Unwetter-Nacht in NRW: Drei Züge gestoppt – Fahrgäste stundenlang gefangen
Heftige Gewitter mit Sturmböen und Starkregen haben in der Nacht zum 4. August 2026 den Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen massiv beeinträchtigt. Drei Züge wurden auf offener Strecke gestoppt, hunderte Fahrgäste mussten evakuiert werden oder stundenlang ausharren. Verletzt wurde niemand.
Eine heftige Gewitterfront hat in der Nacht auf den 4. August 2026 den Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen an drei Stellen lahmgelegt. Umstürzende Bäume beschädigten Oberleitungen, blockierten Gleise und zwangen hunderte Fahrgäste zu stundenlangem Ausharren oder zur Evakuierung. Verletzt wurde bei allen Vorfällen niemand. Die Unwetter hatten bereits Tage zuvor für Schlagzeilen gesorgt, als ein Radfahrer in Karlsruhe von einem Baum erschlagen wurde.
Der spektakulärste Vorfall ereignete sich auf der Strecke zwischen Hagen und Köln bei Schwelm. Gegen 22:50 Uhr war der ICE 512 auf dem Weg von München nach Münster, als in Höhe der Nordstraße ein Baum umstürzte und in die Oberleitung fiel. Durch einen Kurzschluss fing der Baum Feuer. Der Triebfahrzeugführer leitete eine Notbremsung ein und brachte den Zug rechtzeitig zum Stehen, wie das Feuerwehr-Magazin berichtet.
Fast fünf Stunden im ICE gefangen
An Bord befanden sich 132 Fahrgäste. Weil eine Evakuierung in der Dunkelheit auf freier Strecke zu riskant war, entschieden Einsatzleitung und Notfallmanagement der Bahn gemeinsam gegen eine Räumung. Das Zugpersonal versorgte die Eingeschlossenen während des Stillstands mit Getränken.
Ein Instandhaltungstrupp der Bahn entfernte in der Nacht den Baum von der Oberleitung. Anschließend wurde der ICE mithilfe einer Diesellok über den inzwischen stromlosen Streckenabschnitt gezogen. Erst um 3:35 Uhr war die Strecke wieder passierbar und der Zug konnte seine Fahrt fortsetzen. Die Fahrgäste hatten zu diesem Zeitpunkt rund vier Stunden und 45 Minuten ausgeharrt.
Regionalzug kollidiert mit Baum in Dortmund
Gegen 0:30 Uhr stürzte auf der Strecke zwischen Dortmund-Kruckel und dem Hauptbahnhof ein Baum auf die Gleise und beschädigte beide Oberleitungen. Der Triebfahrzeugführer eines herannahenden Regionalzugs leitete sofort eine Notbremsung ein, konnte den Zusammenstoß aber nicht mehr verhindern. Der Zug kam rund 200 Meter nach der Kollisionsstelle zum Stehen und wurde schwer beschädigt.
Alle 52 Fahrgäste sowie der Triebfahrzeugführer blieben unverletzt. Bevor die Rettungsarbeiten beginnen konnten, musste der Notfallmanager der Bahn die beschädigten Oberleitungen erden. Anschließend leuchtete die Feuerwehr den Streckenabschnitt großflächig aus und evakuierte die Passagiere mithilfe von Leitern über das Gleisbett. Die zweigleisige Strecke war für die Dauer der Rettungsarbeiten komplett gesperrt.
Zwei Züge in Mönchengladbach evakuiert
Im Mönchengladbacher Ortsteil Herrath waren zwischen Rheydt und Lindern Bäume auf die Gleise gestürzt und hatten die Oberleitung niedergerissen. Zwei Regionalzüge kamen auf freier Strecke zum Stehen. In einem der Züge waren etwa 250 Reisende unterwegs.
„Fahrgäste konnten die Züge mit Unterstützung der Rettungskräfte vor Ort sicher verlassen und ihre Reise anschließend mit Bussen fortsetzen.“
Bahnsprecher
Insgesamt waren rund 170 Einsatzkräfte vor Ort, darunter Berufsfeuerwehr, freiwillige Einheiten, ASB, DRK und Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Fahrgäste wurden mit Bussen zu ihren Anschlusszielen gebracht.
Bahnverkehr am Folgetag weiter beeinträchtigt
Die Unwetterschäden wirkten auch am Dienstag, 4. August, noch nach. Die Strecke zwischen Mönchengladbach und Aachen blieb wegen des Oberleitungsschadens gesperrt. Im Fernverkehr kam es zu Ausfällen zwischen Frankfurt, Köln und Aachen, wie die tagesschau meldete. Zwischen Köln und Aachen wurde ein Busersatzverkehr eingerichtet. Bereits im Juni hatte eine bundesweite Störung des Bahnfunks für einen Totalausfall gesorgt.
Für die Linie RE 4 wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Mönchengladbach und Aachen eingerichtet. Reisende wurden gebeten, ihre Verbindung vorab zu prüfen.
Chronologie der Bahn-Zwischenfälle
3. August, 22:50 Uhr
ICE 512 bei Schwelm gestoppt
Baum stürzt auf Oberleitung, Kurzschluss setzt Brand. 132 Fahrgäste müssen fast fünf Stunden ausharren.
4. August, 0:30 Uhr
Regionalzug kollidiert in Dortmund-Kruckel
Zug prallt gegen umgestürzten Baum. 52 Personen werden evakuiert, Zug schwer beschädigt.
4. August, nachts
Zwei Regionalzüge in Mönchengladbach-Herrath evakuiert
Bäume beschädigen Oberleitung. Rund 170 Einsatzkräfte evakuieren etwa 250 Fahrgäste.
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