Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, hat in einem WELT-Interview eine scharfe Attacke gegen Teile der deutschen Politik gerichtet. „In Deutschland gibt es Parteien, die offenbar jeden Morgen Weisungen aus Moskau bekommen“, sagte Makeiev wörtlich. Zwar nannte er die AfD nicht beim Namen, doch aus dem Kontext und früheren Äußerungen wird klar, dass die Partei gemeint ist.
Das Gespräch führte WELT-Außenpolitik-Redakteur Florian Sädler in der ukrainischen Botschaft in Berlin. Makeiev, seit September 2022 im Amt, nutzte es für eine beispiellose Einmischung in die deutsche Innenpolitik.
„In Deutschland gibt es Parteien, die offenbar jeden Morgen Weisungen aus Moskau bekommen.“
Hintergrund sind unter anderem die Reisen von AfD-Abgeordneten zum Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF), das unter der Schirmherrschaft von Kremlchef Wladimir Putin steht. Erst kürzlich berichtete die WELT über das SPIEF-Treffen. Makeiev verurteilte diese Reisen scharf: „Das ist eine Parteinahme für einen Aggressor und der Versuch, einen Vernichtungskrieg zu relativieren und zu rechtfertigen.“
„Das ist eine Parteinahme für einen Aggressor und der Versuch, einen Vernichtungskrieg zu relativieren und zu rechtfertigen.“
Bereits im Juni 2026 hatte Makeiev im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) klargemacht, dass er keinerlei Kontakte zur AfD pflegt. „Ich pflege keine Kontakte zu undemokratischen Parteien“, sagte er damals. Auch hatte er sich „besorgt“ über die hohen Umfragewerte der AfD gezeigt.
„Ich pflege keine Kontakte zu undemokratischen Parteien.“
Sorge vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Besonders alarmiert zeigte sich Makeiev mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. Die AfD war dort bei der Wahl 2021 mit 20,8 Prozent zweitstärkste Kraft geworden. In aktuellen bundesweiten Umfragen liegt sie bei 26 bis 29 Prozent – noch vor der Union. Makeiev fürchtet, dass ein weiterer Wahlerfolg die deutsche Unterstützung für die Ukraine gefährden könnte.
„Das macht mir Sorgen.“
Neue Wirtschaftskontakte alarmieren Botschafter
Die Eskalation im Vorfeld
- 6. Juni 2021Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
CDU 37,1 %, AfD 20,8 %. Reiner Haseloff (CDU) bildet Deutschland-Koalition.
- 23. September 2022Amtsantritt Makeiev
Oleksii Makeiev wird ukrainischer Botschafter in Deutschland.
- 13. Mai 2025Wahltermin festgelegt
Der Landtag von Sachsen-Anhalt bestimmt den 6. September 2026 als Wahltermin.
- 5. Juni 2026AfD beim SPIEF
Der AfD-Abgeordnete Steffen Kotré nimmt am Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil.
- 26. Juni 2026Erste Warnungen
Makeiev kritisiert AfD im RND-Interview, nennt sie „undemokratisch“, zeigt sich „besorgt“.
- 18. Juli 2026Russische Desinformation?
Der MDR berichtet über eine mutmaßliche russische Desinformationskampagne zur Wahl.
- 1. August 2026WELT-Interview
Makeiev erhebt den Vorwurf der Moskau-Weisungen.
Neben der politischen Entwicklung zeigte sich Makeiev auch „beunruhigt über neue wirtschaftliche Verbindungen mit Moskau“. Konkrete Beispiele nannte er nicht, doch die Sorge wächst, dass trotz EU-Sanktionen der Handel mit Russland zunimmt.
Reaktionen und politische Einordnung
Die Äußerungen Makeievs lösten in den sozialen Netzwerken und in der deutschen Politik kontroverse Reaktionen aus. Auf X (ehemals Twitter) wurde der Botschafter unter anderem mit seinem Vorgänger Andrij Melnyk verglichen, der ebenfalls durch scharfe Kritik aufgefallen war. Der WELT-Außenpolitik-Korrespondent Clemens Wergin kommentierte: „Die Linke, BSW und die AfD sollten sich angesprochen fühlen. Zeitweise ähneln sich deren Pro-Moskau-Aussagen bis hin zu einzelnen Formulierungen.“
Makeievs Vorstoß reiht sich ein in eine Serie von Warnungen aus der deutschen Politik vor russlandfreundlichen Tendenzen der AfD. Erst kürzlich hatte der Grünen-Abgeordnete Robin Wagener die AfD im Bundestag als „nützliche Idioten“ Putins bezeichnet. Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius erwägt, die AfD von Staatsgeheimnissen auszuschließen.
Ausblick auf den 6. September
Mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht in gut einem Monat eine erste Bewährungsprobe für die politische Stimmung im Osten an. Sollte die AfD weiter zulegen, dürfte der Druck auf die Bundesregierung wachsen, ihre Ukraine-Politik zu überdenken. Makeievs drastische Wortwahl zeigt, wie ernst Kiew die Entwicklung nimmt.








