Es war ein Frontalangriff, wie ihn der Bundestag bei einer Generaldebatte selten erlebt: Heidi Reichinnek, Co-Fraktionsvorsitzende der Linken, hat am Mittwoch Alice Weidel schwere Vorwürfe gemacht. Vor den Augen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach sie von „rechtsextremer Heuchelei“ und warf der AfD-Chefin vor, mit einer „doppelten Diät“ in der Schweiz zu leben.
Die Generaldebatte hatte zuvor Weidel selbst mit scharfen Attacken gegen Merz bestritten – sie nannte den Kanzler einen „Wortbrecher“ und „Papierkanzler“. Reichinnek konterte, indem sie der AfD-Politik Heuchelei vorwarf.
„Alles, was Sie hier erzählen, ist pure Heuchelei; denn es geht Ihnen nicht um die Menschen in diesem Land. Die belügen Sie jeden Tag aufs Neue. Die sind Ihnen total egal. Es geht Ihnen um Ihren eigenen Vorteil.“
Heidi Reichinnek, Co-Fraktionsvorsitzende Die Linke
Die „doppelte Diät“
Reichinnek zielte damit auf Weidels Lebensumstand und die Finanzen der AfD-Fraktion ab. Die AfD-Chefin wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in der Schweiz, nahe dem Bodensee, und hat dort einen Wohnsitz. Gleichzeitig hatte die AfD-Fraktion in ihrer Sitzung am 1. Juli 2025 beschlossen, die Funktionszulagen ihrer Spitze drastisch zu erhöhen.
Weidel und Co-Fraktionschef Tino Chrupalla erhalten seither monatlich 12.000 Euro zusätzlich zu ihren Abgeordnetendiäten von rund 11.800 Euro – eine Verdopplung der bisherigen Zulage. Mit einem Gesamtgehalt von etwa 24.000 Euro monatlich verdienen die AfD-Chefs das 5,5-Fache des deutschen Durchschnittsverdienstes, wie t-online berichtete.
Dann setzte Reichinnek persönlich nach: „Frau Weidel, wie lebt es sich denn so in der Schweiz mit der doppelten Diät? Ihre rechtsextreme Heuchelei ist einfach nur billig.“
Chronologie
1. Juli 2025
AfD verdoppelt Funktionszulagen
Die AfD-Fraktion beschließt, die monatliche Zulage für Weidel und Chrupalla von 6.000 auf 12.000 Euro zu erhöhen.
9. Juli 2025
Reichinnek greift Weidel an
In der Generaldebatte des Bundestags wirft Heidi Reichinnek der AfD-Chefin „doppelte Diät“ und „rechtsextreme Heuchelei“ vor.
Linke verzichtet komplett auf Zulagen
Den Vorwurf der „doppelten Diät“ kann die Linke mit Verweis auf die eigene Praxis erheben: Ihre Fraktionsspitze erhält keinerlei Funktionszulagen. Heidi Reichinnek, die bereits zuvor versucht hatte, die CDU zu einer Kooperation gegen die AfD zu bewegen, und Co-Fraktionschef Sören Pellmann bekommen nur die reguläre Abgeordnetendiät.
„Wir sind der Meinung, dass die Höhe der Abgeordnetendiäten mehr als ausreichend ist.“
Ina Latendorf, Erste Parl. Geschäftsführerin Die Linke
Bereits in der vergangenen Legislatur hatte die Linke mit 5.296 Euro Zulage für Pellmann deutlich weniger gezahlt als andere Fraktionen. Mit der neuen Regelung stellt sie sich bewusst gegen den Trend.
Weidel kontert mit Zwischenrufen
Während der Rede Reichinneks versuchte der AfD-Abgeordnete Maximilian Kneller mehrfach, mit Zwischenrufen zu stören. Im weiteren Verlauf der Debatte musste Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) Alice Weidel selbst ermahnen und drohte ihr mit dem Saalverweis, weil sie während der Rede von CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn fortgesetzt dazwischenrief.
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Die Generaldebatte endete mit heftigen Anschuldigungen und einem gestärkten Gegensatz zwischen der Linken und der AfD. Reichinnek weitete ihre Rede über die AfD-Kritik hinaus zu einer Abrechnung mit der schwarz-roten Regierungskoalition aus und forderte die Reaktivierung der Vermögensteuer.