Schulze weicht Brandmauer-Frage aus – CDU-Fraktion rebelliert
Im MDR-Sommerinterview schließt Ministerpräsident Sven Schulze eine Koalition mit der Linkspartei nicht mehr aus. In der CDU-Landtagsfraktion regt sich Widerstand – ohne die Linke droht der AfD die Regierung.
Vier Wochen vor der Landtagswahl wackelt die Brandmauer der CDU. Im MDR-Sommerinterview weicht Ministerpräsident Sven Schulze der Frage aus, ob er lieber mit der Linken oder der AfD koalieren würde – und schließt eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht mehr aus.
Auf die direkte Frage der Moderatorin Susann Reichenbach, welche Brandmauer er eher einreißen würde, antwortete Schulze ausweichend:
„Am Ende nach dieser Wahl stellt sich doch eine Frage: Entweder die AfD regiert hier oder sie regiert hier nicht. Und ich möchte, dass wir aus der Mitte heraus Sachsen-Anhalt weiter nach vorn bringen. Mit allen, die daran Interesse haben. Aber idealerweise aus der Mitte heraus. Das ist mein Ziel.“
Sven Schulze, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt (CDU)
Die Antwort ist brisant: Seit 2018 gilt in der CDU ein Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber AfD und Linkspartei, den der Landesverband Sachsen-Anhalt 2019 übernahm. Schulzes Weigerung, die Linke klar auszuschließen, stellt diese Festlegung faktisch infrage.
Widerstand in der eigenen Fraktion
CDU-Fraktionschef Guido Heuer lehnt eine Koalition oder andere Form der Zusammenarbeit mit der Linken ab. Stattdessen fordert er eine Minderheitsregierung – „fünf Jahre CDU pur“, wie er laut Welt sagte.
„Eine Koalition oder andere Form der Zusammenarbeit lehne ich ab. Aber eine Minderheitsregierung darf kein Tabu sein. Dann gibt es aber keine Kompromisse, sondern fünf Jahre CDU pur.“
Guido Heuer, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt
Auch der Parlamentarische Geschäftsführer Andreas Schumann warnt: Die CDU dürfe sich für Linken-Stimmen nicht „verkaufen“. Der Magdeburger Abgeordnete Tobias Krull ergänzt: „Wir werden keine Tolerierung durch die Linken um jeden Preis akzeptieren.“
Schulze selbst spielt die Debatte herunter. Die Frage nach einer Allparteienkoalition gegen die AfD interessiere vor allem Journalisten, nicht die Bevölkerung. Bürgern gehe es um Arbeitsplätze und das Gesundheitssystem, sagte er laut Junger Freiheit.
Linke wirbt offen um Schulze
Die Linke signalisiert ihrerseits Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Linken-Bundesvorsitzender Luigi Pantisano hatte im ZDF-Sommerinterview eine Wahl Schulzes zum Ministerpräsidenten nicht ausgeschlossen: „Es geht darum, zu verhindern, dass eine rechtsextreme Partei an die Macht kommt“, sagte er laut Zeit.
Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern bekräftigt das Angebot.
„Wir sehen es als Auftrag unserer Wähler, die Garantin dafür zu sein, dass die AfD von den Schalthebeln der Macht ferngehalten wird.“
Eva von Angern, Spitzenkandidatin der Linken Sachsen-Anhalt
Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow drängt ebenfalls auf Kooperation. „Wer Schaden vom Land Sachsen-Anhalt abwenden will, der muss in der Lage sein, über Parteigrenzen hinweg miteinander zu reden“, sagte er laut taz. Die CDU rumeiere, statt zusammenzuarbeiten.
Umfragen erhöhen den Druck
Die Zahlen verschärfen den Konflikt. Laut einer Insa-Umfrage für Bild liegt die AfD mit 42 Prozent 20 Punkte vor der CDU (22 Prozent). Die Linke kommt auf 13 Prozent. Ohne die Linkspartei gibt es rechnerisch keine demokratische Mehrheit jenseits der AfD, wie auch jux.net zuvor berichtete.
Umfrage Sachsen-Anhalt: AfD dominiert
Quelle: Insa, August 2026
Selbst wenn BSW und SPD dazukämen, bräuchte es die Linke. Die Grünen und die FDP würden nach der Insa-Erhebung an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, das BSW liegt bei genau fünf Prozent.
Entscheidung am 6. September
Im selben Interview sagte Schulze, er bleibe in Sachsen-Anhalt – auch wenn die AfD an die Macht käme. „Ich möchte nicht zurück in die DDR-Zeit, ich möchte nach vorn schauen“, erklärte er laut MDR.
Bis zur Landtagswahl am 6. September bleibt offen, ob die CDU ihre Brandmauer zur Linken einreißt oder ob es zu einer Minderheitsregierung kommt. Die AfD, vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft, könnte sonst erstmals in einem ostdeutschen Land den Regierungschef stellen.