11.900 Hitzetote: Neubauer über Merz' Schweigen – „Das beschämt mich“
Bild: KI-generiert

11.900 Hitzetote: Neubauer über Merz' Schweigen – „Das beschämt mich“

Nachdem das RKI fast 12.000 hitzebedingte Todesfälle für 2026 meldet, protestieren Bündnisse und Fridays for Future vor dem Kanzleramt. Luisa Neubauer wirft Kanzler Merz vor, kein Wort zu den Opfern zu sagen – und fordert Konsequenzen.

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11.900 Hitzetote in Deutschland – und der Kanzler sagt kein Wort. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Donnerstag seine Schätzung für 2026 nach oben korrigiert. Demnach starben bis Ende Juli fast 12.000 Menschen an den Folgen der Hitze, mehr als jemals zuvor in einem ganzen Jahr. Der bisherige Rekord lag 2018 bei rund 9.000 Toten, wie die Tagesschau berichtete.

Besonders verheerend war die Juniwoche vom 22. bis 28. Juni: Mit Temperaturen von bis zu 41 Grad und der wärmsten Nacht seit Aufzeichnungsbeginn starben allein in diesen sieben Tagen 9.600 Menschen. Das RKI musste seine ursprüngliche Modellrechnung verdoppeln, weil die Extremtemperaturen die statistischen Vorhersagen sprengten. Damals wurde mit 41,5 Grad ein neuer Hitzerekord gemessen. Bereits Anfang Juli hatte das RKI vor einer ungewöhnlich hohen Sterblichkeit gewarnt, wie jux.news berichtete.

Hitzebedingte Todesfälle in Deutschland

Vergleich 2018 und 2026 (bis August)

Quelle: Robert Koch-Institut

Die neuen Zahlen lösten noch am selben Tag Proteste aus. Ein Bündnis aus 36 Organisationen – darunter AWO, BUND, Greenpeace, der Mieterbund und Fridays for Future – versammelte sich am Mittag vor dem Kanzleramt und forderte einen nationalen Hitzegipfel.

5-Punkte-Plan: Hitzegipfel und Grundgesetzänderung

Das Bündnis übergab einen 5-Punkte-Plan an die Bundesregierung. Zentrale Forderung: die sofortige Einberufung eines Hitzegipfels mit Experten aus Gesundheit, Bevölkerungsschutz und Klimawissenschaft. Zudem soll Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe in Artikel 91a des Grundgesetzes verankert werden, um Kommunen und soziale Einrichtungen dauerhaft finanziell abzusichern.

AWO-Vorständin Claudia Mandrysch betonte, dass die Folgen der Klimakrise nicht alle gleich treffen: „Die Folgen der Klimakrise treffen nicht alle Menschen gleichermaßen.“ Besonders gefährdet seien Ältere, Pflegebedürftige, Kinder und Wohnungslose. Der Allgemeinmediziner Max Bürck-Gemassmer von Health for Future nannte die Hitzewellen „eine Katastrophe für die öffentliche Gesundheit“.

Neubauer attackiert Merz: „Das beschämt mich“

Am Nachmittag folgte eine Kundgebung von Fridays for Future mit mehreren Hundert Teilnehmern. Die Aktivistin Luisa Neubauer griff Kanzler Merz scharf an: „Hätte eine andere Katastrophe so viele Menschenleben gefordert, wären Himmel und Hölle in Bewegung. Dann würden Sondersitzungen nach Sondersitzungen nach Sondersitzungen einberufen.“

Dass der Kanzler zu fast 12.000 Hitzetoten schweige, sei beschämend. Sie rief: „Dass ihm fast 12.000 Hitzetote kein einziges Wort wert sind, beschämt mich.“

Dass ihm fast 12.000 Hitzetote kein einziges Wort wert sind, beschämt mich.
Luisa Neubauer, Klimaaktivistin

Auch die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge kritisierte Merz scharf. Laut t-online sagte sie: „Der Bundeskanzler ist sich weiterhin auch nur für ein Wort des Bedauerns zu schade. Es scheint so, als sei Friedrich Merz in einer Schockstarre verfangen. Politisch ist das inakzeptabel.“ Sie forderte Gesundheitsminister Linnemann auf, endlich zu handeln.

Linken-Chef Luigi Pantisano nannte die RKI-Zahlen einen „dramatischen Weckruf“: „Hitze ist längst eine tödliche Gefahr und trotzdem behandelt die Bundesregierung Hitzeschutz noch immer wie eine freiwillige Zusatzaufgabe.“

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Chronologie: So eskalierte die Hitzewelle 2026

Die Chronologie

  1. 22.–28. Juni 2026
    Extreme Hitzewelle

    Temperaturen bis 41 °C, wärmste Nacht seit Aufzeichnungsbeginn. 9.600 Hitzetote in einer Woche.

  2. 26. Juli 2026
    RKI meldet 11.900 Tote

    Das RKI schätzt die hitzebedingte Sterblichkeit bis Ende Juli auf 11.900 – neuer Rekord.

  3. 6. August 2026
    Proteste und Forderungen

    Bündnis aus 36 Organisationen übergibt 5-Punkte-Plan; Fridays for Future demonstriert mit Luisa Neubauer. Merz schweigt.