42 % für AfD – Linke bietet CDU Tolerierung an, doch doppelte Brandmauer verhindert Blockade
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42 % für AfD – Linke bietet CDU Tolerierung an, doch doppelte Brandmauer verhindert Blockade

Vier Wochen vor der Landtagswahl liegt die AfD bei 42 Prozent. Linken-Chef Pantisano will CDU-Ministerpräsident Schulze wählen, doch die Christdemokraten halten an ihrer doppelten Brandmauer fest.

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Die AfD steht in Sachsen-Anhalt vier Wochen vor der Wahl mit 42 Prozent uneinholbar vorn – 20 Punkte vor der CDU. Linken-Chef Luigi Pantisano reagiert mit einem überraschenden Angebot: Er schließt nicht aus, dass seine Partei CDU-Ministerpräsident Sven Schulze wählt, um einen AfD-Durchmarsch zu verhindern. Doch die Union mauert mit ihrer doppelten Brandmauer.

Laut einer aktuellen Focus-Meldung über die Insa-Umfrage vom 10. August kommt die CDU von Ministerpräsident Schulze nur noch auf 22 Prozent. Dahinter rangieren die Linke (13 %), SPD (6 %), BSW (5 %) sowie FDP und Grüne (je 4 %). Der Abstand der AfD zur CDU ist damit so groß wie nie.

Bei den etablierten Parteien wächst die Hektik. Denn rechnerisch hätten CDU, Linke und SPD zusammen nur 41 Prozent – weniger als die AfD allein. Eine stabile Regierung ohne die Rechtspopulisten scheint nur mit einem Viererbündnis oder einer Tolerierung möglich.

Pantisano: „Es geht darum, die AfD zu verhindern"

Im ZDF-Sommerinterview am 9. August ging Linken-Chef Pantisano auf Konfrontation zur eigenen Parteitradition. Auf die Frage, ob seine Partei den CDU-Kandidaten Schulze zum Ministerpräsidenten wählen könnte, antwortete er ausweichend, aber deutlich:

Es geht darum, zu verhindern, dass eine rechtsextreme Partei an die Macht kommt.
Luigi Pantisano, Bundesvorsitzender der Linken

Pantisano verwies auf die Regierungsbeteiligungen der Linken in Thüringen und Berlin: „Wir haben in den letzten Jahren als Linke gezeigt, dass wir Verantwortung für dieses Land übernehmen. Vor allem dann, wenn es darum geht, die AfD zu verhindern."

Wir haben in den letzten Jahren als Linke gezeigt, dass wir Verantwortung für dieses Land übernehmen. Vor allem dann, wenn es darum geht, die AfD zu verhindern.
Luigi Pantisano, Bundesvorsitzender der Linken

Das Angebot ist brisant, weil Pantisano erst im Juni der CDU „faschistische Politik" vorgeworfen hatte. Im Interview entschuldigte er sich erneut und nannte die Äußerung „falsch". Bereits im Juli hatte jux.net über interne Tolerierungspläne der Linken berichtet.

CDU-Mauer: Keine Zusammenarbeit mit Linken

Die CDU steht vor einem Dilemma. Ein Unvereinbarkeitsbeschluss des Bundesparteitags von 2018 schließt jegliche Kooperation mit AfD und Linken aus. Bei der Linken verweist die Partei auf die SED-Vergangenheit und ein sozialistisches Gesellschaftsmodell, das mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar sei.

In Magdeburg müsste Schulze also entweder den Beschluss brechen oder eine Regierungsbildung riskieren, die der AfD nützt. Die aktuelle Umfrage zeigt, wie schmal der Spielraum der Union ist:

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Aktuelle Umfragewerte

Insa-Umfrage vom 10. August 2026, Fehlertoleranz ±3,1 Prozentpunkte

Quelle: Insa im Auftrag der Bild, 10.08.2026

BSW-Zerreißprobe: Vorstand abgewählt, Mitglieder laufen davon

Das Bündnis Sahra Wagenknecht kämpft derweil mit massiven internen Problemen. Bei einem Sonderparteitag am Samstag in Burg wurden mehrere Vorstandsmitglieder abgewählt, andere traten aus. Laut MDR verlor der Landesverband seit August rund 100 Mitglieder und zählt noch 540.

