Quentin Gärtner (19) rechnet mit Merz-Regierung ab: „Mein Geld wird verzockt“
Bild: KI-generiert

Quentin Gärtner (19) rechnet mit Merz-Regierung ab: „Mein Geld wird verzockt“

Der 19-jährige Quentin Gärtner (Grüne) hat der Bundesregierung in der ZDF-Talkshow „Sarah Tacke“ vorgeworfen, das 500-Milliarden-Sondervermögen für Steuergeschenke an Konzerne zu verschleudern, statt in Schulen zu investieren. Auch die anderen Gäste gingen mit der Politik hart ins Gericht.

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Es ist der große Aufreger des Abends: Der 19-jährige Quentin Gärtner, Student und Grünen-Mitglied, sitzt bei Sarah Tacke im Studio und kann sich kaum noch halten. Immer wieder schnellt sein Zeigefinger in die Höhe, als er der schwarz-roten Regierung vorwirft, ein gewaltiges Sondervermögen für „dämliche Wahlgeschenke“ zu verpulvern. Wie ZDFheute berichtet, war die Talkshow dem Thema „Mehr arbeiten, weniger krank sein – rettet das Deutschland?“ gewidmet.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuvor mit seiner Forderung nach einem „Beitrag“ der Bevölkerung und seiner Kritik am hohen Krankenstand für Diskussionen gesorgt. Das schwarz-rote Reformpaket, das der Bundestag im Juli beschlossen hatte, sollte die wirtschaftliche Talfahrt stoppen. Doch im ZDF-Studio traf dieser Kurs auf erbitterten Widerstand – angeführt von der jungen Generation.

Gärtner: „Das ist eine krasse Generationenungerechtigkeit“

Gärtner, ehemaliger Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz und Buchautor („Deutschland völlig lost“), zielte direkt auf die 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen, die die Regierung für Infrastruktur und Klimaneutralität aufgelegt hatte. „Ich merke noch nicht, dass diese 500 Milliarden wirklich in Schulen, Hochschulen, Brücken und so weiter ankommen, an all diesen Stellen, die Zukunft schaffen sollen“, sagte er laut WELT.

Das ist eine krasse Generationenungerechtigkeit, da mein Geld gerade verzockt wird.
Quentin Gärtner (Grüne)

Statt in die Zukunft zu investieren, würden die Schulden für kurzfristige Wahlgeschenke verfeuert. Gärtner nannte konkret die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie: „Alleine McDonald's soll über 100 Millionen Euro von der Senkung der Gastrosteuer profitieren. Ich möchte aber nicht, dass der Big Mac subventioniert wird – ich möchte, dass es in die Schulen nicht hineinregnet“, zitiert ihn die FAZ.

Ich möchte nicht, dass der Big Mac subventioniert wird – ich möchte, dass es in die Schulen nicht hineinregnet.
Quentin Gärtner (Grüne)

Unternehmerin Böhm: „Wir verwalten uns zu Tode“

Nicht nur die junge Generation, auch das Mittelstand war frustriert. Christina Böhm, Geschäftsführerin eines familiengeführten Malerbetriebs, zeichnete ein düsteres Bild der Bürokratielast. „Merz hat viel versprochen und nichts gehalten“, sagte sie laut WELT. Ihr Großvater habe in den 80ern hundert Mitarbeiter mit sieben Büroangestellten geführt – sie benötige für dreißig Mitarbeiter sechs. „Wir verwalten uns zu Tode.“

Merz hat viel versprochen und nichts gehalten.
Christina Böhm, Malerbetriebs-Geschäftsführerin

Attestpflicht ab Tag eins? Selbst der CDU-Mann widerspricht Merz

Als Moderatorin Tacke die von Kanzler Merz ins Spiel gebrachte Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag thematisierte, waren sich alle Gäste einig – gegen den eigenen Kanzler. „Ich glaube nicht unbedingt, dass es die richtige Methodik ist, zu sagen, jemand muss von Tag eins an eine Krankmeldung haben“, sagte der CDU-Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen der WELT. Stattdessen müsse man über die Ursachen des hohen Krankenstands sprechen.

Ich glaube nicht unbedingt, dass es die richtige Methodik ist, zu sagen, jemand muss von Tag eins an eine Krankmeldung haben.
Claus Ruhe Madsen, Wirtschaftsminister Schleswig-Holstein (CDU)

Böhm nannte die Idee „komplett kontraproduktiv“ und einen „Schuss ins Knie“. Bodo Ramelow (Die Linke) verwies auf 600 Millionen unbezahlte Überstunden, die in internationalen Vergleichen nicht auftauchten: „Alleine 600 Millionen Überstunden, die kostenlos geleistet worden sind, werden ja nicht erfasst“, so der Bundestagsvizepräsident.

Alleine 600 Millionen Überstunden, die kostenlos geleistet worden sind, werden ja nicht erfasst.
Bodo Ramelow, Bundestagsvizepräsident (Die Linke)

Zuschauer ändern Meinung: 75 Prozent für Mehrarbeit

Ein besonderes Element der Sendung war ein Zuschauervoting per QR-Code. Zu Beginn bejahten 65 Prozent die Frage, ob sie bereit wären, länger als acht Stunden am Tag zu arbeiten. Nach der hitzigen Debatte stieg dieser Wert auf 75 Prozent – ein Zeichen, dass die Argumente durchaus verfingen.

Zuschauervoting: Bereitschaft zu Mehrarbeit

Vor und nach der Sendung „Sarah Tacke“

Quelle: ZDF

Die Zahlen deuten an, dass die von Gärtner angeprangerte Generationenungerechtigkeit in der Bevölkerung auf Resonanz stößt. Ob die Regierung ihre Prioritäten überdenkt, bleibt offen. Die junge Generation hat ihre Forderung klar formuliert: weniger Wahlgeschenke, mehr Zukunftsinvestitionen.