Putin will die gesamte Ukraine kontrollieren – und Russland verliert den Krieg
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Ukraine-Krieg

Putin will die gesamte Ukraine kontrollieren – und Russland verliert den Krieg

Während Kremlchef Putin in einer Rede neue historische Ansprüche auf ukrainische Gebiete erhebt, widerspricht der Russland-Experte Nico Lange deutlich: Russland sei militärisch am Ende und verliere den Krieg. Putin gehe es nie nur um den Donbass – er wolle die gesamte Ukraine kontrollieren.

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Wladimir Putins Kriegsziele und die Realität an der Front

In einer Rede vor Angehörigen der russischen Marine in Sankt Petersburg am 28. Juli 2026 griff Kremlchef Putin erneut tief in die historische Trickkiste. Die westlichen Regionen der Ukraine seien einst ein „Geschenk“ Josef Stalins gewesen – allerdings an keinen eigenständigen Staat, betonte Putin. Zudem sei die linksufrige Ukraine schon immer Teil Russlands gewesen.

Wenige Tage zuvor hatte Putin bei einem Treffen mit Marineangehörigen bereits erklärt, die westlichen Gebiete der Ukraine seien früher polnisch, ungarisch und rumänisch gewesen – sie würden „eines Tages“ verloren gehen, auch wenn das vielleicht nicht morgen, aber in einigen Jahren geschehe. Für Nico Lange, Senior Fellow der Münchner Sicherheitskonferenz, sind solche Äußerungen nichts Neues – sondern Teil eines seit Langem verfolgten Ziels.

Es gibt keinen Wandel. Es war eine Fehlannahme zu denken, es ginge um den Donbass. Darum ging es Putin nie. Er möchte die gesamte Ukraine kontrollieren.
Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz

Lange, der neun Jahre in Russland und der Ukraine lebte und von 2019 bis 2022 den Leitungsstab im Bundesverteidigungsministerium führte, sieht hinter Putins Ansprüchen eine umfassende Strategie: „Er möchte den Staaten rund um Russland sagen können, was sie zu tun und zu lassen haben. Und er möchte Europa verändern.“ Deshalb sei die Vorstellung, der Krieg ließe sich durch Gebietsabtretungen beenden, irrig.

Es gab mal den schönen Vergleich, dass Putin ein Erstsemester ist, der so tut, als wäre er Geschichtsprofessor.
Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz

Die historischen Betrachtungen des Kremlchefs seien „kein politisches Programm“, so Lange, sondern „Unfug“. Ein Indiz für die Brüchigkeit der russischen Position sind für ihn auch die jüngsten Äußerungen Putins, der die Ukraine als ein historisch geteiltes Land darstellt, das eigentlich zu Russland gehört.

Russland verliert den Krieg – dramatische Zahlen von der Front

Entgegen der landläufigen Annahme eines unaufhaltsamen russischen Vormarschs zeichnet Lange ein düsteres Bild für Moskau. „Russland kann nicht weiterkommen. Das wissen wir doch jetzt seit Jahren. Es gibt so ein Mysterium, dass Russland am Ende gewinnt, ist Quatsch. Russland verliert diesen Krieg gerade“, sagte er im Interview mit FOCUS online.

Russland kann nicht weiterkommen. Das wissen wir doch jetzt seit Jahren. Es gibt so ein Mysterium, dass Russland am Ende gewinnt, ist Quatsch. Russland verliert diesen Krieg gerade.
Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz

Nüchterne Zahlen untermauern die Analyse: Bei einem Sturmangriff überlebt ein russischer Soldat an der Front heute nur 20 bis 30 Minuten. 20 bis 30 Kamikaze-Drohnen stehen für jeden Rekruten bereit. 90 Gefängnisse wurden bereits geschlossen, weil alle Insassen an die Front geschickt wurden. Pro Monat rekrutiere Russland 25.000 bis 30.000 neue Soldaten, doch jeden Monat fielen 3.000 bis 7.000 mehr aus, als ersetzt werden können.

Die Ankündigung, weitere nordkoreanische Soldaten zu verlegen, wertet Lange als Zeichen wachsender Schwierigkeiten: „Es zeigt Putins verzweifelte Lage. Er möchte den Krieg unbedingt weiterführen, notfalls eben mit Soldaten aus Nordkorea.“ Militärisch würden diese Truppen jedoch nichts zugunsten Russlands verändern.

Es zeigt Putins verzweifelte Lage. Er möchte den Krieg unbedingt weiterführen, notfalls eben mit Soldaten aus Nordkorea. Die werden militärisch nichts zugunsten Russlands verändern können.
Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz

Während Russland an der Front ausblutet, erhält die Ukraine massive westliche Unterstützung. Beim NATO-Gipfel in Ankara sagten die Bündnisstaaten jüngst 140 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 zu – ein Paket, das die militärische Schlagkraft Kiews weiter erhöht und den Druck auf Moskau verschärft.

Das Ende des Krieges

Langes Fazit ist unmissverständlich: „Was Putin machen sollte, ist, sich aus der Ukraine zurückziehen und diesen Krieg endlich beenden.“ Ob der Kremlchef zu einem solchen Schritt bereit ist, erscheint angesichts seiner jüngsten Rhetorik jedoch fraglich. Eine Entscheidung über die Zukunft der Ukraine steht damit weiter aus – und die militärischen Fakten sprechen eine zunehmend klare Sprache.

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