AfD-Wahlkampf in MV: Holm peilt mit 43 Prozent Alleinregierung an
Beim Wahlkampfauftakt in Stralsund nennt AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm 43 Prozent als Zielmarke für eine Alleinregierung. Rückenwind erhofft er sich von der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zwei Wochen zuvor.
Mit einer Kundgebung in Stralsund hat die AfD Mecklenburg-Vorpommern am Samstag, dem 8. August 2026, offiziell den heißen Wahlkampf eingeläutet. Spitzenkandidat Leif-Erik Holm nannte dabei eine konkrete Zahl: 43 Prozent der Stimmen seien nötig, um die Alleinregierung zu erreichen, wie die Zeit berichtet.
„Wir müssen die Alleinregierung erreichen, das ist die große Aufgabe. Wahrscheinlich werden wir sie erreichen bei etwa 43 Prozent. Da müssen wir wirklich noch etwas arbeiten, aber die Dinge sind dynamisch.“
Leif-Erik Holm, AfD-Spitzenkandidat MV
Eine Alleinregierung wäre jedoch nur möglich, wenn kleinere Parteien wie FDP oder BSW an der Fünfprozenthürde scheitern, räumte er ein. Derzeit sieht eine Infratest-dimap-Umfrage die AfD bei 36 Prozent. In Sachsen-Anhalt, wo am 6. September gewählt wird, liegt die AfD laut Umfragen bei 41 Prozent.„Die AfD ist ganz sicher keine extreme Partei“, betonte Holm.
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Sachsen-Anhalt-Sog: „Was meint ihr, was dann los ist?“
Entscheidenden Schwung erhofft sich Holm von der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die genau zwei Wochen vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Dort liegt die AfD laut einer Infratest-dimap-Umfrage für MDR, WDR, „Magdeburger Volksstimme“ und „Mitteldeutsche Zeitung“ bei 41 Prozent.
„Die sind also so dicht dran, die brauchen wahrscheinlich auch etwa so 43 Prozent“, sagte Holm. „Und wenn die das schaffen, was meint ihr, was dann los ist? Dann gibt es einen Endspurt, den es so noch nie gegeben hat.“
Der Weg zur Landtagswahl 2026 in MV
30. Mai 2026
Seifert zum Generalsekretär gewählt
Dario Seifert wird mit 92 Prozent erster Generalsekretär der AfD MV.
4. Juli 2026
AfD in Umfrage bei 36 Prozent
Infratest-dimap sieht die AfD in MV bei 36, die SPD bei 29 Prozent.
8. August 2026
Wahlkampfauftakt in Stralsund
Holm nennt 43 Prozent als Ziel für Alleinregierung.
6. September 2026
Landtagswahl Sachsen-Anhalt
AfD liegt bei 41 Prozent, benötigt etwa 43 für absolute Mehrheit.
20. September 2026
Landtagswahl MV
Holm hofft auf Schwung aus Sachsen-Anhalt.
Generalsekretär bereitet Anhänger auf Abwehrkoalition vor
Dario Seifert, Generalsekretär der AfD in MV, stimmte die rund 200 Anwesenden auf die Möglichkeit ein, dass es nicht zur Alleinregierung reicht.
„Lass' sie am Ende sich gerne zusammenfinden, wie sie es in Thüringen und anderswo gemacht haben, und irgendwelche AfD-Abwehrkoalitionen bilden. Eine derartige Koalition wird nicht lange halten. Und dann ist die Zeit gekommen, die Zeit der AfD.“
Dario Seifert, Generalsekretär AfD MV
Seifert spielte damit auf mögliche Bündnisse anderer Parteien an, um die AfD von der Macht fernzuhalten.
Schult will zurück zu russischem Gas
Co-Landessprecher und Fraktionschef Enrico Schult setzte in seiner Rede vor allem auf Energiepolitik. Er forderte, die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 wieder in Betrieb zu nehmen.
„Es ist doch völlig töricht zu sagen, man will jetzt auch ewig mit Russland keine Handelsbeziehungen führen. Wir wollen uns gen Osten wieder öffnen und natürlich wieder russisches Gas beziehen und nicht nur auf diesen irren Windkraftwahn setzen.“
Enrico Schult, AfD-Fraktionsvorsitzender MV
Die Tatsache, dass Russland die Gaslieferungen bereits vor den Explosionen in der Ostsee gedrosselt hatte, erwähnte er nicht. Ferner versprach Schult bessere Kita-Betreuung und mehr MINT-Förderung.
Gastredner Urban: Ukraine sei „korrupt und undemokratisch“
Als Gastredner war der sächsische AfD-Vorsitzende Jörg Urban nach Stralsund gekommen. „Wir wollen Frieden, und wir wollen auch eine friedliche Zusammenarbeit mit Russland“, sagte Urban und kritisierte die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Er bezeichnete das Land als „korrupt und undemokratisch“ und warf Präsident Wolodymyr Selenskyj vor, sein Land in einen Krieg geführt zu haben, den er nicht beenden wolle.
Urban war 2025 mit einer Reise ins russische Sotschi aufgefallen, wo ein Symposium von Ex-Präsident Dmitri Medwedew eröffnet wurde, der mehrfach mit Atomschlägen gedroht hat.
Thormann zeigt White-Power-Geste am Rande der Veranstaltung
Für Aufsehen sorgte AfD-Landtagskandidat Tommy Thormann. Vor einem Stand der Jugendorganisation ließ er sich mit einer Handgeste fotografieren, die als rassistische „White Power“-Geste gedeutet werden kann. Zunächst hielt er seine Hand unauffällig, fragte dann den Fotografen „oder den hier?“ und formte mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis – das unter Tauchern als „Okay“-Zeichen bekannte Symbol, das laut Bayerischer Informationsstelle gegen Extremismus aber auch für „White Power“ steht.
Thormann war bereits zuvor durch mehrdeutige Handhaltungen in sozialen Medien aufgefallen.