Landwirt gesteht Mord an Frau und versuchten Mord an Söhnen
Vor dem Landgericht Lüneburg hat ein 56-jähriger Spargelbauer ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er tötete seine Ehefrau und verletzte seine beiden Söhne lebensgefährlich – als Motiv nannte er eine psychische Ausnahmesituation.
Vor dem Landgericht Lüneburg hat am Montag ein 56-jähriger Spargelbauer ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Mann tötete am 25. Februar seine Ehefrau und verletzte seine beiden jugendlichen Söhne lebensgefährlich – „es tut mir unfassbar leid“, sagte er mit brüchiger Stimme.
Der Angeklagte schlug seiner sitzenden Frau von hinten mit einer Eisenstange auf den Kopf und stieß ihr anschließend ein Messer in die Brust. Die 52-Jährige verblutete innerlich, wie die Obduktion ergab.
„Was passiert ist, ist eine Katastrophe, es tut mir unfassbar leid.“
Der Angeklagte vor Gericht
Die Tatnacht: Eisenstange und Messer
Unmittelbar nach der Tötung der Mutter attackierte der Vater den 15-jährigen Sohn mit derselben Eisenstange. Der damals 17-jährige ältere Bruder eilte hinzu und entriss dem Vater die Stange – selbst schwerst am Kopf verletzt.
Ein Nachbar wurde auf den Lärm aufmerksam und fixierte den Vater, bis die Polizei eintraf. Der 56-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen. Der Fall erinnert an andere Gewalttaten in Familien: Erst im Juli tötete ein Ehemann in Kelkheim seine Frau mit einer Machete. Wie der NDR berichtet, gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann ursprünglich auch sich selbst das Leben nehmen wollte.
Die Chronologie der Ereignisse
25. Februar 2026
Tatnacht in Wichtenbeck
Der Landwirt tötet seine Frau und verletzt die Söhne. Ein Nachbar greift ein, die Polizei nimmt den Vater fest.
26. Februar 2026
Haftbefehl wegen Totschlags
Zunächst wird gegen den Ehemann Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.
2. März 2026
Obduktion: Tod durch Messerstich
Die Obduktion ergibt, dass die Frau innerlich verblutete. Der Zustand des schwer verletzten Sohnes stabilisiert sich.
10. August 2026
Prozessauftakt mit Geständnis
Vor dem Landgericht Lüneburg gesteht der Angeklagte die Taten. Die Anklage lautet auf Mord und versuchten Mord in zwei Fällen.
Geständnis und Motiv
Zum Prozessauftakt legte der 56-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Als Auslöser nannte er eine Nachricht von der Spargelvereinigung, die ihn am Tattag „aus der Bahn geworfen“ habe. Ihm sei als einziger Ausweg der Suizid erschienen.
„Ich wollte sie mit in den Tod nehmen.“
Der Angeklagte über sein Motiv
Die Staatsanwaltschaft geht von einer schweren depressiven Störung des Mannes aus, die seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt habe. Drei Sachverständige sollen nun klären, ob die Schuldfähigkeit eingeschränkt war, wie die dpa meldet.
Die Söhne als Nebenkläger
Die beiden Söhne, heute 16 und 18 Jahre alt, treten im Verfahren als Nebenkläger auf. Beide erlitten schwerste körperliche Verletzungen und leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie wollen weder aussagen noch im Gerichtssaal erscheinen – ein ärztliches Attest der Psychiatrischen Klinik Lüneburg bestätigt die emotionale Überforderung.
Nach dem Tod der Mutter ist eine Schwester der Getöteten aus Hamburg zu den Jugendlichen gezogen und fungiert nun als rechtliche Betreuerin. Der Angeklagte betonte, weiterhin Kontakt zu den Schwiegereltern und den Geschwistern seiner Frau zu haben. Dass diese die Tat als „tragischen Unglücksfall“ auffassten, stabilisiere ihn.
Prozess und Ausblick
Die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Michael Herrmann hat zwei weitere Verhandlungstage angesetzt: Mittwoch, den 12. August, und Montag, den 17. August, jeweils um 9:30 Uhr. Ein Urteil könnte noch im August ergehen.
Der Angeklagte sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Die Verteidigung übernehmen die Rechtsanwälte Rüdiger Proest und Christoph Grabitz.