Russland hat in der Nacht zum 5. August 2026 die Logistikinfrastruktur der ukrainischen Hauptstadt gezielt zerstört. 17 Zivilisten starben, 44 wurden verletzt – die ukrainische Luftabwehr konnte keine einzige der eingesetzten ballistischen Raketen abfangen. Grund ist der akute Mangel an Patriot-Abfangraketen, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte.
Der Angriff war einer der schwersten auf Kiew seit Kriegsbeginn und zielte systematisch auf das Herz der privaten Versorgungsketten: Verteilzentren von Onlinehändlern, Supermärkten und internationalen Firmen. Selenskyj schrieb auf X: „Ballistic missile interceptors could have saved the lives of those killed today.“
„Abfangsysteme gegen ballistische Raketen hätten das Leben der Menschen retten können, die heute gestorben sind. Es ist sehr wichtig, dass unsere Partner verstehen: Verzögerungen bei der Lieferung oder die Weigerung, solche Systeme bereitzustellen, führen zu diesen schrecklichen Opfern und Zerstörungen.“
Der Angriff: 28 Raketen, 115 Drohnen – Luftabwehr durchbrochen
Nach ukrainischen Angaben setzte Russland 24 ballistische Raketen (vom Typ Iskander und S-400), vier Zircon- bzw. Oniks-Marschflugkörper sowie 115 Kampf- und Täuschdrohnen ein. Die ukrainische Luftwaffe bestätigte, dass sie keine der ballistischen Geschosse abfangen konnte, wie CNN berichtet.
Die Opferbilanz: Mindestens 17 Tote und 44 Verletzte allein in Kiew und Umgebung. Der Juli 2026 war mit über 370 getöteten Zivilisten bereits der tödlichste Monat seit April 2022. Nun hat der Krieg eine neue Eskalationsstufe erreicht, die vor allem auf die zivile Versorgung abzielt.
Getroffen: Logistikzentren von Rozetka bis LIQUI MOLY
Das größte automatisierte Lager des Onlinehändlers Rozetka in Browary wurde durch drei ballistische Raketen vollständig zerstört. Mehr als 100.000 Bestellungen pro Tag wurden von hier aus verschickt. Miteigentümerin Iryna Chechotkina schrieb auf Facebook: „Letzte Nacht habe ich zugesehen, wie mein Lebenswerk in Flammen aufging.“
„Letzte Nacht habe ich zugesehen, wie mein Lebenswerk in Flammen aufging.“
Auch das Sortierzentrum von Nova Poshta, dem größten privaten Postdienstleister des Landes, wurde getroffen – drei Menschen starben. Sechs weitere Tote gab es in Verteilzentren der Supermarktketten der Fozzy Group. Die Berliner Zeitung berichtet von gezielten Angriffen auf die Lebensmittelversorgung.
Deutsche Unternehmen traf es besonders hart: Das zentrale Ukraine-Lager von LIQUI MOLY brannte vollständig nieder. Ein Sprecher des Ulmer Schmierstoffherstellers erklärte: „Menschenleben sind unbezahlbar. Der Feind hat Tonnen von Produkten zerstört, aber er kann unser Team, unseren Ruf oder unseren Glauben an die Ukraine nicht zerstören. Wir halten keine Minute an.“ Ebenfalls zerstört wurden der Logistikkomplex von PUMA und ein Ersatzteillager von Toyota.
Das strategische Ziel: Kiew soll im Winter kollabieren
Anders als von russischer Propaganda dargestellt, ist der Angriff keine Vergeltung für ukrainische Drohnenangriffe auf Wildberries-Lager, wie n-tv analysiert. Moskaus Kalkül ist langfristiger: Nach der Energieinfrastruktur soll nun die Lebensmittelversorgung der Hauptstadt mit drei Millionen Einwohnern systematisch lahmgelegt werden. Ziel ist, Kiew im sechsten Kriegswinter unbewohnbar zu machen.
Serhij Beskrestnow, Berater des Präsidenten, schrieb auf Facebook: „Der Zermürbungskrieg ist in seine nächste Phase eingetreten. Der Feind greift alles an, was ihm in den Weg kommt: Einzelhandelslager, Lebensmittellager, Logistikdrehkreuze, Unternehmen und Baustofflager.“ In den letzten vier Wochen wurden allein in der Region Kiew über 400.000 Quadratmeter Lagerfläche zerstört – die Hälfte der Vorkriegskapazität.
Eskalation der Logistikangriffe
- Juni 2026ATB-Verteilzentrum bei Dnipro zerstört
Russlands Angriff vernichtet ein Zentrum, das rund 300 Supermarktfilialen beliefert.
- 18. Juli 2026Ukrainische Drohnen treffen Wildberries
Kiew beginnt systematische Angriffe auf Lager des russischen Onlinehändlers – bis August über 20 Attacken.
- August 2026400.000 m² Lagerfläche in vier Wochen zerstört
In nur vier Wochen geht die Hälfte der Vorkriegs-Lagerkapazität in Kiew verloren.
- 5. August 2026Massive Raketenwelle trifft Kiew
Zahlreiche Logistikzentren internationaler und ukrainischer Firmen werden zerstört, 17 Zivilisten sterben.
Der Patriot-Mangel: Trumps Rückzieher und die Folgen
Die verheerende Wirkung des Angriffs hat eine direkte Ursache: den dramatischen Mangel an Patriot-Abfangraketen. Selenskyj erklärte am 8. August in Belgrad, die USA hätten zwar monatliche Lieferungen zugesagt, doch die Mengen für 2026 seien dreimal geringer als 2025. „Werden sie uns jeden Monat Raketen liefern? Ja, wir haben Vereinbarungen. Reichen diese Raketen? Nein“, sagte der Präsident.
US-Präsident Donald Trump machte zudem einen Rückzieher von seiner Zusage, der Ukraine eine Lizenz zur eigenen Produktion von Patriot-Abfangraketen zu erteilen. Bei einem Kabinettstreffen sagte Trump: „So eine Technologie wegzugeben, ist eine schwierige Sache. Leute, denen man diese Technologie gibt, können sich eines Tages gegen einen wenden.“ US-NATO-Botschafter Matthew Whitaker bestätigte, dass Washington niemandem außer US-Herstellern die Produktion erlaube.
Für die ukrainische Hauptstadt wird die Lage bedrohlich. Sollte Russland die ballistischen Angriffe fortsetzen – wovon in Kiew ausgegangen wird –, drohen stark steigende Preise und eine dramatische Verknappung von Lebensmitteln. „Verzögerungen bei Luftabwehrsystemen bedeuten jeden Tag neue Opfer“, warnte Selenskyj. Der nächste Winter könnte der härteste für die Zivilbevölkerung werden.
