Nur 13 Härtefall-Visa – SPD kritisiert eigene Regelung als wirkungslos
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Familiennachzug

Nur 13 Härtefall-Visa – SPD kritisiert eigene Regelung als wirkungslos

Nach einem Jahr hat die Härtefallregelung für den Familiennachzug von subsidiär Schutzberechtigten kaum Visa erteilt. Die SPD spricht von einem Fehlschlag und droht mit einem Ende der Aussetzung.

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Die Bilanz ist verheerend: Nur 13 Härtefall-Visa hat das Auswärtige Amt in einem Jahr erteilt, während Tausende Familien auf die Zusammenführung warten. Jetzt geht die SPD auf Distanz zur eigenen Regelung — und stellt die gesamte Aussetzung des Familiennachzugs infrage.

Seit dem 24. Juli 2025 ist der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte ausgesetzt. Nur in besonders dringenden Härtefällen sollen Angehörige noch nach Deutschland kommen dürfen. Doch wie die SPD-Bundestagsfraktion nun kritisiert, ist diese Härtefallregelung faktisch wirkungslos.

Laut Zahlen des Sozialverbands Caritas, über die WELT, Tagesschau und andere Medien berichten, wurden bis Mitte Mai 4.727 Härtefallanträge gestellt. Davon geprüft wurden lediglich 1.022 — und ganze 7 Visa erteilt. Das Auswärtige Amt bezifferte die Zahl Ende Juli auf 13. Die Bewilligungsquote liegt damit im einstelligen Prozentbereich.

Die Zahlen zeigen: Die Härtefälle-Regelung funktioniert nicht.
Rasha Nasr, Migrationspolitische Sprecherin der SPD

Die migrationspolitische Sprecherin sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), die geringe Zahl der Bewilligungen liege nicht an unbegründeten Anträgen, sondern an den „restriktiven Regelungen“ selbst. Besonders die festgelegten Trennungszeiten seien nicht hinnehmbar.

4.727 Anträge, aber nur 13 Visa

Härtefallanträge und bewilligte Visa seit Juli 2025

Quelle: Caritas, Auswärtiges Amt, Stand August 2026

„Nicht familienfreundlich, sondern unzumutbar“

Die zulässigen Trennungszeiten für Kinder und Eltern sind nicht familienfreundlich, sondern unzumutbar. Wenn ein Kleinkind fünf Jahre von seinen Eltern getrennt sein darf, ein größeres Kind zehn Jahre, dann bleiben nicht viele Härtefälle übrig.
Rasha Nasr, Migrationspolitische Sprecherin der SPD

Nasr forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, zu erklären, was die Einschränkung gebracht habe. „Klar ist: Die Regelung kann nicht über zwei Jahre hinaus verlängert werden. Schon jetzt muss damit begonnen werden, die liegen gebliebenen Anträge so vorzubereiten, dass nach Auslaufen der Regelung im Sommer 2027 keine weiteren Wartezeiten entstehen“, zitierte das Handelsblatt aus dem RND-Interview.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025, vor der Aussetzung, wurden laut Mediendienst Integration noch 5.800 Visa für diese Personengruppe erteilt. Die frühere Kontingentlösung erlaubte bis zu 1.000 Visa pro Monat. Wie eine frühere jux.news-Analyse zeigt, blieben die vollmundigen Wahlversprechen von Merz und Söder zu einem kompletten Nachzugstopp ohnehin unerfüllt.

Verfassungsrechtliche Zweifel

Der Kinderbeauftragte der SPD-Fraktion, Truels Reichardt, ging noch weiter und stellte die Verfassungsmäßigkeit der gesamten Einschränkung infrage.

Es ist fraglich, ob die Regelung verfassungsrechtlich haltbar ist, wenn die Härtefallregelung nicht wirkt. Denn der besondere Schutz der Familie steht im Grundgesetz.
Truels Reichardt, Kinderbeauftragter der SPD-Fraktion

Zugleich wies Reichardt die oft vorgebrachte Behauptung zurück, beim Familiennachzug gehe es um „ganze Clans“. Es gehe „lediglich darum, die Kernfamilie zusammenzuführen, also Eltern und ihre minderjährigen Kinder. Dass hier Missbrauch getrieben wurde, ist eine nicht belegbare Behauptung“, sagte er dem RND.

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Hintergrund und Ausblick

Subsidiär schutzberechtigt sind Menschen, die keinen Asylanspruch haben, aber wegen Krieg oder anderer Gefahren vorübergehend bleiben dürfen. Fast 400.000 Betroffene leben derzeit in Deutschland, etwa die Hälfte stammt aus Syrien. Die Aussetzung des Nachzugs war auf Druck der Union in den Koalitionsvertrag 2025 aufgenommen und im Juni 2025 mit den Stimmen von Union, SPD und AfD beschlossen worden.

Eine wechselvolle Geschichte

  1. März 2016
    Erste Aussetzung

    Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wird erstmals ausgesetzt (bis Juli 2018).

  2. Juni 2025
    Bundestag beschließt erneute Aussetzung

    Mit Stimmen von Union, SPD und AfD wird der Nachzug ab Juli 2025 für zwei Jahre gestoppt, Härtefallregelung vorgesehen.

  3. 24. Juli 2025
    Zweite Aussetzung tritt in Kraft

    Nur noch Härtefälle zugelassen; regulärer Nachzug eingestellt.

  4. Mai 2026
    Ernüchternde Zahlen

    4.727 Härtefallanträge gestellt, nur 1.022 geprüft, 7 Visa erteilt.

  5. Ende Juli 2026
    13 Visa insgesamt

    Auswärtiges Amt meldet 13 bewilligte Härtefälle.

  6. 9./10. August 2026
    SPD-Kritik wird öffentlich

    Rasha Nasr und Truels Reichardt kritisieren die Regelung scharf.

  7. 23. Juli 2027
    Aussetzung läuft aus

    SPD schließt eine Verlängerung aus; Vorbereitung der Nachzugsanträge gefordert.

Die SPD hat nun klargemacht, dass sie eine Verlängerung über den 23. Juli 2027 hinaus nicht mittragen wird. „Schon jetzt muss damit begonnen werden, die liegen gebliebenen Anträge so vorzubereiten, dass nach Auslaufen der Regelung im Sommer 2027 keine weiteren Wartezeiten entstehen“, so Nasr. Innenminister Dobrindt ließ eine Reaktion zunächst offen.