Die zweite Folge der 22. Staffel von „Inas Nacht“ am 23. Juli 2026 sollte ein launiger Kneipenabend werden – doch für viele Zuschauer war der Auftritt von Dieter Nuhr ein Affront. Trotz privater Plaudereien über Ehe und Eigenheim boykottierten sie die ARD-Sendung massenhaft. Der Grund: Nuhrs umstrittener Femizid-Witz vom 18. Juni, der eine Welle der Empörung ausgelöst hatte.
Dabei war die Ausgabe bereits im April aufgezeichnet worden – zwei Monate vor dem Skandal. In der gemütlichen Atmosphäre der Hamburger Kneipe „Zum Schellfischposten“ plauderte der 65-Jährige ungewohnt offen aus seinem Privatleben. Dass seine Frau eine leidenschaftliche Fußballfanatikerin ist, habe ihn einst für sie eingenommen: „Wir haben erst nur Fußball geguckt zusammen. Und dann hat sich unser Interessenfeld erweitert.“
„Ich kann mit meiner Frau Fußball eigentlich nur zu zweit gucken, weil sie zu laut wird. Das kann man anderen Menschen nicht zumuten.“
Moderatorin Ina Müller, selbst bekennender Fußballfan, zeigte Verständnis: „Das ist doch der Spaß am Fußball!“
‚Kann man anderen nicht zumuten‘ – Nuhrs private Einblicke
Die Anekdote passte zum Tenor des Abends: Nuhr gab sich nahbar. Als Müller auf das Thema Haushaltsführung kam, offenbarte der Kabarettist eine außergewöhnliche Wohnsituation. Nach einem Umzug in ein neues Haus habe das Ehepaar systematisch Bereiche getrennt. „Wir haben zwei Küchen. Und das ist echt hilfreich. In der einen kocht meine Frau, in der anderen koche ich“, erzählte er.
„Wir haben zwei Küchen. Und das ist echt hilfreich. In der einen kocht meine Frau, in der anderen koche ich.“
Auch getrennte Badezimmer gehören zum Arrangement. Auf Müllers Nachfrage, ob man überhaupt noch zusammenwohne, stellte Nuhr klar: „Wir wohnen sehr viel zusammen. Und wir haben auch nur ein Schlafzimmer, um der Frage zuvorzukommen.“ Die Räume seiner Frau betrete er allerdings gar nicht.
Von Wärmepumpe bis Habeck: Nuhrs grüne Überraschung
Für eine weitere Überraschung sorgte Nuhr mit einer unerwarteten Beichte: Der einstige FFP2- und Fridays-for-Future-Kritiker betreibt eine Wärmepumpe, hat Solarpaneele auf dem Dach und fährt ein Elektroauto. Ina Müller konterte schlagfertig:
„Fehlt dir Robert Habeck auch?“
Auf die Frage nach seiner politischen Präferenz blieb Nuhr ausweichend: „Ich würde einen Teufel tun, irgendjemandem zu verraten in der Öffentlichkeit, was ich wähle. Es handelt sich um eine geheime Wahl.“
„Als Satiriker: sehr.“
Aufzeichnung vor dem Skandal – doch Wut bleibt
Die gemütliche Plauderei stand in krassem Kontrast zur Realität, die den Kabarettisten zwei Monate später einholte. Am 18. Juni hatte Nuhr in seiner eigenen ARD-Show „Nuhr im Ersten“ einen Witz über Femizide gemacht und damit eine Empörungswelle ausgelöst. Tote Frauen seien keine Pointe, kritisierten Aktivisten und Zuschauer.
Der Sender wies vor der Ausstrahlung von „Inas Nacht“ eigens auf die frühe Aufzeichnung hin – doch die Gemüter ließen sich kaum beruhigen. Unter einem Instagram-Beitrag zur Sendung häuften sich gehässige Kommentare: „Nuhr war auch vor April untragbar“, schrieb eine Nutzerin. Andere kommentierten: „Wie viel Sendezeit will man diesem Mann denn noch schenken?“ oder „Schade, dass Herr Nuhr hier gezeigt wird. Diese Folge lasse ich dann aus.“ Ein Zuschauer nannte es „ein Schlag ins Gesicht des überwiegenden Teils des Publikums“.
Der öffentliche Druck auf die ARD, sich von Nuhr zu distanzieren, hält an. Hella von Sinnen hatte jüngst gefordert, dem Kabarettisten die Bühne zu entziehen. Ob der Sender Konsequenzen zieht, bleibt offen. Die nächste reguläre Ausgabe von „Nuhr im Ersten“ ist für September angekündigt.