Inhaltlich geht es vor allem um den Umgang mit der AfD. Co-Landeschef Thomas Schulze stellte klar: „Es wird mit den Stimmen des BSW keinen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt geben." Gleichzeitig lehnt BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht eine Wahl von CDU-Mann Schulze ab.

Es wird mit den Stimmen des BSW keinen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt geben.
Thomas Schulze, Co-Landesvorsitzender BSW Sachsen-Anhalt

Diese Haltung könnte paradoxerweise AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nutzen. Denn im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. Enthielte sich das BSW, hätte die AfD mit 42 Prozent mehr Stimmen als CDU, Linke und SPD zusammen.

Chronologie: Der Weg zur Wahl

Die Ereignisse der vergangenen Wochen zeigen die zunehmende Zuspitzung vor der Landtagswahl am 6. September:

Die Chronologie

  1. 3. Juli 2026
    AfD bei 41 %, BSW bei 5 %

    Insa-Umfrage sieht AfD bei 41 %, CDU 23 %, Linke 13 %, SPD 6 %, BSW 5 %. Erstmals droht eine Mehrheit ohne die CDU.

  2. 30. Juli 2026
    AfD 41 %, CDU 24 %

    Infratest-dimap-Umfrage bestätigt den Trend. Grüne und FDP scheitern an der Fünfprozenthürde.

  3. 9. August 2026
    Pantisano-Interview und BSW-Sonderparteitag

    Linken-Chef bietet CDU indirekt Tolerierung an. BSW tauscht Vorstand aus und schließt Kooperation mit AfD aus.

  4. 10. August 2026
    Insa: AfD 42 %, CDU 22 %

    Die Lücke wächst auf 20 Prozentpunkte. BSW zieht mit 5 % sicher in den Landtag ein.

Fatales Szenario: AfD-Ministerpräsident durch BSW-Enthaltung

Bei einem Einzug des BSW in den Landtag könnte die AfD im dritten Wahlgang zum Zuge kommen. AfD-Landeschef Martin Reichardt kündigte an: „Wenn wir diese Zielmarke erreichen, regieren wir auch dann, wenn von den drei kleinsten Parteien nur zwei endgültig aus dem Parlament fallen."

Wenn wir diese Zielmarke erreichen, regieren wir auch dann, wenn von den drei kleinsten Parteien nur zwei endgültig aus dem Parlament fallen.
Martin Reichardt, AfD-Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt

BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze plädiert stattdessen für wechselnde Mehrheiten und einen „überparteilichen Ministerpräsidenten„. AfD-Kandidat Siegmund lehnt das ab: „Davon halte ich gar nichts, weil wir doch eine stabile Regierung in diesem Land brauchen.“

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SPD-Generalsekretär spricht vor 30 Leuten

Davon halte ich gar nichts, weil wir doch eine stabile Regierung in diesem Land brauchen.
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt

Die Bundes-SPD kämpft in Sachsen-Anhalt ums parlamentarische Überleben. Bei einem Wahlkampfauftritt sprach Generalsekretär Matthias Miersch vor lediglich 30 Zuhörern, wie die Junge Freiheit berichtet. Mit 6 Prozent liegt die Partei nur knapp über der Fünfprozenthürde.

Am 6. September sind rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, über die Zusammensetzung des Magdeburger Landtags zu entscheiden. Sollte sich der Trend verfestigen, könnte das BSW – einst als linke Alternative angetreten – unfreiwillig zum Steigbügelhalter für den ersten AfD-Ministerpräsidenten der Bundesrepublik werden.