Ex-Armeechef Saluschnyj: Ukraine wird niemals Nato beitreten
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Ex-Armeechef Saluschnyj: Ukraine wird niemals Nato beitreten

Der frühere ukrainische Armeechef und heutige Botschafter in London, Walerij Saluschnyj, hat der Nato-Perspektive seines Landes eine klare Absage erteilt. Stattdessen plädiert er für einen europäischen Militärblock und die britisch geführte Joint Expeditionary Force.

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Der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und heutige Botschafter in London hat der Nato-Perspektive seines Landes eine schonungslose Absage erteilt. Bei einem Treffen ukrainischer Botschafter in Kiew erklärte Walerij Saluschnyj am 3. August 2026, die Ukraine werde „leider niemals wirklich“ der Nato beitreten. Das berichtete zuerst die Evropeiska Pravda.

Die Äußerung ist brisant, weil Saluschnyj als Botschafter in einem führenden Nato-Staat formal Teil jenes diplomatischen Apparats ist, der den Bündnisbeitritt vorantreiben soll. Dass ausgerechnet er nun öffentlich das Gegenteil erklärt, wiegt schwer.

Saluschnyj untermauerte seine Einschätzung mit persönlicher Erfahrung. Er habe zwölf Jahre lang daran gearbeitet, die Nato-Standards zu erfüllen – und jedes Jahr nur „Märchen“ über den angeblich nahen Beitritt gehört.

Zwölf Jahre Märchen und „Doktrinen des Zweiten Weltkriegs“

Zwei zentrale Hindernisse machte der Ex-Armeechef aus. Zum einen erfülle die Ukraine die militärischen Standards für einen Beitritt in keiner Weise. Es sei „unmöglich, mit dem Entwicklungsstand der ukrainischen Streitkräfte einer Organisation beizutreten, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lässt“, zitierte ihn der Guardian.

Zum anderen sei die Nato selbst zu langsam. Das Bündnis werde „höchstwahrscheinlich in seiner jetzigen Form bleiben und weitere zwölf Jahre brauchen, um Standards zu erreichen, die wenigstens die Hälfte des Niveaus der Russischen Föderation ausmachen“, sagte Saluschnyj laut Ukrainska Pravda.

Leider werden wir niemals wirklich beitreten.
Walerij Saluschnyj, Botschafter der Ukraine in Großbritannien und Ex-Armeechef

Europäischer Militärblock als Alternative

Anstelle der Nato brachte Saluschnyj neue Sicherheitsarchitekturen ins Spiel. „Die Ukraine wird sich mit Blöcken und Allianzen verbünden, die aller Wahrscheinlichkeit nach entstehen werden. Höchstwahrscheinlich wird es sich um einen europäischen Militär-Sicherheitsblock handeln“, wurde er von mehreren Medien zitiert.

Konkret nannte er die Joint Expeditionary Force (JEF), einen von Großbritannien geführten Militärverbund aus zehn nordeuropäischen Staaten. Die Ukraine ist seit Dezember 2025 „erweiterter Partner“ der JEF. Saluschnyj bedauerte, dass Kiew nicht aktiver auf eine Vollmitgliedschaft hinarbeite, räumte aber ein, dass die Kommandostrukturen der JEF „noch schwach“ und „nicht auf dem Niveau, das wir brauchen“ seien.

Bemerkenswert: Die JEF verfügt derzeit über keinerlei kollektive Verteidigungsmechanismen oder Beistandsverpflichtungen. Eine Vollmitgliedschaft würde der Ukraine also keine Sicherheitsgarantien bieten.

Verfassungsziel in Gefahr

Saluschnyjs Aussagen stehen im Widerspruch zur offiziellen Linie Kiews. Die Nato-Mitgliedschaft ist – ebenso wie der EU-Beitritt – als strategisches Ziel in der ukrainischen Verfassung verankert. Präsident Wolodymyr Selenskyj hält bislang an diesem Kurs fest, auch wenn er zuletzt eine Verschiebung nicht mehr ausschloss, falls westliche Partner belastbare Sicherheitsgarantien geben.

Russland lehnt eine ukrainische Nato-Mitgliedschaft kategorisch ab und hat sie zu einem zentralen Kriegsziel erklärt. Das Thema war auch beim Nato-Gipfel in Ankara im Juli 2026 nicht auf die Tagesordnung gehoben worden.

Vom Armeechef zum Botschafter

Saluschnyj diente von 2021 bis 2024 als Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und genießt in der Bevölkerung hohes Ansehen. Im Jahr 2024 wurde er von Selenskyj wegen Meinungsverschiedenheiten über die Kriegsführung entlassen und anschließend zum Botschafter in London ernannt.

Damit zählt er heute zu den wenigen potenziellen politischen Rivalen des amtierenden Präsidenten. Seine deutlichen Worte beim Botschaftertreffen dürfen daher auch als Positionsbestimmung für eine mögliche Kandidatur gelesen werden.

Saluschnyjs Weg vom Armeechef zum Nato-Skeptiker

  1. Juli 2021
    Ernennung zum Oberbefehlshaber

    Walerij Saluschnyj wird Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte.

  2. Februar 2024
    Entlassung als Armeechef

    Nach Differenzen mit Präsident Selenskyj über die Kriegsführung wird er entlassen.

  3. März 2024
    Ernennung zum Botschafter

    Kurze Zeit später wird er zum ukrainischen Botschafter in Großbritannien ernannt.

  4. Dezember 2025
    Erweiterter JEF-Partner

    Die Ukraine erhält den Status eines <b>erweiterten Partners</b> der Joint Expeditionary Force.

  5. 3. August 2026
    Botschaftertreffen in Kiew

    Saluschnyj erklärt, die Ukraine werde <b>„niemals wirklich“</b> der Nato beitreten.

16 Prozent für die Präsidentschaft

Umfragen vom Juni 2026 sehen Saluschnyj bei rund 16 Prozent für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur – Selenskyj kommt auf 32 Prozent. Damit ist der Ex-General der populärste unter den potenziellen Herausforderern, auch wenn der Abstand zum Amtsinhaber noch deutlich ist.

Präsidentschaftskandidatur: Umfragewerte Juni 2026

Quelle: Umfrage, Juni 2026

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