Bilger verknüpft Bahn-Manager-Boni mit Zielvorgaben
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Pünktlichkeit

Bilger verknüpft Bahn-Manager-Boni mit Zielvorgaben

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will die Bonuszahlungen für Bahn-Manager strikt an die Einhaltung von Pünktlichkeitszielen koppeln. Parteikollegen und Opposition unterstützen den Vorstoß – fordern aber zugleich mehr Investitionen in die Schiene.

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Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn ist im freien Fall – und jetzt will der Bund bei den Manager-Boni den Geldhahn zudrehen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ angekündigt, die variablen Vergütungen der Bahn-Führungskräfte künftig strikt an die Erreichung der vom Bund vorgegebenen Ziele zu koppeln – vor allem an die Pünktlichkeit im Fernverkehr.

„Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahnmanagern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden“, sagte Bilger. Er nannte die aktuellen Werte „völlig unzureichend“ und betonte: „Ich finde, da haben die Bahnkunden und Steuerzahler einen Anspruch darauf, dass wirklich der Erfolg gemessen wird.“

Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahnmanagern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden.
Steffen Bilger, Bundesverkehrsminister (CDU)

Nur jeder zweite Fernzug pünktlich

Die Bahn steckt in einer tiefen Pünktlichkeitskrise. Im ersten Halbjahr 2026 kamen nur 58,7 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich an. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er maximal fünf Minuten Verspätung hat – Zugausfälle werden in dieser Statistik nicht einmal berücksichtigt. Im besonders heißen Juli 2026 verschlechterte sich der Wert weiter auf nur 52,6 Prozent.

Bahnchefin Evelyn Palla hatte für das Gesamtjahr ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent ausgegeben, kritisierte aber zugleich eine „organisierte Verantwortungslosigkeit“ im Management. Vereinbart mit der Bahn ist als Fernziel eine Quote von 70 Prozent bis 2029. Bilger dämpfte jedoch Erwartungen auf vollständige Pünktlichkeit: „100 Prozent wird es absehbar nicht geben“, sagte er der „Bild“.

Fernverkehrs-Pünktlichkeit der Deutschen Bahn

Versprochen vs. erreicht

Quelle: Deutsche Bahn, Stand August 2026

Bisherige Bonus-Hürden: lächerlich niedrig

Recherchen von ZDF frontal hatten offengelegt, wie bescheiden die bisherigen Schwellen sind. Laut einem Dokument zur „Erfolgsbeteiligung 2025“ fließen erste Bonuszahlungen an Vorstandsmitglieder bereits ab 65 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr. Bei 67,5 Prozent gilt das Ziel als zu 100 Prozent erfüllt, ab 70 Prozent werden sogar 150 Prozent der vereinbarten Boni ausgezahlt.

Da die Fernverkehrs-Pünktlichkeit 2025 jedoch nur bei rund 60 Prozent lag, wurde dieses Ziel verfehlt und es floss dafür kein Geld. Trotzdem erhielten die Bahn-Vorstände insgesamt knapp drei Millionen Euro an Bonuszahlungen, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht – allein Ex-Konzernchef Richard Lutz bekam 570.000 Euro. Ausschüttungen gab es nur im Schienengüterbereich, wo das Ziel mit 67,7 Prozent erreicht wurde.

Die Bonus-Debatte bei der Bahn

  1. 2022
    Millionen-Boni trotz Pünktlichkeitsdesaster

    Die Bahn zahlt einen dreistelligen Millionenbetrag an Boni, obwohl Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit historisch schlecht sind – beide Kriterien werden bei der Bonus-Berechnung mit null gewichtet.

  2. 2025
    60 Prozent Pünktlichkeit – Vorstände kassieren 3 Millionen

    Die Fernverkehrs-Pünktlichkeit liegt bei rund 60 Prozent, dennoch erhalten die Vorstände insgesamt knapp 3 Mio. Euro Boni. Ex-Chef Lutz bekommt 570.000 Euro.

  3. Februar 2026
    Dokument zeigt lächerliche Bonus-Schwellen

    ZDF frontal deckt auf: Erste Boni gibt es schon ab 65 Prozent Pünktlichkeit, bei 67,5 Prozent gilt das Ziel als voll erfüllt, ab 70 Prozent sogar 150 Prozent der Boni.

  4. 09. August 2026
    Bilger kündigt Kopplung der Boni an Ziele an

    Im Interview mit der „Bild am Sonntag“ droht der neue Bundesverkehrsminister den Bahn-Managern mit Bonus-Kürzungen bei verfehlten Pünktlichkeitszielen.

Breite Zustimmung – mit Bedingungen

Bilgers Vorstoß stieß parteiübergreifend auf Zuspruch. Die SPD-Verkehrsexpertin Isabell Cademartori sagte dem „Tagesspiegel“: „Ich begrüße es ausdrücklich, dass Verkehrsminister Bilger die Bonuszahlungen der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit koppeln will. Die Menschen erwarten, dass die Bahn zuverlässiger wird.“

Ich begrüße es ausdrücklich, dass Verkehrsminister Bilger die Bonuszahlungen der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit koppeln will. Die Menschen erwarten, dass die Bahn zuverlässiger wird. Als Politik stellen wir Rekordinvestitionen für die Infrastruktur zur Verfügung und erwarten, dass sich das auch in der Pünktlichkeit zeigt.
Isabell Cademartori, SPD-Obfrau im Verkehrsausschuss

Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden begrüßte die Pläne grundsätzlich, forderte aber zugleich deutlich mehr Geld für die Schieneninfrastruktur. „Klar erwarten Menschen, dass Bonuszahlungen an Zielerreichungen wie ein verlässlicher Personenverkehr geknüpft sind – allerdings liegt die Ursache für Verspätungen und Zugausfälle vor allem darin, dass seit Jahrzehnten vom Bund viel zu wenig Geld in die Schieneninfrastruktur investiert wurde“, sagte sie den Funke-Zeitungen.

Thüringens Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) kritisierte die bisherigen Bonus-Maßstäbe scharf: „Bei der DB gelten da andere Maßstäbe. Es ist für die Kunden und erst recht für die Beschäftigten der Bahn nicht nachvollziehbar, dass der DB-Konzernvorstand Ziele viel zu niedrig setzt und dann auch noch deren Unterbietung belohnt.“ Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, forderte den Bund auf, seinen eigenen Pflichten nachzukommen: „Grundsätzlich ist es richtig, wenn der Eigentümer eindeutige Vorgaben macht und diese auch kontrolliert. Daran hat es in der Vergangenheit gefehlt.“

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Neue Finanzierungsvereinbarung als Hebel

Der Bund bereitet derzeit eine neue Finanzierungsvereinbarung (LuFV) mit dem Staatskonzern vor, in der geregelt wird, wie viele Milliarden Euro für die Schieneninfrastruktur fließen. Diese Gelder sollen künftig an konkrete Vorgaben geknüpft werden. Bilger kündigte an, der Bund werde der Bahn „klare Ziele vorgeben“ und deren Einhaltung kontrollieren.

Insgesamt stehen in dieser Legislaturperiode 170 Milliarden Euro für die Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung – so viel wie noch nie. Zudem sei das Infrastruktur-Zukunftsgesetz beschlossen worden, das Planungen deutlich beschleunigen soll. Wie hoch die angestrebten Pünktlichkeitswerte künftig sein müssen und welche konkreten Sanktionen drohen, ließ Bilger zunächst offen. Die Deutsche Bahn selbst äußerte sich auf Anfrage nicht.