Pristina entfernt Ukraine-Flagge nach Selenskyj-Aussage
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Kosovo-Eklat

Pristina entfernt Ukraine-Flagge nach Selenskyj-Aussage

Der erste Serbien-Besuch Wolodymyr Selenskyjs endet mit einem diplomatischen Bruch: Nach seiner Aussage zur Nichtanerkennung des Kosovo lässt Pristina die ukrainische Flagge aus dem Stadtzentrum entfernen – und stellt Kiews Prinzip der territorialen Integrität infrage.

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Die Reaktion folgte am Tag nach dem Besuch: Am 9. August 2026 ließ die Stadtverwaltung von Pristina die große ukrainische Flagge mit der Aufschrift „Free Ukraine“ aus dem Stadtzentrum entfernen. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seinem ersten Belgrad-Besuch Serbien erneut zugesichert, die Unabhängigkeit des Kosovo weiterhin nicht anzuerkennen, wie der Kyiv Independent berichtete.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Serbiens Präsident Aleksandar Vučić am Samstag sagte Selenskyj laut RFE/RL: „Wir respektieren die territoriale Integrität unserer Partner; wir respektieren das Völkerrecht; daher bleibt unsere Position bezüglich der einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo unverändert.“

Der Besuch galt als heikel, weil Serbien enge Beziehungen zu Russland unterhält und sich den EU-Sanktionen gegen Moskau nicht angeschlossen hat. Vučić betonte im Anschluss, Serbien habe durch den Besuch „nichts verloren“ und werde die Freundschaften zu Russland nicht zerstören.

Vom Kriegsbeginn zum Flaggen-Eklat

  1. 17. Februar 2008
    Kosovo erklärt Unabhängigkeit

    Mehr als 100 Staaten erkennen den Kosovo an; die Ukraine gehört nicht dazu.

  2. Februar 2022
    Russland greift die Ukraine an

    Pristina hisst im Stadtzentrum eine große ukrainische Flagge mit der Aufschrift „Free Ukraine“.

  3. 7. August 2026
    Selenskyj reist nach Belgrad

    Erster offizieller Besuch des ukrainischen Präsidenten in Serbien.

  4. 8. August 2026
    Kosovo-Aussage in Belgrad

    Selenskyj bekräftigt, dass Kiew die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennt.

  5. 9. August 2026
    Pristina entfernt die Flagge

    Bürgermeister Përparim Rama erklärt: „Der Staat Kosovo muss respektiert werden.“

Pristinas Antwort: Flagge abgehängt

Pristinas Bürgermeister Përparim Rama veröffentlichte am Sonntag ein Video der Abnahme und erklärte, die Solidarität mit Menschen, die unter Krieg und Verfolgung litten, dürfe nicht zulasten der Staatlichkeit des Kosovo gehen. „Der Staat Kosovo muss respektiert werden. Wenn Kosovo nicht respektiert wird, antwortet Pristina!“, schrieb er auf Facebook.

Außenminister Glauk Konjufca reagierte mit Bedauern und erinnerte daran, dass Kosovo die Ukraine seit Beginn des russischen Großangriffs unterstützt hat – mit Sanktionen gegen Russland und Belarus, humanitärer Hilfe, der Aufnahme ukrainischer Journalisten sowie militärischer Ausbildung. Er warnte davor, den Kosovo-Konflikt als Rechtfertigung für Russlands Vorgehen gegen die Ukraine heranzuziehen.

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Kiews Prinzip der territorialen Integrität

Der Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit; mehr als 100 Staaten – darunter die USA, das Vereinigte Königreich und 22 EU-Mitglieder – haben sie anerkannt, fünf EU-Staaten jedoch nicht. Die Ukraine zählt zu den Staaten, die den Kosovo nicht anerkennen.

Kiews Haltung wird mit dem Festhalten am Prinzip der territorialen Integrität begründet, das angesichts der russischen Annexion der Krim 2014 und des anhaltenden Krieges zentral ist. Selenskyj dankte Serbien zugleich für dessen Respekt vor der territorialen Integrität der Ukraine, einschließlich des Status der Krim. Erst im Juli hatte Selenskyj noch von einer realen Aussicht auf ein Kriegsende gesprochen.

Rückendeckung aus Tirana

Albaniens Außenministerium stellte sich hinter den Kosovo. Die Unabhängigkeit des Kosovo und der russische Angriff auf die Ukraine hätten unterschiedliche historische, politische und rechtliche Grundlagen, hieß es aus Tirana. Man verwies auf das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2010, wonach die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoßen habe.

Der frühere kosovarische Außenminister Behgjet Pacolli nannte Selenskyjs Äußerungen „zutiefst enttäuschend“ und verwies auf die anhaltende Unterstützung des Kosovo für die Ukraine.

Auf den Straßen Pristinas waren die Meinungen am 10. August gespalten: Manche hielten die Entfernung für falsch, weil in der Ukraine auch „für unser Schicksal“ gekämpft werde; andere meinten, man hätte die Flagge angesichts der bekannten ukrainischen Position gar nicht erst aufhängen sollen. Politikanalyst Agon Maliqi sagte, der Vorfall werde nun für den inneren Konsum instrumentalisiert.