WDR-Rundfunkrat beschwert sich über Restles Ceuta-Post
Nach einem X-Post von ARD-Journalist Georg Restle zu einer angeblichen US-israelisch-marokkanischen Verschwörung hinter dem Ceuta-Ansturm reißt die Kritik nicht ab. Der WDR-Rundfunkrat hat eine offizielle Beschwerde eingereicht.
Ein Post des ARD-Journalisten Georg Restle auf der Plattform X zu den Migrantenströmen nach Ceuta hat eine Welle der Kritik und Antisemitismus-Vorwürfe ausgelöst. Der Leiter des ARD-Studios Nairobi zitierte am 5. August einen Artikel des US-Politikwissenschaftlers Stephen Zunes, der ein „US-israelisch-marokkanisches Bündnis“ als Drahtzieher der Krise sieht. Restle teilte das Zitat ohne Kommentar oder Einordnung. Wie die Bild berichtet, löste der Post umgehend scharfe Reaktionen aus.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler schrieb auf X, der Post sei „Antisemitismus & Antiamerikanismus vom Feinsten“. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, fragte: „Haben Sie recherchiert und einen Beweis für diese wilde Behauptung vorzuweisen?“ Auch die FDP-Politikerin Karoline Preisler und der CDU-Politiker Jan Jacobi kritisierten Restle laut Welt scharf.
X · @georgrestle
„Antisemitismus & Antiamerikanismus vom Feinsten. Dass sich ein Journalist des ÖRR nicht schämt, Verschwörungstheorien zu verbreiten, ist dabei der Gipfel.“
Serap Güler, CDU-Bundestagsabgeordnete
Rundfunkrat reicht offizielle Beschwerde ein
„Haben Sie recherchiert und einen Beweis für diese wilde Behauptung vorzuweisen? Oder sind Fakten mittlerweile obsolet?“
Volker Beck, Präsident Deutsch-Israelische Gesellschaft
Besonders schwerwiegend ist eine offizielle Beschwerde aus dem eigenen Aufsichtsgremium. Felix Schotland, Mitglied des WDR-Rundfunkrats und zugleich Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, wandte sich in einem Brief an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk. Die Jüdische Allgemeine veröffentlichte das Schreiben im Wortlaut.
„Gerade ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks trägt eine besondere Verantwortung. Von ihm erwarte ich eine faktenbasierte, sorgfältige und ausgewogene Kommunikation. Aussagen dieser Tragweite sind geeignet, das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig zu beschädigen.“
Felix Schotland, WDR-Rundfunkratsmitglied
Schotland fragte unter anderem, ob eine solche Äußerung den journalistischen Standards des WDR entspreche und ob die Programmdirektion diese Art der Kommunikation für geeignet halte, das Vertrauen der Beitragszahler zu stärken.
Restle rudert zurück – WDR stellt sich hinter ihn
Am Wochenende lenkte Restle ein. Zunächst wies er den Antisemitismus-Vorwurf als „grotesk“ zurück, räumte dann aber ein: „Es war ein Fehler, dieses Zitat so kommentarlos wiederzugeben, weil mir hätte klar sein müssen, dass mir dieses Zitat zugeschrieben wird.“ Wie die Welt meldet, fehlte jedoch eine ausdrückliche Distanzierung von der inhaltlichen These.
„Es ist nicht meine Äußerung. Ich mache mir dieses Zitat weder zu eigen noch hätte ich es selbst so formuliert. Daher war es ein Fehler, dieses Zitat so kommentarlos wiederzugeben, weil mir hätte klar sein müssen, dass mir dieses Zitat zugeschrieben wird.“
Georg Restle, ARD-Studioleiter Nairobi
Der WDR erklärte, Restle habe das Teilen des Zitats als Fehler bezeichnet – „Diese Ansicht teilt der WDR.“ Zugleich betonte der Sender, dass an der Integrität Restles keinerlei Zweifel bestünden. Man werde die Mitarbeiter jedoch erneut für journalistische Sorgfalt auf privaten Social-Media-Accounts sensibilisieren.
Die Chronologie der Eskalation
Die Chronologie
5. August 2026
Restles X-Post
Georg Restle zitiert einen Artikel aus „The Nation“, der ein US-israelisch-marokkanisches Komplott hinter dem Ansturm auf Ceuta behauptet – ohne Kommentar.
7. August 2026
Beschwerde aus dem Rundfunkrat
Felix Schotland reicht eine offizielle Beschwerde bei der WDR-Programmdirektorin ein. Politiker von CDU und FDP erheben Antisemitismus-Vorwürfe.
8. August 2026
Restle räumt Fehler ein
Der Journalist erklärt den Post für einen Fehler, weist den Antisemitismus-Vorwurf aber zurück. Der WDR sichert Sensibilisierung der Mitarbeiter zu.
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Unabhängig vom Fall Restle ist die Debatte über US-amerikanische Einflussnahme in Europa nicht neu. Wie jux.news im Juli berichtete, hatte die US-Regierung ein Programm zur Förderung konservativer Gruppen in Europa aufgelegt.