Es war die letzte Ausgabe vor der mehrwöchigen Sommerpause – und sie endete mit einem heftigen Schlagabtausch. In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ geriet CDU-Außenpolitiker Armin Laschet am Donnerstagabend mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Lucassen aneinander. Laschet nannte die AfD „eine Gefahr“ für Europa und warf Lucassen vor, mit „nebulösen“ Beschreibungen den europäischen Einigungsprozess zu untergraben.
Das Thema der Sendung: „Zwischen Trump und Putin – wird Europa zerrieben?“. Unter den Gästen war auch die Politikwissenschaftlerin Liana Fix, die eine AfD-Regierung als „absolutes Schreckens-Szenario“ für Europa bezeichnete. Lucassen entgegnete, Fix verwechsle EU und Europa. Laschet fiel ihm aufgebracht ins Wort: „Nein, nein, Herr Lucassen“ – und startete einen Frontalangriff.
Der CDU-Politiker warf dem AfD-Mann vor, bewusst unklar über Europa zu reden: „Sie reden absichtlich abstrakt über Europa. Ich weiß nicht, wen sie da jetzt noch meinen innerhalb der Nato“, so Laschet. Dann folgte der entscheidende Vorwurf: Die AfD wolle eine schwache EU, aber kein institutionell starkes Europa. Laschet verlangte ein klares Bekenntnis zum Nachkriegs-Einigungswerk von Adenauer und Schumann.
„Solange Sie sich nicht klar zum europäischen Einigungsprozess der Nachkriegsjahre von Adenauer und Schumann und anderen bekennen, sind Sie eine Gefahr. Genau solche Befürchtungen in der Welt entstehen wegen solcher Sprüche, wie Sie sie gerade gemacht haben.“
Lucassen versuchte, den Angriff als Wahlkampf abzutun. Laschet, nun sichtlich emotional, konterte: „Das war kein Wahlkampf.“ Er legte nach: Wer an Adenauersche und Kohlsche Politik gehe, werde „immer den Widerstand eines Christdemokraten erfahren“.
Lucassen kontert mit Adenauers Moskau-Reise
Lucassen griff das Stichwort Adenauer auf und drehte den Spieß um. Der erste Bundeskanzler habe Mitte der 1950er Jahre den Rucksack gepackt und sei nach Moskau gereist, um deutsche Kriegsgefangene freizubekommen. „Wo ist ein Merz, wo ist ein Wadephul, der jetzt mal nach Moskau reist?“, fragte der AfD-Abgeordnete provokant – eine Forderung, die an Putins jüngste Lobeshymnen auf die AfD erinnert. In der Runde wurde es daraufhin laut, Begriffe wie „Geschichtsverfälschung“ und „Anbiederung an Putin“ fielen.
„Wo ist ein Merz, wo ist ein Wadephul, der jetzt mal nach Moskau reist?“
Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt hatten, korrigierte Laschet die verkürzte Darstellung. Adenauer sei zwar 1955 nach Moskau gereist, habe aber bereits 1954 eine europäische Verteidigungsgemeinschaft vorbereitet, die dann in Frankreich scheiterte. „Adenauersche Politik war immer Westbindung und Nato war immer militärische Stärke plus Dialog und Diplomatie“, stellte Laschet klar. Er räumte ein, ebenfalls mehr Diplomatie zu befürworten – „aber nicht so simpel, wie es die AfD betreibt“.
Illner muss Sendung beenden
Zu einer weiteren Vertiefung kam es nicht mehr – die Sendezeit war abgelaufen. Maybrit Illner selbst kam so konsequent nicht zu Wort, dass sie nur mit Mühe ihre Sendung beenden und sich in die mehrwöchige Sommerpause verabschieden konnte. Die Talkshow geht erst am 3. September 2026 weiter.





