte
Beim Mr.-Hurley-Konzert weisen Security-Mitarbeiter Besucher an, Regenbogenfahnen und linke Patches zu entfernen. Festivalstalker beginnt mit Recherche.
- 1. August 2026Festivalleitung entschuldigt sich
Veranstaltungsleiter Schlatter räumt Fehler ein. Festival endet in der Nacht zum 2. August.





