Abgeordnete bewirft Kosovos Regierungschef mit Eiern – „Schäm dich!“
Im kosovarischen Parlament eskalierte eine Debatte über die Regierungsbildung: Die AAK-Abgeordnete Time Kadrijaj warf Eier auf Ministerpräsident Albin Kurti. Der reagierte gelassen, die politische Krise im Kosovo verschärft sich.
Es ist ein bislang einmaliger Vorgang: Eine Abgeordnete hat im kosovarischen Parlament den Regierungschef mit Eiern beworfen. Mit dem Angriff auf Albin Kurti eskalierte am Samstag die politische Krise des Landes.
Während der Sitzung warf die AAK-Abgeordnete Time Kadrijaj mehrere Eier auf den in der ersten Reihe sitzenden Kurti und rief lautstark: „Schäm dich!“ Die Live-Übertragung wurde sofort unterbrochen, Sicherheitskräfte eilten herbei, um den Premier abzuschirmen.
„Wenn das Werfen von Eiern der Preis für den Dialog ist, bin ich gerne bereit, ihn zu zahlen.“
Albin Kurti, Ministerpräsident des Kosovo (geschäftsführend)
Gegenüber dem kosovarischen Portal Koha.net ergänzte Kurti: „Ich beschwere mich nicht darüber, dass sie Eier werfen, ich beschwere mich darüber, dass sie keinen Dialog führen.“ Zudem forderte er, das künftige Staatsoberhaupt müsse überparteilich sein.
Auslöser: Kurti vertagt Regierungsbildung erneut
Unmittelbarer Auslöser war Kurtis Ankündigung, er brauche mehr Zeit für die Regierungsbildung und wolle die konstituierende Parlamentssitzung erneut vertagen. „Wir haben noch keine politische Einigung erzielt. Um Neuwahlen zu vermeiden, habe ich daher um zusätzliche Zeit gebeten, um den Namen des Parlamentspräsidenten vorzuschlagen“, erklärte er laut Focus.
Die Opposition reagierte mit harscher Kritik. Jehona Lushaku-Sadriu von der LDK nannte Kurtis Verzögerung „eine Katastrophe und Verantwortungslosigkeit“. Arian Tahiri von der PDK beklagte, der Premier missbrauche die Institutionen bereits 18 Monate lang.
AAK-Parteichef Ardian Gjini solidarisierte sich mit seiner Abgeordneten und schrieb in sozialen Netzwerken: „Timja hat sich für das Land nie verweigert.“
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18 Monate politische Blockade
Das Kosovo steckt seit der Parlamentswahl vom 7. Juni 2026 in einer Sackgasse. Kurtis linksnationalistische Vetëvendosje-Partei wurde mit 53 von 120 Sitzen stärkste Kraft, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Für die Wahl eines Parlamentspräsidenten sind 61 Stimmen nötig – ein Patt, das die Regierungsbildung lähmt.
Das Verfassungsgericht hatte am 8. Juli eine Frist von 30 Tagen für die Wahl des Parlamentspräsidenten gesetzt, die inzwischen verstrichen ist. Parallel läuft eine 60-Tage-Frist für die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts – das Amt wird seit April nur kommissarisch geführt. Gelingt Kurti keine Einigung, drohen Neuwahlen.
Chronologie der Krise
Februar 2025
Vetëvendosje verliert absolute Mehrheit
Bei der regulären Parlamentswahl büßt Kurtis Regierungspartei ihre absolute Mehrheit ein.
April 2026
Präsidentenamt vakant
Das Staatsoberhaupt wird nur noch kommissarisch geführt, weil keine Einigung auf einen Nachfolger erzielt wird.
7. Juni 2026
Dritte Wahl in 16 Monaten
Vetëvendosje wird mit 53 Sitzen stärkste Kraft, verfehlt aber erneut die Mehrheit.
8. Juli 2026
30-Tage-Frist für Parlamentspräsidenten
Das Verfassungsgericht setzt eine Frist zur Wahl des Parlamentspräsidenten.
8. August 2026
Eier-Attacke im Parlament
Kurti beantragt erneut Zeit für die Regierungsbildung, woraufhin Kadrijaj Eier wirft.
Weltweites Echo
Die Bilder der eierwerfenden Abgeordneten gingen um die Welt. BBC, Sky News und zahlreiche internationale Medien berichteten über den Eklat und die tiefe Krise des jungen Balkanstaates, der 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.