Somalischer Schiedsrichter pfeift Supercup als Spitze gegen Trump
Nach dem Einreise-Verbot bei der WM leitet Omar Artan das Supercup-Finale – die UEFA setzt ein Zeichen gegen US-Präsident Trump und FIFA-Chef Infantino.
Für Omar Abdulkadir Artan wird der 12. August 2026 zum größten Abend seiner Karriere – obwohl ihm die USA wenige Wochen zuvor die Einreise verweigert haben. Die UEFA setzt den somalischen Schiedsrichter im Supercup-Finale zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa in Salzburg ein. Die Ansetzung ist kein Zufall: Sie ist eine politische Spitze gegen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino.
Am 6. Juni 2026 landete Artan mit gültigem Visum in Miami – und wurde von US-Grenzbeamten abgewiesen. Die USA verweigerten dem somalischen WM-Schiedsrichter die Einreise, obwohl die FIFA ihn für die WM nominiert hatte. Ein Vertreter des Außenministeriums warf ihm vor, mit „mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen“ in Verbindung zu stehen. Beweise blieben aus.
Artan wies die Vorwürfe zurück. In Mogadischu wurde der 34-Jährige bei seiner Rückkehr am 12. Juni wie ein Held empfangen. Die FIFA hingegen hielt sich auffällig zurück. Präsident Gianni Infantino sagte, der Verband sei „nur eine Sportorganisation“ und „nicht die Könige der Welt“ – ein Satz, den viele als Eingeständnis der Machtlosigkeit gegenüber der Trump-Regierung werteten. Auch Fans und andere Offizielle traf die Einreisepolitik der Trump-Regierung hart.
Die UEFA kontert mit einer Bühne
Nur wenige Tage nach dem Miami-Eklat nominierte die UEFA Artan für den Supercup – als ersten Nicht-Europäer überhaupt in der Geschichte des Wettbewerbs. Formal berief sich der Verband auf ein Memorandum of Understanding mit dem afrikanischen Verband CAF. Doch wie n-tv berichtet, ist die Ansetzung Teil eines offenen Machtkampfs gegen Infantino.
Bei Artans Ankunft am Flughafen Salzburg am 10. August warteten ein Empfangskomitee, Autogrammjäger und ein Kamerateam der UEFA. Normalerweise ist die Anreise eines Supercup-Schiedsrichters eine Randnotiz. Diesmal verbreitete die UEFA die Bilder auf ihren Kanälen und würdigte Artan auf ihrer Website als herausragende Figur seines Fachs.
Vom Einreiseverbot zum Supercup
2025
Artans Aufstieg
Omar Artan wird zu Afrikas Schiedsrichter des Jahres gewählt und pfeift als erster Somalier ein CAF-Champions-League-Finale.
6. Juni 2026
Einreiseverbot in Miami
US-Behörden verweigern Artan trotz gültigem Visum die Einreise und nennen terroristische Verbindungen.
12. Juni 2026
Held in Mogadischu
Artan wird nach seiner Rückkehr von der lokalen Gemeinschaft gefeiert.
Mitte Juni 2026
UEFA nominiert Artan
Wenige Tage nach dem Eklat erhält er den Zuschlag für das Supercup-Finale.
10. August 2026
Ankunft in Salzburg
Empfangskomitee und UEFA-Kamerateam begrüßen den Schiedsrichter.
12. August 2026
Supercup-Finale
PSG trifft auf Aston Villa; Artan pfeift als erster Nicht-Europäer das Endspiel.
Machtkampf UEFA gegen FIFA
Die Ansetzung ist Teil eines sich zuspitzenden Machtkampfs. Die UEFA stellt sich inzwischen offen gegen Infantino und führt eine Kampagne, um ihn als FIFA-Präsidenten abzulösen. Auslöser war dessen Plan, einen Anteil an der WM an private Investoren zu verkaufen. Medien berichteten von einem 20-Milliarden-Dollar-Vorhaben mit Beteiligung von Jared Kushner, wie die AP meldet.
Am Montag legten die europäischen Verbände gemeinsam mit der AFC und der CONCACAF nach. Sie warfen Infantino ein „tiefgreifendes Versagen im Urteilsvermögen“ vor. Sein Verhalten sei nicht das eines „Hüters des Spiels, sondern das eines Menschen, der glaubt, das Spiel sei ihm Rechenschaft schuldig“. Die Nähe zwischen Trump und Infantino war schon beim WM-Finale sichtbar, als beide gemeinsam den Pokal überreichten.
Artan: „Ich bin so dankbar“
Artan selbst zeigt sich kaum nachtragend. Über die verpasste WM sagt er, es sei eine sehr schwierige Zeit gewesen; viele Menschen hätten Mitgefühl gezeigt. Er schätze die Unterstützung aus aller Welt und sei „so dankbar“. Seinen Einsatz sieht er als Verpflichtung.
„Es war eine sehr schwierige Zeit. Viele Leute haben Mitgefühl mit mir, denn wenn jemand viele Jahre lang gearbeitet hat und etwas tun soll, es dann aber nicht mehr kann, ist das eine große Herausforderung. Ich weiß die Unterstützung, die ich aus aller Welt bekommen habe, aber wirklich zu schätzen. Ich bin so dankbar.“
Omar Abdulkadir Artan, Schiedsrichter (Somalia)
Artan wäre der erste somalische WM-Schiedsrichter gewesen. Dass es nicht dazu kam, bezeichnet er als Schicksal: „Was geschehen ist, ist geschehen. Es war Schicksal. Ich bin jetzt in meinem Land, und es gibt keinen anderen Ort, an dem ich lieber wäre.“ An aufstrebende Offizielle richtet er den Appell: „Glaubt daran: Wenn ich es schaffen kann, kann es jeder. Hör niemals auf zu träumen.“
Sportlicher Rahmen
Sportlich trifft Champions-League-Sieger PSG am 12. August (21 Uhr) in der Red Bull Arena auf Europa-League-Sieger Aston Villa. PSG-Trainer Luis Enrique gewann das Finale der Königsklasse gegen Arsenal; Aston Villa holte unter Unai Emery mit einem 3:0 gegen den SC Freiburg den ersten internationalen Titel seit Jahrzehnten.
PSG könnte als zweites Team der Moderne nach Real Madrid (2016/2017) den Supercup verteidigen. Im Vorjahr gewann PSG gegen Tottenham im Elfmeterschießen. Nun steht Artan im Mittelpunkt – und mit ihm die Frage, ob die UEFA ihre Machtprobe gegen die FIFA und die Trump-Regierung gewinnt.