CSD-Attentäter schrieb Mutter: „Bring meine Mutter in Sicherheit“
Bild: KI-generiert

CSD-Attentäter schrieb Mutter: „Bring meine Mutter in Sicherheit“

Wenige Minuten vor dem Anschlag auf den Berliner CSD schrieb Abdul Ballout eine letzte Nachricht: „Bring meine Mutter in Sicherheit“. Seine Mutter spricht nun erstmals über die mysteriösen Textnachrichten und die Angst ihres Sohnes.

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Knapp zwei Wochen nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) hat die Mutter des Attentäters Abdul Ballout erstmals mit einer Reporterin gesprochen. In ihrer Dreizimmerwohnung in Schöneberg zeigte sie Julia Zabert vom Global Reporters Network von Axel Springer mysteriöse Textnachrichten ihres Sohnes – und verteidigte ihn als „guten Menschen“.

Besonders brisant: Wenige Minuten vor seiner Amokfahrt am Abend des 25. Juli 2026 schrieb Ballout eine Nachricht mit dem Inhalt „Bring meine Mutter in Sicherheit“. Das berichtet WELT in einem am 7. August veröffentlichten Exklusiv-Interview.

Die Frau, deren Sohn den Terror nach Berlin gebracht hat, sitzt am Donnerstag auf einer Couch in einer Dreizimmerwohnung und zeigt auf das Display ihres Smartphones.
Tim Röhn, WELT-Journalist

Auf dem Display waren laut dem Bericht mehrere Nachrichten zu sehen, die Ballout in den Stunden vor der Tat verschickt haben soll. Die Mutter berichtete von der „großen Angst“ ihres Sohnes und offenbarte Details, die hinter der Paywall des vollständigen Artikels liegen.

Der Weg in den Terror

Abdul Ballout wurde 2005 in Berlin geboren und wuchs mit seiner Mutter und drei Schwestern auf. Schon als Grundschüler fiel er durch aggressives Verhalten auf, später radikalisierte er sich über das Internet islamistisch. 2025 reiste er in den Libanon, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen, wurde dort festgenommen und nach Deutschland abgeschoben.

Im Mai 2026 verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu 22 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung. Das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum stufte ihn als erhebliches Risiko ein, doch das Gericht sah in ihm einen „noch in der Entwicklung befindlichen prägbaren Menschen“.

Das Violence Prevention Network (VPN) betreute Ballout im Rahmen seiner Bewährungsauflage. VPN-Geschäftsführer Thomas Mücke sagte dem Sender RTL:

Chronologie: Abdul Ballouts Weg zum Anschlag

  1. 2005
    Geburt in Berlin

    Abdul Ballout kommt als Sohn libanesischer Eltern zur Welt.

  2. 2021
    Beginn der Radikalisierung

    Er wendet sich sunnitischen Predigten zu und distanziert sich von seiner schiitischen Familie.

  3. Mai 2025
    Festnahme im Libanon

    Ballout reist über die Türkei in den Libanon, um nach Syrien zum IS zu gelangen. Dort wird er verhaftet und drei Monate inhaftiert.

  4. 12. Mai 2026
    Urteil auf Bewährung

    Das Amtsgericht Tiergarten verurteilt ihn zu 22 Monaten Jugendstrafe, ausgesetzt zur Vorbewährung. Das GTAZ stuft ihn als erhebliches Risiko ein.

  5. 25. Juli 2026, 22 Uhr
    Anschlag auf den CSD

    Ballout fährt mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge im Tiergarten. Eine 65-jährige Polin stirbt, 31 Menschen werden verletzt.

  6. 26. Juli 2026
    Tod in Spandau

    Spezialeinsatzkräfte stellen Ballout in einer Kleingartenanlage und erschießen ihn, als er sie angreift.

„Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“

Wir haben gemerkt, hier stimmt etwas nicht.
Thomas Mücke, Geschäftsführer Violence Prevention Network

Der Vater Tawfik Ballout, der im Libanon lebt, beschrieb seinen Sohn im Gespräch mit dem Tagesspiegel als emotional und liebevoll. Er sagte:

Er hat mich angerufen und wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag. Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein.
Tawfik Ballout, Vater des Attentäters

Zudem erklärte er:

Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.
Tawfik Ballout

Die Tat und die letzten Stunden

Am Abend des 25. Juli steuerte Ballout einen gemieteten Citroën SpaceTourer in eine Menschenmenge am Rande des CSD im Tiergarten. Eine 65-jährige Polin starb, 31 Menschen wurden verletzt. Danach flüchtete er, wurde aber am nächsten Tag von Spezialeinsatzkräften in einer Kleingartenanlage in Spandau gestellt und erschossen.

Vor der Tat hatte sein Vater letztmalig mit ihm telefoniert. Die letzte Nachricht erreichte Ballout um 21:53 Uhr. Minuten später schrieb er die Botschaft an seine Mutter. Die LKA-Kamera filmte ihn noch um 20:58 Uhr am Hauseingang.

Die Mutter im Zentrum der Ermittlungen

Die Mutter, die seit 2002 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, stand nach der Tat unter Schock. Sie beschrieb ihren Sohn im Interview mit WELT als „guten Menschen“. In der Wohnung steht ein gerahmtes Foto des Attentäters.

Er war ein guter Mensch.
Mutter von Abdul Ballout

Abdul Ballout wurde am 5. August unter Polizeischutz auf dem Landschaftsfriedhof Gatow beerdigt. Die Behörden werten ein zweites Handy aus, das im Tatfahrzeug gefunden wurde und nicht vom LKA überwacht war – möglicherweise der „Missing Link“ zu möglichen Hintermännern.

Die Frage, vor wem Ballout Angst hatte und wen er mit seiner letzten Nachricht erreichen wollte, bleibt offen. Die Ermittlungen dauern an.