Mit scharfen Worten hat der scheidende Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Martin Hikel (SPD), seiner eigenen Partei vorgeworfen, den Islamismus durch Identitätspolitik zu fördern statt zu bekämpfen. In einem Interview mit Focus Online vom 6. August 2026 erklärte der Sozialdemokrat, der Neukölln seit 2018 regiert und 2024/25 auch Landesvorsitzender der Berliner SPD war, der innerparteiliche Widerstand gegen seine Islamismus-Kritik habe seinen Rückzug unausweichlich gemacht.
„In der SPD herrscht der identitätspolitische Ansatz vor und der bedeutet, den Islamismus einzubinden, anstatt den politischen Islam zu bekämpfen.“
Das Ergebnis sei eine fortschreitende gesellschaftliche Unterwanderung: „So schreitet diese Unterwanderung im Sinne des orthodoxen Islam gesellschaftlich fort.“ Dies schade den demokratischen Parteien links der Mitte – SPD und Grünen. „Bei den Linken ist man in der Frage ohnehin hoffnungslos verloren“, so Hikel weiter.
Zentraler Konfliktpunkt ist für Hikel der in linken Diskursen etablierte Begriff des „antimuslimischen Rassismus“. Hikel weigert sich, diesen Begriff zu verwenden, und sieht darin eine gezielte Strategie: Er werde bewusst genutzt, um Kritik am politischen Islam als rassistisch zu diffamieren.
„Von diesem Begriff geht die Gefahr einer Diskursverschiebung aus. Denn er wird dazu genutzt, die Kritik am politischen Islam, am Islamismus als rassistisch zu diffamieren. Das wird von entsprechenden Akteuren bewusst so gemacht.“
Konkret schildert Hikel die Auswirkungen vor Ort: „Religiöses Mobbing ist an Schulen Realität.“ Nach von ihm zitierten Befragungen geben 20 Prozent der Schüler an, aus religiösen Gründen Druck ausgesetzt zu sein. Ein Drittel der Neuntklässler vertrete die Auffassung, dass religiöse Regeln Vorrang vor Schulregeln haben sollten.
„Religiöses Mobbing ist an Schulen Realität. 20 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie aus religiösen Gründen Druck ausgesetzt sind.“
Der Konformitätsdruck steige besonders auf Muslime, die nicht orthodox leben wollen. „Und das finde ich fatal in Berlin“, sagte Hikel. Sein Credo: „Wir müssen vielfältiges, muslimisches Leben in der Stadt schützen. Und das geht nur, wenn ich auch die Probleme benenne.“
Rücktritt wegen innerparteilichen Widerstands
Bereits im November 2025 hatte Hikel angekündigt, nicht erneut als Bezirksbürgermeister zu kandidieren. Zuvor war er von einer Parteiversammlung zwar nominiert worden, erhielt aber nur 68,5 Prozent der Stimmen. Im Focus-Interview erklärte er nun: „Das war tatsächlich unausweichlich, weil es für das, was ich vertrete, viel Widerstand innerhalb meiner Partei gibt.“
„Das war tatsächlich unausweichlich, weil es für das, was ich vertrete, viel Widerstand innerhalb meiner Partei gibt.“
Bei seiner Nominierung habe es „viele Redebeiträge“ gegeben, die sich „teils aggressiv“ gegen ihn richteten. „So kann ich den Bürgern kein politisches Angebot machen“, so Hikel. Auf die Frage, ob der mächtige Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh sich jemals in der Islamismusdebatte hinter ihn gestellt habe, antwortete Hikel knapp: „Nee. In der Frage nicht.“
Die Debatte innerhalb der SPD sei von „viel Angst getrieben“. Hikels Weggang markiert das Ende einer jahrelangen Auseinandersetzung mit dem linken Parteiflügel. Wie jux.news bereits berichtete, fördert Berlin zeitgleich ein Islamisten-nahes Seelsorge-Telefon mit 675.000 Euro – ein Beispiel für die von Hikel kritisierte Politik.
Religiöser Druck an Neuköllner Schulen
Befragungsergebnisse nach Angaben von Martin Hikel
Foto mit radikalem Palästinenser-Aktivisten
Die Eskalation in der Neuköllner SPD
- 2018Hikel wird Bezirksbürgermeister
Martin Hikel übernimmt das Amt in Neukölln und beginnt, Missstände wie Islamismus und Clankriminalität offen zu benennen.
- 2024 – 2025Landesvorsitzender der Berliner SPD
Hikel amtiert als Landesvorsitzender, gerät aber zunehmend unter Druck des linken Flügels.
- November 2025Nur 68,5 % bei Nominierung – Rücktritt angekündigt
Hikel erhält bei der erneuten Kandidaten-Nominierung weniger Rückhalt als zuvor und verzichtet auf eine weitere Amtszeit.
- 6. August 2026Focus-Interview mit schweren Vorwürfen
Hikel rechnet öffentlich mit der SPD ab, wirft ihr vor, den Islamismus einzubinden und gesellschaftliche Unterwanderung zu befördern.
Das Interview thematisierte auch ein kompromittierendes Foto, das Hikel neben Raed Saleh und dem radikalen palästinensischen Aktivisten Abed Khattar zeigt. Khattar posierte nach Focus-Recherchen vor Logos der verbotenen Hamas-Unterstützerorganisation Samidoun und der Terrororganisation PFLP. Hikel erklärte, das Foto sei 2021 ohne sein Wissen bei einem Wahlkampfbesuch entstanden.
„Hätte ich genau das gewusst, hätte ich das natürlich nicht gemacht“, sagte Hikel. Über Khattar urteilte er: „Wer sich so posiert, zeigt seine Unterstützung für solche radikalen Organisationen. Das ist eine Inszenierung, die grundsätzliche Sympathien für verfassungsfeindliche Gruppierungen zeigt.“
