Die Forschungsgruppe Wahlen hat am Freitag das aktuelle ZDF-„Politbarometer“ veröffentlicht – mit einem Paukenschlag: Die AfD erreicht 28 Prozent, ein historischer Rekord, und liegt damit fünf Prozentpunkte vor der Union. Gleichzeitig fällt die Bewertung von Kanzler Friedrich Merz und seiner Kabinettsumbildung verheerend aus.
Rekordvorsprung für die AfD
Wäre am Sonntag Bundestagswahl, käme die AfD auf 28 Prozent – ein Plus von einem Punkt im Vergleich zur Vorwoche. Die CDU/CSU verharrt bei 23 Prozent. Grüne und Linke verlieren je einen Punkt auf 13 bzw. 12 Prozent, die SPD bleibt bei 12 Prozent. Die FDP scheitert mit 4 Prozent klar an der Fünfprozenthürde.
Noch nie in der Geschichte des ZDF-„Politbarometers“ lag die AfD so weit vor der zweitstärksten Kraft. Auch in anderen Umfragen ist der Abstand teils noch größer: Forsa sieht ihn bei sechs, Insa und YouGov bei sieben Prozentpunkten.
Bemerkenswert: In der „Politischen Stimmung“, den lediglich demografisch gewichteten Rohdaten, liegen AfD und Union erstmals gleichauf bei 23 Prozent – ein Zeichen, dass viele AfD-Wähler ihre Präferenz am Telefon nicht offen bekennen.
Merz und die Regierung in der Kritik
Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und dem Kanzler ist massiv: 68 Prozent bewerten die Arbeit der Regierung als „eher schlecht“, nur 28 Prozent als „eher gut“. Bei Kanzler Merz sehen 70 Prozent seine Leistung negativ, nur 26 Prozent positiv.
Mehrheitliche Unterstützung erhält die Regierung nur noch aus den Reihen der Unionsanhänger.
Kabinettsumbildung verpufft
Trotz einer umfassenden Kabinettsumbildung – Kanzleramtsministerin Nina Warken, Gesundheitsminister Carsten Linnemann, Verkehrsminister Steffen Bilger – zeigt sich die Bevölkerung kaum überzeugt. Nur 17 Prozent glauben, dass die Regierungsarbeit dadurch besser wird; 61 Prozent erwarten keine großen Auswirkungen.
Auch das Vorgehen des Kanzlers bei der Umbildung wird kritisiert: 57 Prozent finden, Merz habe seine Sache „eher schlecht“ gemacht; selbst unter Unionsanhängern überwiegt mit 43 Prozent die Kritik.
Weitere Ergebnisse
In der Rangliste der Spitzenpolitiker führt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit einem Wert von 1,5. Cem Özdemir folgt mit 0,9, Johann Wadephul mit 0,1. Friedrich Merz liegt bei −1,5, Schlusslicht ist Alice Weidel mit −2,4.
Die Unzufriedenheit mit der Demokratie erreicht mit 54 Prozent einen Höchststand – im Osten sind es 64 Prozent, im Westen 52 Prozent.
Sonntagsfrage im ZDF-Politbarometer (Juli 2026)
Projektion der Forschungsgruppe Wahlen
Schwarz-Rot ohne Mehrheit
Die amtierende Koalition aus CDU/CSU und SPD käme zusammen nur auf 35 Prozent und hätte keine parlamentarische Mehrheit. Angesichts der Rekordwerte für die AfD steigt der Druck auf die demokratische Mitte, eine Regierungsbildung ohne die AfD zu ermöglichen – ein Szenario, das mit diesen Zahlen immer schwieriger wird.
Methodik
Für die Erhebung befragte die Forschungsgruppe Wahlen vom 28. bis 30. Juli 2026 insgesamt 1.405 Wahlberechtigte telefonisch und online. Die Fehlertoleranz liegt bei plus/minus drei Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 40 Prozent).









