Es war ein klares Zeichen der Stärke: Genau eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD zogen am Samstag rund 300.000 Menschen durch die Hamburger Innenstadt – so viele wie noch nie. Die Polizei war mit doppelter Mannschaft präsent, Betonpoller und mobile Lkw-Barrieren schützten die Route. Trotz der angespannten Sicherheitslage blieb die Stimmung friedlich und ausgelassen.
Teilnehmerrekord beim Hamburger CSD
Sicherheitskonzept massiv verschärft
Ursprünglich hatten die Veranstalter mit etwa 250.000 Teilnehmenden gerechnet. Nach dem Anschlag in Berlin, bei dem ein 21-Jähriger eine Frau tötete und 31 Menschen verletzte, überprüfte die Polizei das Konzept erneut. „Man habe schon in der Vergangenheit ein gutes Sicherheitskonzept gehabt, wolle aber gerade bei diesem CSD kein Risiko eingehen: Alle können sich auf ein Höchstmaß an Sicherheit einstellen“, so Polizeipräsident Falk Schnabel im Vorfeld.
Neben den Hamburger Kräften kamen Unterstützungseinheiten aus anderen Bundesländern. Die Polizei betonte, man sei nicht an die Grenzen gestoßen. Zu Zwischenfällen kam es nicht, die Demonstration verlief völlig friedlich.
Chronologie der Ereignisse
- 25. Juli 2026Islamistischer Anschlag in Berlin
Ein 21-Jähriger steuert einen Van in die Menge des Berliner CSD, tötet eine Frau und verletzt 31 Menschen.
- 31. Juli 2026Schweigeminute in Hamburg
Zum Auftakt des CSD-Straßenfests auf dem Rathausmarkt wird eine Schweigeminute abgehalten.
- 1. August 2026Rekord-Demo in Hamburg
Trotz der Trauer und Angst ziehen 300.000 Menschen durch die Stadt.
Trauernde Berliner Delegation in Schwarz
Mit einem eigenen Truck und rund 120 Teilnehmenden in schwarzer Kleidung setzte die Berliner Delegation ein Zeichen der Trauer und des Trotzes.
„Wir sind hier, um Flagge und Präsenz zu zeigen. Um zu zeigen: Wir weichen keinen Schritt zurück und lassen uns nicht verängstigen.“
Auch Dragqueen Olivia Jones betonte den Mut der Community: „Wir gehen auf die Straße und sind stolzer denn je.“ Ricarda Lang, frühere Grünen-Vorsitzende, sagte: „Ich bin gekommen, um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns die Lebensfreude nicht nehmen lassen.“
Kampf ums Grundgesetz und politische Prominenz
Im Demonstrationszug waren zahlreiche Schilder mit der Aufschrift „Artikel 3 Grundgesetz ergänzen“ zu sehen. Der Verein Hamburg Pride fordert seit Langem, den Schutz vor Diskriminierung wegen sexueller Identität ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern. Bislang blockieren Union und FDP eine solche Änderung.
Unter den Teilnehmenden waren Vizebürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne), Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch. Fegebank rief den Zweiflern zu: „Nach dem brutalen Anschlag auf den CSD in Berlin sind viele unsicher, ob heute der richtige Ort und Zeitpunkt ist. Ich sage: Jetzt erst recht.“
Friedlicher Ausklang – aber Ärger an der Europa Passage
Der Demonstrationszug endete gegen 16:30 Uhr am Jungfernstieg. Rund um die Binnenalster wurde das Straßenfest fortgesetzt. Die Polizei meldete keine größeren Vorfälle.
Allerdings mussten Beamte mehrfach zur Europa Passage am Ballindamm ausrücken: Der Sicherheitsdienst der Passage forderte CSD-Teilnehmende auf, ihre Regenbogenflaggen einzurollen. Das Vorgehen sorgte für Empörung.
Das CSD-Straßenfest ging am Sonntag weiter und endete mit einem Abschluss-Gottesdienst auf St. Pauli.
