„Bitte verzichten Sie aufs Duschen“ – Wassermangel zwingt zu drastischem Appell
Bild: KI-generiert
Waldbrand Rodenbach

„Bitte verzichten Sie aufs Duschen“ – Wassermangel zwingt zu drastischem Appell

Am Montag brach ein Großbrand im Wald zwischen Ober- und Niederrodenbach aus. Bis zu 55 Hektar standen in Flammen, 700 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Weil die Wasservorräte erschöpft sind, riefen die Behörden die Bevölkerung zum Wassersparen auf – sogar das Duschen soll unterbleiben.

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Flammen auf einer Fläche von 55 Hektar, hunderte Einsatzkräfte und ein dramatischer Appell, der selbst das Duschen verbot: Der Waldbrand bei Rodenbach hat am Montag eine ganze Region in Atem gehalten. Gegen 11.50 Uhr gingen die ersten Notrufe ein – Rauch stieg aus dem Wald nahe der Wochenendhaussiedlung „Wingerte“ auf und war weithin sichtbar.

Die Lage eskalierte rasch. Wie die FAZ berichtet, wurden im Laufe der Löscharbeiten zwei weitere Brandherde rund um Oberrodenbach sowie an der beliebten Barbarossaquelle in der Bulau entdeckt. Am Ende brannte es an drei getrennten Stellen gleichzeitig. Das Einsatzgebiet umfasste nach Angaben des Kreises rund 55 Hektar – etwa 80 Fußballfelder. Es handelt sich damit um einen der größten Waldbrände in der jüngeren Geschichte Hessens.

Der Brand reiht sich ein in eine Serie schwerer Waldbrände in Europa. Erst am 1. August mussten in Südfrankreich 224.000 Menschen vor einer Feuerwalze fliehen.

Bis zu 700 Feuerwehrleute aus Hessen und Bayern waren insgesamt im Einsatz, zeitweise kämpften 500 von ihnen gleichzeitig gegen die Flammen. Unterstützung kam aus der Luft: Polizeihubschrauber mit Bambi Buckets, Löschflugzeuge und Drohnen mit Wärmebildkameras halfen, den Brandherd einzukreisen. Doch kräftiger Wind und die seit Wochen anhaltende Trockenheit erschwerten die Arbeit.

Es ist Dank der großartigen Leistung aller Kräfte gemeinsam gelungen, diese enorme Herausforderung zu meistern und schnell unter Kontrolle zu bringen.
Thorsten Stolz, Landrat Main-Kinzig-Kreis

Die Wasserversorgung musste über mobile Behälter organisiert werden – sechs Tanks mit je 10.000 Litern kamen zum Einsatz. Doch der Bedarf war enorm. Am späten Nachmittag waren die Vorratsbehälter in der Region erschöpft, ein schnelles Auffüllen wegen der Trockenheit unmöglich.

Dramatischer Appell: „Bitte verzichten Sie aufs Duschen“

Gegen Abend richteten die Kreiswerke Main-Kinzig einen ungewöhnlichen Appell an die Bevölkerung von Bruchköbel, Freigericht, Hasselroth, Langenselbold, Rodenbach und Umland: „Bitte verzichten Sie möglichst auf Duschen, Baden, das Bewässern von Gärten sowie andere wasserintensive Tätigkeiten. Jeder Liter zählt. Unsere Wasserreserven werden derzeit für die Brandbekämpfung benötigt“, zitiert die WELT.

Gleichzeitig warnte die Leitstelle über Katwarn vor Rauchgasen: Fenster und Türen sollten geschlossen, Klimaanlagen abgeschaltet werden. Betroffene Gebiete wurden gemieden. Am Dienstagmittag um 12.30 Uhr konnte der Wasser-Appell wieder aufgehoben werden – die Lage hatte sich entspannt.

Chronologie des Großeinsatzes

Chronologie des Waldbrands in Rodenbach

  1. 10. August 2026, 11:50 Uhr
    Erste Notrufe

    Rauchwolken über der Wochenendhaussiedlung „Wingerte“ zwischen Ober- und Niederrodenbach lösen Großeinsatz aus.

  2. 10. August 2026, Nachmittag
    Weitere Brandherde

    Zwei zusätzliche Feuer nahe Oberrodenbach und an der Barbarossaquelle werden entdeckt. Bis zu 500 Feuerwehrleute zeitgleich im Einsatz.

  3. 10. August 2026, 15:33 Uhr
    Katwarn-Warnung

    Bevölkerung wird aufgefordert, Fenster zu schließen und das Gebiet zu meiden.

  4. 10. August 2026, Abend
    Wasserknappheit

    Wasserbehälter erschöpft; Kreiswerke rufen zum Duschverzicht auf.

  5. 11. August 2026, 12:30 Uhr
    Appell aufgehoben

    Wasserlage entspannt sich, Nachlöscharbeiten gehen weiter.

Ermittlungen: War es Brandstiftung?

Die Polizei kann eine vorsätzliche Brandstiftung nicht ausschließen. Ob die drei Brandherde zusammenhängen, ist noch unklar. „Die Brandursache ist derzeit noch unklar. Wir können eine Brandstiftung derzeit nicht ausschließen. Es besteht keine akute Gefahr für die Bevölkerung“, erklärte Pressesprecher Christopher Leidner vom Polizeipräsidium Südosthessen, wie die Osthessen-News melden. Zeugen werden gebeten, sich bei der Hanauer Kriminalpolizei unter der Nummer 06181 100-123 zu melden.

Am Dienstag war noch eine Reiterstaffel der Polizei im Einsatz, um sich ein Bild der Lage zu machen. Die Ermittlungen dauern an.

Nachlöscharbeiten und Dank an die Einsatzkräfte

Auch am Dienstagnachmittag waren noch rund 300 Einsatzkräfte mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Die Arbeiten könnten nach Einschätzung des Landkreises noch Tage in Anspruch nehmen. „Das betroffene Gebiet sollte aber weiterhin nicht betreten werden“, warnte Rodenbachs Bürgermeister Klaus Schejna (SPD). Wegen der Brandschäden bestehe die Gefahr von herabstürzenden Ästen oder umfallenden Bäumen.

Trotz der Gefahr und des enormen Kräfteaufwands gab es keine schweren Verletzungen. Landrat Thorsten Stolz betonte: „Eine weitere gute Nachricht ist die Bilanz, dass es bisher keine schweren Verletzungen oder andere gravierende Zwischenfälle während des Einsatzes gab.“

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