Porsche baut 5000 weitere Stellen ab – und sichert Standorte bis 2035
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Automobilkrise

Porsche baut 5000 weitere Stellen ab – und sichert Standorte bis 2035

Mit dem neuen Zukunftspaket streicht der Autobauer Tausende Jobs, schließt aber betriebsbedingte Kündigungen bis 2035 aus. Die Belegschaft zahlt mit Gehaltseinbußen – und der VW-Konzern gerät unter Druck.

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Der Kompromiss

Am Montag verkündeten Vorstand und Gesamtbetriebsrat der Porsche AG auf einer Betriebsversammlung in Stuttgart-Zuffenhausen das mit Spannung erwartete „Zukunftspaket“. Kern: Porsche baut in den nächsten Jahren bis 2035 weitere 5.000 Stellen im Stammwerk und im Entwicklungszentrum Weissach ab. Zusammen mit dem ersten Sparpaket vom Februar 2025 – damals fielen 1.900 Stellen weg und rund 2.000 befristete Verträge liefen aus – summiert sich der Gesamtabbau auf rund 8.900 Jobs. Hinzu kommen etwa 500 Stellen durch die Schließung von drei Tochterfirmen. Damit streicht Porsche mehr als jede dritte Stelle in seiner Heimatregion.

Keiner hätte es uns im Vorfeld zugetraut, dass wir ein Zukunftspaket bis Ende 2035 abschließen. Insbesondere wenn man sich unser aktuelles Umfeld anschaut. […] Das Paket ist hart erkämpft. Jetzt müssen wir es gemeinsam mit dem Vorstand umsetzen.
Ibrahim Aslan, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Porsche AG

Der Stellenabbau soll sozialverträglich erfolgen – vor allem über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2035 ausgeschlossen. Die bisher bis 2030 laufende Beschäftigungssicherung wird damit um fünf Jahre verlängert.

Gegenleistungen der Belegschaft

Die Einigung hat ihren Preis: Tariferhöhungen werden teilweise einbehalten – konkret 3,5 Prozentpunkte für das Management und Beschäftigte im Porsche-Entgeltrahmen. Das Weihnachtsgeld wird nahezu halbiert. Der Mitarbeiterbonus wird künftig stärker an den Erfolg gekoppelt und auf 1.500 Euro gedeckelt – 2023 hatte die Sonderzahlung noch knapp 9.700 Euro betragen. Auch große Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf Gehaltserhöhungen. Zudem sinkt die maximale Homeoffice-Zeit von zwölf auf acht Tage im Monat, und die Rahmenbedingungen für die Steinkühler-Pause sollen angepasst werden.

Im Gegenzug investiert Porsche kumuliert 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach. Damit soll sichergestellt werden, dass die zweitürigen Sportwagen – allen voran der Porsche 911 – weiterhin in Zuffenhausen gebaut werden und Weissach Hauptentwicklungsstandort bleibt.

In einer Zeit, in der die Automobilindustrie unter erheblichem Druck steht, sind eine Standortsicherung bis 2035 und Investitionen in dieser Höhe alles andere als selbstverständlich. Die Vereinbarung schafft Perspektiven für die Beschäftigten und ist ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland.
Tamara Hübner, Zweite Bevollmächtigte IG Metall Stuttgart

Krise trifft Stammwerk und Entwicklungszentrum

Die tiefe Krise des Sportwagenherstellers macht den Einschnitt nötig. Der operative Gewinn brach 2025 um 91 Prozent auf 413 Millionen Euro ein, der Konzernüberschuss lag bei nur 310 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 lag die operative Marge bei 7,8 Prozent – jahrelang waren es rund 15 Prozent. Der Fahrzeugabsatz sank 2025 auf 279.400 Einheiten, für 2026 werden nur noch 250.000 erwartet. Die Werke sind massiv unterausgelastet, das Netz war einst auf 400.000 Fahrzeuge ausgelegt.

Hauptursachen sind der Einbruch in China, wo sich die Verkaufszahlen seit 2021 halbiert haben, die US-Zollpolitik und Milliardeninvestitionen in Elektromodelle, die sich bislang nicht auszahlen. Hinzu kommt die Kehrtwende zurück zu mehr Verbrennern, die weitere Milliarden kostet.

Weissach in Sorge – und schwelender Konzernkonflikt

In der Porsche-Gemeinde Weissach, die jahrelang von Rekord-Gewerbesteuern profitierte – im Rekordjahr 2009 flossen 222 Millionen Euro –, wächst die Sorge. Bürgermeister Jens Millow (parteilos) versucht bereits, die Gemeindestruktur auf geringere Einnahmen umzustellen.

Wir wollen Schritt für Schritt das ganze System umstellen auf die Zukunft, mit etwas weniger hohen Steuereinnahmen.
Jens Millow, Bürgermeister von Weissach

Während die Porsche-Beschäftigten Zugeständnisse machen, kommt es im VW-Konzern zu neuen Spannungen. Konzernchef Oliver Blume, der bis Ende 2025 auch Porsche-Chef war, will in Wolfsburg weitaus härtere Sparmaßnahmen durchsetzen: VW erwägt die Schließung von vier Werken und den Abbau von bis zu 100.000 Stellen. Dass Porsche nun eine großzügige Standortsicherung bis 2035 bekommt, während VW und Audi mit Kündigungen rechnen müssen, sorgt für Kritik. Arbeitnehmervertreter werfen den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch vor, mit zweierlei Maß zu messen.

Der Wolfsburger Konzernbetriebsrat hat bereits angekündigt, Blume Ende August zur Rede zu stellen. Die nächste VW-Aufsichtsratssitzung ist für den 4. September angesetzt. Für die Autoindustrie insgesamt sind nach Verbandsprognosen bis 2035 rund 225.000 Jobs gefährdet. Der Porsche-Deal dürfte die Debatte über die Verteilung der Lasten im Konzern weiter anheizen.

Porsche-Chef Michael Leiters verteidigte das Paket. Am 7. Oktober will er auf einem Kapitalmarkttag seine „Strategie Sportwagenschmiede 35“ vorstellen.

Nur wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind, können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die nötige Sicherheit geben.
Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender Porsche AG
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