Badenberg: „Wir müssen den Tätern ihre Spielzeuge wegnehmen“
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Schusswaffen

Badenberg: „Wir müssen den Tätern ihre Spielzeuge wegnehmen“

Nach einer Serie von Schusswaffenangriffen in Berlin fordert Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) ein hartes Durchgreifen: Waffen, Tatfahrzeuge und illegales Vermögen sollen konsequenter eingezogen werden. Dazu hat Berlin mehrere Bundesratsinitiativen auf den Weg gebracht.

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Nur Stunden nachdem ein 30-Jähriger am Berliner Bahnhof Zoo erschossen wurde, hat Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) ein härteres Vorgehen gegen die eskalierende Waffengewalt gefordert. Der tödliche Angriff am Montagmorgen war der jüngste in einer beispiellosen Serie von Schießereien in der Hauptstadt.

Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost machte Badenberg deutlich: „Wir müssen den Tätern ihre Spielzeuge wegnehmen“ – gemeint sind Waffen und Tatfahrzeuge. Gleichzeitig will sie der Organisierten Kriminalität „den Geldhahn zudrehen“. Dahinter stecken schwarz-rote Bundesratsinitiativen, die bereits große Mehrheiten fanden.

Wie bei der Organisierten Kriminalität im Allgemeinen gilt auch hier: Wir müssen den Tätern ihre Spielzeuge wegnehmen
Felor Badenberg, Berliner Justizsenatorin (CDU)

Drastischer Anstieg der Schusswaffengewalt

Die Polizeistatistik belegt eine dramatische Entwicklung: 2024 registrierte Berlin 667 Fälle von Schusswaffengebrauch, im Jahr darauf bereits 1.119 – ein Sprung um 68 Prozent. In 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen. Auch 2026 setzt sich der Trend fort: Bis Anfang August zählten die Behörden bereits 62 Straftaten mit scharfen Waffen.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) nannte den Anstieg „ein klares Warnsignal“: „Für illegalen Waffenbesitz und bewaffnete Auseinandersetzungen gilt in Berlin: Null Toleranz.“ Ein Teil des Zuwachses geht auf die seit 2025 verpflichtende genauere Erfassung zurück, die auch Schreckschusswaffen einschließt.

Chronologie der Eskalation

  1. November 2025
    Gründung der BAO „Ferrum“

    Die Berliner Polizei richtet die Besondere Aufbauorganisation gegen Schusswaffenkriminalität ein.

  2. Februar 2026
    Ermittlungsgruppe „Telum“ startet

    Die Staatsanwaltschaft bündelt ihre Kräfte in einer neuen Spezialeinheit.

  3. 16. Juni 2026
    Bundesratsinitiative beschlossen

    Der Senat will illegalen Waffenbesitz zum Verbrechen hochstufen.

  4. 8. August 2026
    Schüsse im Graefekiez

    Ein 22-Jähriger wird vor einem Café in Kreuzberg niedergeschossen und schwer verletzt.

  5. 10. August 2026
    Tödlicher Angriff am Zoo

    Auf dem Hardenbergplatz tötet ein Unbekannter einen 30-Jährigen mit mehreren Schüssen.

Bundesratsinitiative: Illegale Waffen als Verbrechen

Schon Mitte Juni hatte der Senat eine Initiative in den Bundesrat eingebracht, die den unerlaubten Umgang mit halbautomatischen Schusswaffen vom Vergehen zum Verbrechen aufwertet. Statt bisher sechs Monaten bis fünf Jahren droht dann eine Mindeststrafe von einem Jahr, in schweren Fällen bis zu zehn Jahre Haft.

Zugleich soll die Strafprozessordnung verschärft werden: Bei entsprechendem Verdarf sollen Ermittler leichter Telefone überwachen und Verdächtige observieren können. Viele der eingesetzten Pistolen stammen aus illegalen Werkstätten in Tschechien und der Türkei. Der Bundesrat hat mit großer Mehrheit zugestimmt; nun ist das Bundesjustizministerium am Zug.

Fahrzeuge und Vermögen: „Kokstaxis“ und kriminelles Geld

Bereits im März 2026 legte Badenberg eine weitere Initiative vor, die die Einziehung von Mietwagen erleichtern soll, die für Straftaten genutzt werden. Bisher scheitert die Beschlagnahme oft an der hohen Hürde der „Leichtfertigkeit“ beim Vermieter. Künftig soll einfache Fahrlässigkeit ausreichen. Das LKA geht von rund 60 Autovermietungen mit 2.200 Fahrzeugen aus, die für die Szene relevant sind.

Noch tiefer soll der Zugriff beim Geld sein: Eine dritte Bundesratsinitiative fordert die Beweislastumkehr bei der Vermögensabschöpfung. Kann ein Verdächtiger die Herkunft teurer Gegenstände nicht plausibel erklären, wird künftig eine kriminelle Quelle vermutet. Schon jetzt stieg das eingezogene Vermögen von 5 Millionen Euro (2023) auf 22 Millionen Euro (2024).

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„Ferrum“ und „Telum“ – die Bilanz der Sonderermittler

Als Reaktion auf die Welle von Schießereien richteten Polizei und Justiz 2025 die BAO „Ferrum“ und 2026 die Ermittlungsgruppe „Telum“ ein. Deren Zahlen seit November 2025 sind eindrucksvoll:

  • 46 scharfe Schusswaffen und über 700 Schuss Munition sichergestellt
  • 17 Schreckschusspistolen und 75 gefährliche Gegenstände beschlagnahmt
  • Knapp 3.300 Fahrzeuge und fast 900 Lokale kontrolliert
  • 144 Durchsuchungsbeschlüsse und 48 Haftbefehle, 37 vollstreckt
  • 424 Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die im Februar gestartete Gruppe „Telum“ erwirkte zudem rund 50 Haftbefehle – auch gegen Drahtzieher. Die sichergestellten Waffen stammen oft aus Südosteuropa oder der Türkei.

Revierkämpfe und neue Gruppen

Hinter der Gewaltwelle sehen die Ermittler vor allem Revierkämpfe und Schutzgelderpressung. Laut rbb-Recherchen stehen sich etablierte Zweige einschlägiger Großfamilien und junge Erwachsene aus der Kreuzberger Werner-Düttmann-Siedlung gegenüber, die unabhängig von traditionellen Clanstrukturen agieren.

Badenberg warnte: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch unbeteiligte Dritte Opfer solcher Taten werden.“ Mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 betonte sie, der harte Kurs müsse fortgesetzt werden: „Das muss er, hier helfen keine Sonntagsreden.“