Das Innenministerium arbeitet an einer neuen Generation des Personalausweises. Die Wohnanschrift soll komplett entfallen – stattdessen gibt es digitale Lösungen. Auch ein lebenslanger Ausweis für Senioren ist geplant.
Die aufgedruckte Wohnadresse auf dem deutschen Personalausweis soll abgeschafft werden. Das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) arbeitet an einem neuen Dokument, das ohne diesen Aufdruck auskommt, wie die Rheinische Post am Samstag exklusiv meldet.
Stattdessen ist die Anschrift nur noch auf dem Chip des Ausweises gespeichert. Bürger können sie dann per Online-Ausweisfunktion (eID) sicher auslesen, wenn sie die Adresse nachweisen müssen – etwa bei Banken, Telefon- oder Mietverträgen. Auch der lästige Gang zum Einwohnermeldeamt und der Aufkleber mit der neuen Anschrift nach einem Umzug entfallen.
Petition warnte vor Einbruchsgefahr
Der Anstoß für die Änderung kam auch von den Bürgern. Eine Petition wies darauf hin, dass ein gestohlener Ausweis zusammen mit dem Wohnungsschlüssel ein erhebliches Einbruchsrisiko darstellt. Werden beide entwendet, könnten Kriminelle die Adresse auslesen und direkt in die Wohnung eindringen.
Der Petitionsausschuss des Bundestags schloss sich dieser Sorge Anfang Mai 2026 an und forderte das Ministerium auf, die aufgedruckte Adresse zu streichen. Zwar habe sie eine sachliche Funktion, urteilte der Ausschuss laut Rheinischer Post, aber sie sei nicht alternativlos.
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Digitale Lösung per Chip und EUDI-Wallet
Für die neue Regelung setzt das Ministerium auf die bereits im Ausweis vorhandene eID-Funktion. Schon heute ist die aktuelle Anschrift auf dem Chip gespeichert. Künftig soll sie allein darüber ausgelesen werden, wobei Nutzer selbst bestimmen, wer welche Daten erhält.
Passend dazu soll im Januar 2027 die EUDI-Wallet starten: eine digitale Brieftasche auf dem Smartphone. Sie kann Ausweis, Führerschein und Versicherungskarten speichern – mit der Möglichkeit, nur minimale Daten freizugeben, etwa die Bestätigung der Volljährigkeit ohne Geburtsdatum.
Senioren und internationaler Standard
Menschen ab 70 Jahren sollen den neuen Ausweis sogar lebenslang behalten können. Die sonst fällige Erneuerung alle zehn Jahre und die Gebühr von 37 Euro würden dann entfallen. Diese Vereinfachung soll bereits zum Jahresbeginn 2027 greifen.
Im Ausland ist der Adressverzicht längst üblich. Frankreich, Spanien, Italien und Belgien drucken die Anschrift nicht auf das Dokument. Auch der deutsche Reisepass enthält keine vollständige Adresse – aus Sicherheitsgründen bei Reisen ins Ausland.
Der Fahrplan bis 2027
Der Weg zum neuen Personalausweis
Mai 2026
Petitionsausschuss empfiehlt Adressverzicht
Der Bundestagsausschuss folgt einer Bürgerpetition und fordert das Innenministerium auf, die Adresse vom Ausweis zu nehmen.
8. August 2026
Exklusivbericht über Pläne
Die Rheinische Post meldet die Arbeit an einer neuen Ausweisgeneration ohne Adresse, mit mehr Sicherheit.
Januar 2027
Start EUDI-Wallet
Die digitale Brieftasche wird eingeführt; Bürger können Ausweisdaten auf dem Smartphone mitführen.
Januar 2027
Lebenslange Gültigkeit für Senioren
Personen über 70 erhalten den Ausweis ohne weitere Erneuerungspflicht.
Ende 2027
Konzeption abgeschlossen
Das Ministerium will die Entwicklung der neuen Ausweisgeneration abschließen.
Kein Beschluss, aber die Richtung ist klar
Die Planungen sind noch nicht endgültig. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte, dass über die Streichung des Adressfelds und Maßnahmen zur Bürokratieentlastung nachgedacht werde, eine finale Entscheidung sei aber nicht gefallen. Die Konzeption dauere bis Ende 2027.
Nennenswerter Widerstand gegen die Neuerungen ist bislang nicht laut geworden. Datenschützer mahnen jedoch einen sorgsamen Umgang mit den digitalen Identitätsdaten an. Für die Bundesregierung steht der Bürokratieabbau im Vordergrund.