Gefälschtes Video kündigt Merz-Rücktritt an – Verfassungsschutz warnt vor russischer Kampagne
Ein mit dem Deutschen-Welle-Logo versehenes Video behauptet, Kanzler Merz trete am 10. August zurück. Der Verfassungsschutz entlarvt die Kampagne als russische Desinformation.
Ein gefälschtes Video mit dem Logo der Deutschen Welle (DW) verbreitet derzeit im Internet die Falschmeldung, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) werde am 10. August 2026 zurücktreten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt: Hinter der Aktion steckt eine russische Desinformationskampagne, die gezielt das Ansehen des Kanzlers untergraben und die Landtagswahlen im September beeinflussen soll.
Das Video trägt den Titel „Interne CDU-Unterlagen: Merz tritt am 10. August zurück“ und behauptet, dem Handelsblatt lägen geheime Dokumente vor, die den Rücktritt belegen. Tatsächlich existieren solche Dokumente nicht. Das Handelsblatt selbst stellte am 7. August klar, dass es keine entsprechenden Informationen gebe und die eingeblendete Website eine Fälschung sei.
Das BfV sieht ein typisches Muster der Informationsmanipulation: Indem ein weiteres Medium wie das Handelsblatt als angebliche Quelle genutzt wird, erhöhe sich die Glaubwürdigkeit der Falschnachricht. Ziel sei es, „das politische Ansehen von Friedrich Merz als Bundeskanzler zu untergraben“, so die Behörde.
„Informationsmanipulation ist nicht nur eine abstrakte Gefahr für die Demokratie, sondern nimmt auch bewusst führende Persönlichkeiten in den Fokus.“
Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV)
So sieht die Fälschung aus
Das Video ist professionell produziert, enthält aber mehrere Fehler. Die Sprecherstimme hat einen slawischen, nach Einschätzung der DW-Russischredaktion einen russischen Akzent. Die englischen Untertitel passen nicht zu einem deutschsprachigen DW-Beitrag. Zudem wird behauptet, der Rücktritt solle die CDU für die Bundestagswahl im September stabilisieren – tatsächlich finden am 6. und 20. September nur Landtags- und Kommunalwahlen statt.
Einziger wahrer Kern: Lediglich 14 Prozent der Deutschen sind laut einer aktuellen RTL/n-tv-Umfrage mit Merz’ Arbeit zufrieden, was das Fake-Video als Aufhänger nutzt.
Zufriedenheit mit Kanzler Merz
RTL/n-tv Trendbarometer, Stand: 4. August 2026
14%Zufriedenheit
Quelle: RTL/n-tv
DW und Handelsblatt entlarven die Kampagne
Die Deutsche Welle wies die Fälschung umgehend zurück. Das Video stamme von keinem offiziellen DW-Kanal und sei an Details wie einem falsch dargestellten Logo erkennbar. Auch die CDU-Pressestelle bestätigte auf DW-Anfrage, dass die angebliche parteiinterne Korrespondenz nicht existiert.
Sicherheitskreise und die Nachrichtenagentur AFP ordnen das Video der Desinformationsgruppe Storm-1516 zu. Die Gruppe wird dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet und ist für sogenanntes Media-Spoofing bekannt – die Nachahmung vertrauenswürdiger Medienmarken, um falsche Narrative zu verbreiten.
RTL/n-tv Trendbarometer meldet nur 14 % Zufriedenheit mit Merz – die Zahl dient später als Aufhänger für das Fake-Video.
5. August
Warnung aus dem Auswärtigen Amt
Eine Sprecherin warnt vor täglichen hybriden Angriffen Russlands auf die deutsche Demokratie.
7. August
Fake-Video öffentlich
Das gefälschte DW-Video kursiert im Netz. BfV, DW und Handelsblatt entlarven es als Teil von Storm-1516.
10. August
Angeblicher Rücktritt
Laut Fake-Video Merz’ letzter Tag im Amt – tatsächlich kein Rücktritt.
6. September
Wahl in Sachsen-Anhalt
Laut BfV eines der Ziele der Desinformationskampagne.
20. September
Wahlen in MV und Berlin
Auch diese Landtagswahlen sind laut BfV im Visier der russischen Einflussnahme.
Verfassungsschutz warnt vor Wahlbeeinflussung
Das BfV betont, die Kampagne sei auch im Kontext der bevorstehenden Landtagswahlen zu sehen. Das Video ziele darauf ab, „das Vertrauen in Politik und Politiker zu untergraben“ und wirke so auf die Wahlentscheidung ein.
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Parallele Matrjoschka-Kampagne
„Russland versucht jeden Tag, hybrid und über verschiedene Maßnahmen Einfluss hier in Deutschland zu nehmen, in einer Art und Weise, die versucht, unsere Demokratie zu untergraben, das Vertrauen in Politik und Politiker zu untergraben. Insofern gibt es diesen dauernden, andauernden Angriff aus Russland, der staatlich gewollt und gesteuert ist.“
Sprecherin des Auswärtigen Amts (5. August 2026)
Parallel läuft die sogenannte Matrjoschka-Kampagne, ebenfalls aus Russland. Diese zielt über Umwege via USA auf deutsche Wähler: Englischsprachige Desinformationen werden zunächst an Trump-Anhänger und rechte Nutzer auf X gerichtet, die sie dann weiterverbreiten, sodass sie gereinigt nach Deutschland gelangen. Ziel sei es laut Experten, die russlandfreundliche AfD zu stärken und Politikern erfundene Vorwürfe wie sexuelle Übergriffe oder Korruption anzuhängen.