Drohnen über Patriot-Werft: Feldjäger beobachten sechs Überflüge
Bild: KI-generiert
Mechernich

Drohnen über Patriot-Werft: Feldjäger beobachten sechs Überflüge

In der Nacht zum 8. August 2026 kreisten mehrere Drohnen über dem Bundeswehrstandort Mechernich. Die Basis beherbergt die europaweit einzige Instandsetzungseinrichtung für Patriot-Flugabwehrsysteme. Der Vorfall folgt zwei Tage nach einer mutmaßlichen Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle.

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Nur zwei Tage nach der Entdeckung einer sprengstoffbestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle haben Unbekannte eine der sensibelsten Militäranlagen Deutschlands ins Visier genommen. In der Nacht zum 8. August 2026 wurden über dem Bundeswehrstandort Mechernich in Nordrhein-Westfalen mehrere Drohnen gesichtet.

Gegen 22 Uhr meldete die Sicherheitszentrale des Standorts erstmals zwei Drohnen. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung beobachteten Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens insgesamt sechs Überflüge. Alarmierte Beamte der Kreispolizei Euskirchen und Feldjäger der Bundeswehr sahen mindestens eine der Drohnen aus nächster Nähe.

Der Stützpunkt im Kreis Euskirchen, rund 35 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, hat eine herausgehobene militärische Bedeutung. In 130 Metern Tiefe lagert dort auf 30.000 Quadratmetern militärisches Material. Vor allem aber beherbergt er die sogenannte „Patriot-Werft“, die nach übereinstimmenden Medienberichten europaweit einzige Instandsetzungseinrichtung für das Flugabwehrsystem Patriot.

Drohne kreiste über Einsatzkräften

Laut einem vertraulichen Polizeibericht kreiste eine der Drohnen sogar kurzzeitig über den alarmierten Beamten. Die Feldjäger schätzten die Fluggeräte aus rund 40 Metern Entfernung als Typ Fly-380 VTOL ein. Solche Drohnen haben eine Spannweite von 3,80 Metern, erreichen bis zu 150 km/h, besitzen eine Reichweite von 400 Kilometern und können mehr als zehn Kilogramm Nutzlast tragen. Offizielle Stellen haben diese technischen Details bisher nicht bestätigt.

Die Feldjäger übergaben den Fall an die Polizei Euskirchen. Inzwischen sind auch das Landeskriminalamt NRW sowie Sicherheitsbehörden des Bundes eingebunden. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts des sicherheitsgefährdenden Abbildens militärischer Anlagen. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es sich um eine fehlgeleitete zivile Vermessungsdrohne handelte.

Dobrindt warnt vor „hybrider Kriegsführung“

Die Vorfälle in Mechernich folgen auf einen gravierenden Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle in der Nacht zum 6. August. Dort war nahe ukrainischen Frachtflugzeugen eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen und sprach von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur“.

Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind täglich Ziel hybrider Kriegsführung.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach in der Bild am Sonntag von einem „hybriden Anschlagsszenario“ und schloss eine Beteiligung fremder Mächte nicht aus. Die russische Botschaft in Berlin wies die Vorwürfe am 8. August als „fabrizierte Provokation“ zurück. Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, forderte nach den Vorfällen klare Zuständigkeiten bei der Drohnenerkennung und -abwehr.

Spürbare Verunsicherung nach zwei Vorfällen

Der Grünen-Innenexperte Marcel Emmerich kritisierte, dass mehr als 40 Behörden mit Luftsicherheitsaufgaben befasst seien – das sei „im Ernstfall ein Sicherheitsrisiko“. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Johann Röwekamp (CDU), mahnte eine zentrale Zuständigkeit bei Bundesinnenministerium und Bundespolizei an. Dobrindt kündigte zugleich einen Ausbau der Drohnenforschung an.

Die rätselhaften Überflüge über der Patriot-Werft haben die Sorge vor Spionage und hybriden Angriffen auf kritische militärische Infrastruktur neu entfacht. Wer die Drohnen steuerte, ist weiter unklar. Die Sicherheitsbehörden bleiben in höchster Alarmbereitschaft.

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